Politik | Ausland
12.04.2013

Präsidentenwahlen für den Hugo

Wie ein riesiger Schatten breitete sich die Figur Hugo Chavez über den Wahlkampf.

Chavez, ich schwöre dir, ich wähle Maduro“, singt die Menge vor der Bühne. Tausende sind gekommen, um Nicolas Maduro reden zu hören. Da steht er und hält ein riesiges Bildnis von Hugo Chavez in seinen Händen. Seinem ehemaligen Chef, ihrem ehemaligen Staatschef. Wie ein Schatten lag der tote Presidente über dem Wahlkampf. Maduro vergießt regelmäßig vor der Wählerschaft Tränen und erzählt, dass ihm der geliebte Hugo in Form eines Vogels erschienen sei. Bei jeder Gelegenheit ruft er den Venezolanern ins Gedächtnis, dass Hugo Chavez ihn allein zum Nachfolger ausgewählt hat.

Aber nicht nur mit Hilfe des toten Chavez will dessen politischer Ziehsohn Maduro am kommenden Sonntag das Rennen machen. Von „oben“ erwartet sich der gläubige 50-Jährige doppelte Schützenhilfe. Ein jahrhundertealter Fluch soll die Opposition ereilen, drohte er in einer seiner Reden: „Auf den, der gegen Nicolas Maduro stimmt, wird der Fluch von Macarapana fallen.“ Schützenhilfe bekommt Maduro auch von anderer Seite: Argentiniens Ex-Fußballstar Diego Maradona unterstützt ihn im Wahlkampffinale.

Schlammschlacht

Während Maduro sogar Chavez’ Rhetorik zu kopieren scheint, wird sein junger Konkurrent, Henrique Capriles Radonski, nicht müde, vom großen Wandel zu sprechen. Die Schlammschlacht der beiden Kandidaten ist Pflichtprogramm: Gesundheit und Bildung würden privatisiert, wenn Capriles Präsident wird, droht Ex-Außenminister Maduro. Zudem unterstellt der Sozialist der Opposition den „feigen Plan“, sich wie bei der Parlamentswahl 2005 kurz vor Schluss zurückzuziehen, um Unruhe zu stiften.

Maduro will Chavez’ „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ fortführen, und wie er Kliniken und Schulen für Arme bauen, subventionierte Nahrung und Wohnungen vergeben. Er will weiter mit den „Antikapitalisten“ Iran, Weißrussland und Kuba zusammenarbeiten.

Capriles behauptet, dass die Regierung Staatsgelder benutzt, um Maduros Sieg zu „erkaufen“ und spielt damit auf die Korruption im Staatsapparat an. Er lobt die sozialen Errungenschaften Chavez’, kritisiert aber deren Abwicklung. Er nennt sich „Sozialist“, gilt aber eher als Konservativer. Die „moderne Linke“ Brasiliens beschreibt er als sein Vorbild.

Der junge, sportliche Capriles wirkt wie ein Popstar. Junge Frauen rufen ihm auf Wahlkampfveranstaltungen Heiratsanträge zu. Falls er nicht das Präsidentenamt gewinnt, findet der populärste Junggeselle Venezuelas zumindest eine Braut.

Egal, wer am Sonntag das Rennen macht, leicht wird es für niemanden, in Chavez’ Fußstapfen zu steigen. Der seit 1998 amtierende Präsident hatte seine Position eher durch Rhetorik und Charisma als durch seine Politik gefestigt. Wirklich fortführen kann man seinen Weg jetzt nicht. Auch wenn das Nicolas Maduro, der in allen Umfragen vor Capriles liegt, stets verspricht.

Korruption und Kriminalität sind die größten Probleme. Dazu kommt die marode Wirtschaft. Die Produktion ist auf dem Tiefpunkt, die Staatsausgaben sind enorm. Der Reformstau ist gewaltig.

Erdöl an den Erzfeind

Da nutzen auch die riesigen Erdölreserven nichts. (Nach eigenen Angaben die größten weltweit.) Sie sind für 95 Prozent der Exporte verantwortlich. Und die gehen vor allem nach Amerika – zum Erzfeind. Venezolaner haben vom Öl Jobs und billigen Treibstoff. Für großes Wirtschaftswachstum reicht es nicht. Wegen der schwachen Raffinerie-Kapazitäten muss Benzin großteils importiert werden.

Der Wahlkampf und die Kandidaten