Donald Trump unter Druck

© REUTERS/MIKE SEGAR

USA
10/08/2016

Kostet sexistisches Video Trump die Kandidatur?

Nicht nur Kommentatoren kritisieren den Präsidentschaftskandidaten wegen seinen sexistischen Äußerungen aus dem Jahr 2005. Republikaner gehen auf Distanz und fordern sogar den "Rücktritt" des Exzentrikers.

von Jürgen Klatzer

Pleiten, Pech und Pannen - oft sind es äußere Umstände, die einem das Leben so richtig schwer machen können. Bei Donald Trump ist das allerdings nicht der Fall. Denn wie so oft holt den Präsidentschaftskandidaten seine Geschichte ein. Ein Video aus dem Jahr 2005, das die Washington Post nun veröffentlichte und in dem sich Trump abfällig und vulgär gegenüber Frauen äußert, sorgt international - natürlich vor allem in den USA - für blankes Entsetzen. Selbst aus den eigenen Reihen kommen Rücktrittsforderungen.

Es waren nicht die Wochen von Donald Trump. Nach der ersten großen TV-Debatte gegen Hillary Clinton lief es für den Exzentriker, der seine sexistischen Äußerungen gerne als "absichtliche Unterhaltung" abtut, nicht gerade rund. Die New York Times berichtete, dass Trump wegen einiger Pleiten in seiner Steuererklärung 1995 einen Verlust von 916 Millionen Dollar angab und somit womöglich 18 Jahre lang keine Einkommenssteuern zahlte. Dass Trumps Casinos in Atlantic City nicht rentabel waren, er aber trotzdem Millionen scheffelte, bestätigt nun auch eine Studie.

Wegen abfälliger Äußerungen über eine frühere Miss Universum, die zugenommen hatte, hielt sich Trump tagelang in den Schlagzeilen - und wegen eines Soft-Pornos, in dem er eine Nebenrolle besetzt hatte.

Das Ende des Rennens

Das jüngste Skandalvideo, das aus dem Jahr 2005 stammt, wird von Kommentatoren und Moderatoren ziemlich klar als "politisches Erdbeben" eingeschätzt. Anthony Zurcher, US-Korrespondent der BBC, schreibt noch etwas harmlos, dass nun "dunkle Wolken über Trumps Kandidatur" hängen. Andere hingegen, wie der renommierte Journalist William Schneider, gingen mit dem Immobilien-Tycoon härter ins Gericht. Gegenüber Al Jazeera sagt er, dass Trumps Worte "giftig" und "verheerend" sind. "Viele Amerikaner denken bereits, dass er für das Amt des Präsidenten nicht qualifiziert ist, und das Video bestätigt das nur noch", erklärt Schneider. "Wenn er im Rennen bleibt, ist das seine Entscheidung, aber er wird verlieren."

Der Kommentator und Ex-Wahlkampfmanager der Demokraten Bob Beckel erklärt auf CNN, dass das der Wahlkampf vorbei ist. "The race is over. Noch am Samstag werden mächtige Parteispender Trump den Geldhahn zudrehen."

Ok, jetzt könnte man meinen, ein ehemaliger Wahlkampfmanager der Demokraten müsse sowas sagen - ganz im Sinne des Wahlkampfes eben. Aber nicht nur Trumps Konkurrenz kritisieren die sexistischen Aussagen und prophezeien eine Niederlage gegen Clinton. Auch namhafte Republikaner äußern sich auf Twitter oder über US-Medien zum Video und lassen kein gutes Haar an IHREM Präsidentschaftskandidaten.

Republikaner verurteilen Trumps Aussagen

Reince Priebus, Parteivorsitzende der Republikaner, sagte, dass keine Frau "jemals mit solchen Begriffen beschrieben werden sollte. Niemand sollte auf diese Art und Weise über sie reden." Für Senator Ted Cruz, der sich im Vorwahlkampf der Republikaner einige verbale Schlammschlachten mit Trump lieferte, bezeichnete die Äußerungen als "beunruhigend und unangemessen. Es gibt keine Entschuldigung dafür."

Paul Ryan, republikanischer Abgeordnetenhaus-Chef zur Washington Post: "Ich hoffe, dass Herr Trump die Situation mit dem Ernst behandelt, die sie erfordert, und dass er daran arbeitet, dem Land zu demonstrieren, dass er größeren Respekt für Frauen hat als es dieser (Video-)Clip zeigt." Noch härter geht der republikanische US-Senator Mike Lee mit Trump ins Gericht und hat ihn zum "Rückzug" aufgefordert. Die Republikaner sollen stattdessen einen neuen Kandidaten für die Wahl am 8. November aufstellen, sagte Lee. Mark Kirk, Senator aus Illinois, reagiert auf Twitter ähnlich.

https://twitter.com/SenatorKirk/status/784555457255964672
Mark Kirk (@SenatorKirk

"Als Vater von drei Töchtern" glaubt der Mehrheitsführer im US-Senat Mitch McConnel, ebenfalls Republikaner, dass sich Trump bei allen Frauen und Töchtern entschuldigen muss. "Er muss auch die volle Verantwortung für seine respektlosen Kommentare tragen."

Nach Ansicht von Jeb Bush, Bruder des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und ehemaliger Kandidat der Republikaner, gibt es für diese "verwerflichen Kommentare" keine Entschuldigung. "Nichts kann sowas rechtfertigen", heißt es in einem Statement.

Jason Chaffez, Utah-Repräsentant im Kongress, zog umgehend die Reißleine und kündigte an, Trump nicht mehr zu unterstützen. "Ich habe eine 15-jährige Tochter. Denken Sie, ich kann ihr in die Augen schauen, wenn ich jemanden unterstütze, der so handelt?"

Ist Trump angezählt?

Ist das nun das Ende von Donald Trump? Eine Antwort darauf könnte es am kommenden Sonntag geben, wenn Clinton und Trump in St. Louis zu ihrer zweiten Fernsehdebatte antreten. Aber freilich, während des langen US-amerikanischen Wahlkampfes hatte schon mehrfach für Empörung gesorgt, etwa mit Angriffen auf ein Ehepaar, das seinen Sohn im Irak-Krieg verloren hat oder mit beleidigenden Worten über seine Kontrahenten ("Lügender Ted", "Niedrig-Energie Jeb", "Kleiner Marco", "Korrupte Hillary"). Und immer wieder ist Trump zurückgekehrt, Kritik ließ er wie Regentropfen abperlen.

Und was passiert, wenn Donald Trump aufgibt? Es müsste auf alle Fälle schnell gehen, die US-Wahl findet in wenigen Wochen statt. In "Rule 9" des Republican National Committee, das nationale Organisationsgremium der Republikaner, ist das Verfahren für einen solchen Fall festgeschrieben. Sollte der Präsidentschaftskandidat oder der Vize-Präsidentschaftskandidat seine Kampagne beenden, egal aus welchem Grund, wird ein neuer Kandidat bestimmt. Entweder auf einem wiedereinzuberufenden Parteitag oder durch das National Committee selbst.

Weil bis zur Wahl (8. November) nur noch ein Monat Zeit ist, wäre ein Parteitag kaum mehr zu organisieren. Deshalb käme wohl das gesamte 168-köpfige National Committee zusammen. Wer dann auf Trump folgen soll, ist ungewiss. Vize-Präsidentschaftskandidat Mike Pence oder Paul Ryan wären Alternativen, weil sie auch bekannte Gesichter im Land sind.

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