Politik | Ausland
05.05.2017

Venezuela: Wo ist Oppositionsführer López?

Gefolgsleute des inhaftierten Oppositionellen Leopoldo Lopez fordern internationalen Druck auf Präsident Maduro. 35 Tote bei Unruhen. Südamerikanisches Land steht am Rande der Eskalation.

Seit einem Monat fehlen gesicherte Informationen zum Zustand des inhaftierten venezolanischen Oppositionsführers Leopoldo Lopez - seine Familie ist tief beunruhigt und fordert internationalen Druck auf Präsident Nicolas Maduro.

"Wir wissen nicht, wo Leopoldo ist. Aber in einem bin ich mir sicher, er leistet Widerstand, so wie Venezuela auf den Straßen Widerstand leistet", sagte seine Ehefrau Lilian Tintori, nachdem sie wieder vergeblich bis in die Nacht hinein vor dem Militärgefängnis Ramo Verde um Zugang zu ihm gebeten hatte.

Der Chef der Partei Voluntad Popular ("Volkswille") verbüßt wegen angeblicher Anstachelung zu Gewalt bei regierungskritischen Protesten eine fast 14-jährige Haftstrafe. 2014 waren 43 Menschen bei Protesten gegen den Sozialisten Maduro gestorben. Das Urteil wurde als rein politisch motiviert kritisiert.

Eskalation befürchtet

Der 46-jährige Lopez war bis zu seiner Verhaftung der wichtigste Gegenspieler Maduros und gilt im Falle einer Freilassung als ein Favorit auf das Präsidentenamt. Wenn ihm etwas zustoßen sollte, könnte die Lage im Land vollends eskalieren.

Mehrere Abgeordnete ließen am Freitag ein riesiges Banner an der Nationalversammlung herunter, auf dem stand: "Maduro Dictador." Im Parlament hat die konservativ-liberale Opposition die Mehrheit, aber mit Notdekreten regiert Maduro daran vorbei. Daran, und an der Tatsache, dass das Land mit den größten Ölreserven in die schlimmste Krise seiner Geschichte geraten ist, hatten sich die Proteste entzündet. Seit Anfang April starben 35 Menschen; gefordert werden Neuwahlen und auch Lopez' Freilassung. Es gab über 700 Verletzte.

Land am Abgrund

Der venezolanische Oppositionsführer Henrique Capriles bezeichnete die aktuelle Lage seines Landes als "untragbar". Nach den seit Wochen andauernden Massenprotesten steuere Venezuela nun auf eine "Lösung" zu, sagte Capriles der Nachrichtenagentur AFP. "Wenn wir gewalttätig wären, wenn wir nicht demokratisch wären, hätten wir die Regierung bereits gestürzt", fügte Capriles hinzu.

Lilian Tintori, frühere Kitesurf-Meisterin Venezuelas, ist heute eines der Gesichter der Protestbewegung. Im Februar war sie bei US-Präsident Donald Trump in Washington, der danach die sofortige Freilassung von Lopez forderte. Die Antwort aus Caracas: Am nächsten Tag bestätigte der Oberste Gerichtshof die lange Haftstrafe gegen Lopez, zudem soll er zuletzt in Isolationshaft gewesen sein.

Auch der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro, will Lopez besuchen. Er forderte Zugang und Informationen über den Zustand von Lopez. Aber Maduro hat den früheren uruguayischen Außenminister wegen seiner scharfen Kritik quasi zum Staatsfeind erklärt und nach fast 70 Jahren den Austritt aus der 35 Staaten umfassenden Amerika-Organisation angekündigt.

Dirigent Dudamel: Maduro soll auf Volk hören

Der venezolanische Stardirigent Gustavo Dudamel (36) forderte von Maduro, auf das Volk zu hören und die Unterdrückung zu stoppen. Nichts könne rechtfertigen, dass Blut eines Volkes vergossen werde, das an einer "unerträglichen Krise" ersticke, erklärte der Musiker, der aktuell das Philharmonieorchester von Los Angeles dirigiert. Zuvor war am Mittwoch auch ein 18-jähriger Musiker, der in einem staatlichen Orchester Bratsche spielte, bei Protesten mutmaßlich von einer Kugel tödlich getroffen worden.