Zwölf Tote bei nächtlichen Unruhen in Caracas

Police officers and criminal investigators look fo
Foto: REUTERS/CARLOS GARCIA RAWLINS Der gewaltsame Konflikt in Venezuela sorgt international für Besorgnis.

Unruhen und Plünderungen in der venezolanischen Hauptstadt. Opposition wirft Regierung vor, Demonstranten gezielt von Milizen erschießen zu lassen.

Bei Unruhen und Plünderungen sind in der venezolanischen Hauptstadt Caracas zwölf Menschen getötet worden. Zudem wurden seit der Nacht zum Freitag sechs weitere Menschen verletzt, wie der Generalstaatsanwalt berichtete. Besonders im Stadtviertel El Valle kam es zu nächtlichen Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, Demonstranten legten Feuer, es bot sich ein Bild der Verwüstung.

Erst am Mittwoch waren bei den Massenprotesten in Caracas ein 17-Jähriger und in San Cristobal eine 23-Jährige durch Kopfschüsse getötet worden. Augenzeugen zufolge wurden die Schüsse von Mitgliedern der "colectivos", von der Regierung bewaffnete zivile Gruppen, abgegeben. Die Opposition wirft der Regierung vor, Demonstranten gezielt von Milizen erschießen zu lassen.

TOPSHOT-VENEZUELA-OPPOSITION-PROTEST Foto: APA/AFP/FEDERICO PARRA Die Opposition rief nun für Samstag zu einem landesweiten Schweigemarsch und für Montag zur "nationalen Blockade" von Straßen auf.

In der Hauptstadt Caracas setzte die Nationalgarde am Donnerstag Tränengas gegen tausende Demonstranten ein. Einige von ihnen warfen mit Steinen und Molotowcocktails. Auch in anderen Städten gab es Zusammenstöße. Die Opposition kündigte für Samstag weitere Proteste an.

TOPSHOT-VENEZUELA-OPPOSITION-PROTEST Foto: APA/AFP/JUAN BARRETO

"Ich bin bereit, jeden Tag auf die Straße zu gehen, wenn es notwendig ist"

"Ich bin müde, ja, aber man muss Mut haben", sagte der 22-jährige Student Aquiles Aldarzoro, der sich an den Protesten beteiligte. "Ich bin bereit, jeden Tag auf die Straße zu gehen, wenn es notwendig ist." Nach dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschoßen hatten sich die Demonstranten in Caracas weiter in den Osten der Stadt zurückgezogen. Einige junge vermummte Demonstranten blieben aber und bewarfen die Ordnungskräfte mit Steinen und Molotowcocktails. Es wurden Mistkübel angezündet, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

In this April 19, 2017 photo, a youth aims his sli… Foto: AP/Fernando Llano Inmitten der Auseinandersetzungen baute sich ein nackter Demonstrant vor den Sicherheitskräften auf, der nichts als Sportschuhe und Socken trug. Er stieg auf ein gepanzertes Militärfahrzeug und rief offenbar im Hinblick auf die Tränengasbomben: "Bitte werft keine Bomben mehr!" Staatschef Maduro machte sich im venezolanischen Fernsehen über diese Szene lustig und kritisierte den Auftritt als "Show".

Broken glass is seen in a convenience store, after Foto: REUTERS/CHRISTIAN VERON Venezuela steckt seit Monaten in einer tiefen politischen Krise. Am Mittwoch beteiligten sich Hunderttausende Menschen an einer Großdemo gegen den sozialistischen Staatschef. Die konservativen Regierungsgegner im ölreichen Venezuela machen Maduro für die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung zu seiner Amtsenthebung. Maduro muss sich regulär erst im Jahr 2019 einer Wahl stellen.

TOPSHOT-VENEZUELA-OPPOSITION-PROTEST Foto: APA/AFP/JUAN BARRETO Der gewaltsame Konflikt in Venezuela sorgt international für Besorgnis. Die Europäische Union rief am Donnerstag zur "Deeskalation" auf. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die venezolanische Regierung müsse "das Recht auf friedliche Demonstrationen gewährleisten" und "Gewalttaten gegen Demonstrationen verhindern".

TOPSHOT-VENEZUELA-OPPOSITION-PROTEST Foto: APA/AFP/RONALDO SCHEMIDT UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte,"dass alle Anstrengungen unternommen werden, um die Spannungen zu verringern und neue Auseinandersetzungen zu verhindern". Neun lateinamerikanische Länder, darunter Argentinien, Brasilien und Kolumbien, kritisierten in einer gemeinsamen Erklärung "den Verlust weiterer Leben" in Venezuela.

VENEZUELA-OPPOSITION-PROTEST Foto: APA/AFP/JUAN BARRETO

(apa, afp / dw) Erstellt am
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