Starmusiker David Aaron Carpenter spielte die Stradivari-Bratsche bei einer Präsentation in Paris.

© Reuters/ CHARLES PLATIAU

USA
04/20/2014

Stradivari-Bratsche soll 33 Millionen Euro bringen

Sotheby’s hofft auf einen Rekord bei der Versteigerung einer 300 Jahre alte Bratsche.

von Alexandra Uccusic

Normalerweise sorgen Bilder oder Skulpturen auf dem Kunstmarkt für erhöhten Blutdruck. Diesmal könnte es ein Musikinstrument sein – wenn es klappt, wäre es die Kunstsensation des Jahres: Eine 300 Jahre alte Stradivari soll bei einer Versteigerung rund 45 Millionen Dollar (knapp 33 Millionen Euro) einbringen. Das wäre das Dreifache des bisherigen Auktionsrekords für ein Musikinstrument. Es ist das erste Mal seit 60 Jahren, dass eine der äußerst seltenen Bratschen des italienischen Geigenbauers verkauft werden.

Die unter dem Namen "Macdonald" bekannte Bratsche, die aus dem Jahr 1719 stammt, wurde vor wenigen Tagen bei Sotheby’s in Paris präsentiert. Versteigert wird sie in New York; Interessenten haben bis 26. Juni Zeit, um ein Angebot zu unterbreiten. Das Instrument geht dann an den Meistbietenden. "Solch ein Ereignis gibt es nur ein Mal im Leben", schwärmte Experte Tim Ingles.

"Beste Bratsche, die heute noch existiert"

Den Geigen von Antonio Stradivari (1644–1737) eilt ein legendärer Ruf voraus. Ihr Klang gilt als unvergleichlich. Von allen Instrumenten, die der italienische Geigenbauer herstellte, sind die Bratschen die seltensten. Es gibt weltweit nur noch zehn Exemplare, während einst 600 Stradivari-Geigen und 50 Violoncellos hergestellt wurden. In Stradivaris "goldener Periode" von 1700 bis 1720 fertigte er ganze zwei Bratschen. Die "Macdonald" ist laut Experten mit Abstand die beste. Sotheby’s spricht gar von der "besten Bratsche, die heute noch existiert".

"Es ist der Rolls-Royce unter den Instrumenten. Oder sagen wir besser, der Bugatti, weil man sie sehr schnell spielen kann", schwärmt David Aaron Carpenter. Der New Yorker gehört zu den besten Bratschisten der Welt und durfte das Instrument bei der Präsentation in Paris spielen. Sein Urteil: "Die Komplexität dieses Klangs ist einfach einzigartig. Ich weiß nicht, ob es das perfekte Instrument gibt. Wenn, dann ist sie es!"

Fichten- und Ahornholz

Die Bratsche aus Fichten- und Ahornholz ist nach einem früheren Besitzer, Godfrey Bosville, Baron Macdonald III, benannt, der das Instrument gegen 1820 kaufte. Zuletzt hatte sie dem in Wien geborenen Musiker Peter Schidlof gehört, der vor den Nazis nach England geflohen war und dort das legendäre Amadeus-Quartett gegründet hatte.

Ein Konzert in der Londoner Wigmore Hall 1948 bildete den Anfang der Weltkarriere des Amadeus-Quartetts, in dem Schidlof die Bratsche spielte: 1953 fand die erste USA-Tournee statt, 1958 die erste Welttournee. Das Quartett gab mehr als 4000 Konzerte, trat bei allen großen Musikfestivals auf und war in unzählige Rundfunk- und TV-Sendungen zu hören. Zudem machten die Musiker fast 200 Plattenaufnahmen. Peter Schidlof starb im Jahr 1987 im Alter von 65 Jahren; seitdem war die Bratsche im Besitz seiner Familie.

Das Instrument mit der berühmten Stradivari-Lackierung ist noch in perfektem Zustand. Dennoch zweifeln manche Experten daran, dass ein derart hoher Preis erzielt werden kann. Derzeit hält eine Stradivari-Geige – "Lady Blunt" – den Rekord: Sie wurde im Juni 2011 für 15,9 Millionen Dollar (11,5 Millionen Euro) versteigert. Ein Jahr später soll die "Vieuxtemps Guarneri", eine 1741 von Giuseppe Guarneri gebaute Geige, in einem privaten Handel für 16 Millionen Dollar verkauft worden sein. Das ist jedoch unbestätigt.

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