Politik | Ausland
27.09.2017

USA: Polizistenduo beteiligte sich am "Knie"-Protest

Eine Aktivistin ließ sich mit zwei Polizisten aus Chicago fotografieren. Den beiden droht nun eine Abmahnung.

Die Protestwelle nach Donald Trumps jüngsten Attacken auf Football- und Basektballstars hat inzwischen auch die Polizei von Chicago erreicht. Die Zeitung "Chicago Sun-Times" veröffentlichte am Dienstag ein Foto der US-Aktivistin Aleta Clark mit zwei Polizisten, die gemeinsam mit ihr knien und dabei ihre Fäuste in die Luft strecken. Den beiden Beamten droht nun eine Abmahnung.

US-Präsident Trump liefert sich seit Tagen einenheftigen Streit mit Sportstarsüber deren angeblich mangelnde patriotische Gesinnung. Diese waren wiederholt aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze auf die Knie gegangen, während die Nationalhymne vor Beginn ihres Spiels ertönte. Nach scharfen Attacken Trumps auf die Spieler weiten sich die Proteste seit Tagen immer weiter aus.

Polizisten gefährden Karriere

Sie habe in zwei Polizeiwachen von Chicago gefragt, ob Polizisten gemeinsam mit ihr für ein Protest-Foto posieren wollten, sagte Clark der Nachrichtenagentur AFP. "Ich wollte wissen, ob ich Polizisten finden kann, die Rassismus und Polizeigewalt für falsch halten". In der ersten Wache, in der nur weiße Polizisten im Dienst gewesen seien, habe sie keinen Erfolg gehabt. In der zweiten Wache aber seien zwei schwarze Beamte zu dem gemeinsamen Foto bereit gewesen.

Dazu brauche es Mut, sagte die Aktivistin, die für ihre Aktionen gegen Gewalt bekannt ist. Immerhin könnten die beiden Polizisten damit ihre Karriere gefährden. Tatsächlich erklärte Polizeisprecher Anthony Guglielmi, die beiden Beamten hätten mit ihrem Kniefall gegen den Grundsatz verstoßen, jede politische Aktivität im Dienst zu unterlassen. Sie müssten nun mit einer Abmahnung rechnen.

Hymnenstreit geht weiter

Ungeachtet heftiger und prominenter Gegenmeinungen hält US-Präsident Donald Trump jedoch an seiner scharfen Kritik fest, mit der er während des Abspielens der Nationalhymne aus Protest kniende Footballspieler brandmarkt. Am Dienstag (Ortszeit) pflichtete ihm Chefankläger und Justizminister Jeff Sessions bei und stimmte in die Kritik an Spielern der National Football League NFL ein.

Trump sagte, so viele Menschen seien im Kampf für die USA gestorben. Dies nicht zu respektieren, indem man bei der Hymne niederknie statt zu stehen, sei eine Schande. "Man darf unser Land nicht verächtlich behandeln", sagte Trump. "Ich war beschämt von dem, was passiert ist." Er sei in dieser Frage alles andere als voreingenommen. "Es ist sehr wichtig, dass die NFL das Knien nicht mehr erlaubt." Die Aktionen hatten 2016 als Symbol gegen Polizeigewalt, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit begonnen.

Kurzgedicht von Clooney

Sessions sagte in Washington, die Spieler würden mit ihren Aktionen während der Hymne einen großen Fehler machen. Sie hätten zwar das Recht auf freie Meinungsäußerung, sagte Sessions. Aber: "Auch wenn die Spieler nicht Gegenstand einer Anklage sind - wenn sie provozieren, müssen sie damit rechnen, verurteilt zu werden. Der Präsident hat dazu das Recht, und auch ich verurteile ihre Aktionen."

Der Schauspieler und Filmregisseur George Clooney schloss sich indes als jüngster Prominenter dem Kreis der Unterstützer der "#TakeAKnee"-Bewegung an. In einem Kurzgedicht schrieb der Oscar-Gewinner, dass er für die Menschen in dem USA bete und dass "Dissens in diesem großartigen Land" immer unter Schutz stehen wird. "Ich bete dafür, dass wir mehr finden, das uns zusammenbringt als uns spaltet. Ich bete für die Führer unserer Nation, dass sie dasselbe tun", erklärte der Clooney, der Trump nicht namentlich erwähnte. "Und wenn ich bete, knie ich", beschloss er das Gedicht.