Politik | Ausland 10.02.2017

Orban bietet "Opfern" des westlichen Liberalismus Asyl an

Viktor Orban © Bild: APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK

Ungarn habe in sieben Jahren sein "eigenes politisch-wirtschaftliches System aufgebaut, das auf uns zugeschnitten ist und unserem Geschmack entspricht".

Der für seine flüchtlingsfeindliche Politik bekannte ungarische Ministerpräsident Viktor Orban kann sich nun doch Asylsuchende vorstellen, die sein Land willkommen heißen würde: Bürger westlicher Länder, die vor Liberalismus, politischer Korrektheit und Gottlosigkeit in ihrer Heimat fliehen.

"Die wahren Flüchtlinge werden wir natürlich aufnehmen", sagte Orban am Freitag in seiner jährlichen Rede an die Nation in Budapest.

"Jene schreckerfüllten deutschen, holländischen, französischen, italienischen Politiker und Journalisten, jene zum Verlassen ihrer Heimat gezwungenen Christen, die ihr Europa in der eigenen Heimat verloren haben, werden es bei uns wiederfinden", führte der rechtskonservative Politiker aus.

Kritik an liberale Medien

In seiner Ansprache geißelte Orban die liberalen Medien und die internationalen Menschenrechtsorganisationen. Diese würden ein "weltumspannendes Netz" spinnen, um "Hunderttausende Migranten" in Europa "anzuliefern". Damit würden diese Kräfte die traditionellen Nationalstaaten zerstören wollen.

"Orbans Rede fügte sich in jenen nationalistischen, populistischen neo-rechten Trend ein, dem sich der Ministerpräsident selbst zurechnet", sagte der geschäftsführende Direktor des Budapester Think-Tanks Political Capital, Attila Juhasz, dem Nachrichten-Portal hvg.hu.

Rebellion ist vorbei

Zuvor sagte Orban, dass in vergangenen Jahr jene Kräfte in Europa rebelliert hätten, deren Stimme bisher nicht gehört worden sei, da sie die politische Korrektheit einer "Maulsperre" unterworfen habe.

Die Ungarn hätten die Rebellion hinter sich und seien vielleicht die ersten, die 2010 rebelliert hätten, betonte der Premier. Ungarn habe in sieben Jahren sein "eigenes politisch-wirtschaftliches System aufgebaut, das auf uns zugeschnitten ist und unserem Geschmack entspricht".

Als Beispiele für die Rebellion Ungarns führte Orban u.a. das "Heimschicken" des Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Besteuerung der multinationalen Unternehmen an. Für Orban habe das Jahr 2016 bewiesen, dass die globale und liberale Weltordnung durchaus veränderbar sei. Brexit, die amerikanische Präsidentschaftswahl sowie das ungarische Referendum gegen Flüchtlingsquoten seien Beispiele dafür, dass die Menschen vielerorts Hochmut und Obrigkeit, den Zwang der Utopien "satt hatten".

( Agenturen , jk ) Erstellt am 10.02.2017