Politik | Ausland
18.08.2017

Provokante Strategen aus Israel

Israelische Wahlkampf-Berater weltweit tätig – Hausarrest für Silberstein.

In Israel ist die"Affäre Silberstein"als "Affäre Steinmetz" bekannt. Der Haftrichter wandelte am Donnerstag die U-Haft des Rohstoff-Milliardärs und die seines PR-Beraters in erschwerten Hausarrest um. Womit Silberstein für die Polizei weiter mutmaßlicher Geldwäscher bleibt. Weshalb er als Kommunikationsberater auch für seinen weltweiten Kundenstamm weiter ausfällt.

Bis diese Woche gehörte auch die SPÖ dazu. Die trennte sich von Silberstein und auch gleich von Mosche Klughaft. Der hat (derzeit) keine Probleme mit Israels Staatsanwalt, und er ist eigentlich ein scharfer Konkurrent Silbersteins. Nur im österreichischen Wahlkampf wollten sie zusammenarbeiten.

Die SPÖ könnte voreilig entschieden haben: Klughaft ist der Mann, der aus Kanzler Kern im Video einen Pizzaboten machte. Als solcher machte er mehr Schlagzeilen als der Kanzler.

Silberstein hat aus vielen Politikern in aller Welt Regierungschefs gemacht. Das gelang ihm etwa bei der ukrainischen Politikerin Julia Timoschenko oder Rumäniens Viktor Ponta. Der wurde übrigens fast gleichzeitig von Klughaft beraten. Das Ergebnis: Rumäniens lahmende Sozialdemokraten wurden 2016 zur stärksten Partei des Landes. Nach einem Zugewinn von 43 Prozent. Und einem Wahlkampf im Stile Klughafts: "Provokation und mutige Einfälle". Die liefert der 37-Jährige sowohl für die rechte israelische Siedlerlobby , aber auch für die linke Kampagne gegen den Libanon-Krieg.

Links oder rechts? Egal

Links oder rechts ist nicht die Frage: Erfolg oder Misserfolg wäre wohl richtiger. Haben israelische Berater in Israel Erfolg, fragt niemand nach. Aber was macht israelische PR-Berater auch im Ausland so "gewinnend"?

"EYMAT", so lautet die Abkürzung für Israels Dachverband der Kommunikationsberater. Das klingt im Hebräischen nach "Schrecken" oder "Mutter". Die Berater, die wie jedes Wort wohl auch ihren Namen auf die Waagschale legten, scheuten ihn nicht. EYMAT hat "Tausende Mitglieder" laut Eigenaussage. Die Erweiterung des Arbeitsfelds ins Ausland liegt da nah.

Lehrmeister in USA

Gelernt haben sie dort ohnehin. Von Lehrmeistern aus und in den USA. So steht die Firma Silbersteins GCS für "Greenberg/Gaon-Carville/Shrum/ Silverstien". Namen, die mehr als einen US-Präsidenten der letzten Jahre ins Weiße Haus brachten.

Über Israel lockten diese Namen Kunden in aller Welt, vor allem Europa, an. Mit dem eigenen israelischen Image, auch harten Problemen nicht aus dem Weg zu gehen. Wobei dem vorauseilenden Ruf oft die Tatsache folgt, ihm gerecht geworden zu sein. Ein neuer Staatschef folgt dem anderen.

Wobei Kommunikationsberater als Berufsangabe längst veraltet ist. Silberstein und Klughaft sind "Strategische Berater". Die Zeitung Haaretz fragte bereits: "Was verbirgt dieser Begriff? Die Hohlheit der Politiker oder die ihrer Programme?"

Strategie geht über den Wahlkampf hinaus. Silberstein blieb nach Netanjahus Wahlsieg noch zwei Jahre dessen Berater. Olmert wollte ihn ebenfalls nach dem durchgestandenen Wahlkampf weiter an seiner Seite: "Er ist mein kluger Freund!" Für Haaretz ist der neue Beruf "vor allem ein Sprungbrett in die Welt, wo Politik sich mit dem Kapital verbündet".

Wen wundert es da, wenn Israel zu einem florierenden Binnenmarkt der EYMAT-Mitglieder wurde. Sogar mittelschwere Gangsterbosse treten heute nicht ohne Berater vor die Kameras. Frechheit siegt da. Wenn etwa ein Doppelmörder den Gerichtssaal mit einem schwarzen Käppchen betritt, wie es die frommen Juden tragen. Ein Signal: Ich bin jetzt fromm und gottgefällig. Möge auch das weltliche Gericht Gnade walten lassen.