USA: Ja zu Amerika, Nein zu Gott

Katie Daniel, left, and Eleanor Wroblewski, employees of the Freedom From Religion Foundation, rally in favor of of  U.S. District Judge Barbara Crabbs  ruling last month that found the National Day of Prayer unconstitutional, outside the Wisconsin Capito
Foto: AP Ryan J. Foley Die Zahl der Amerikaner , die keiner Glaubensrichtung angehören, ist die am stärksten wachsende „Religionsgruppe“ des Landes – besonders unter den Jungen.

Nicht gläubig zu sein, ist in den USA ein Minderheitenprogramm. Doch die Menschen ohne religiöses Bekenntnis werden immer mehr.


Ich bin ein Atheist!" Mit diesem Satz lüftete Teresa MacBain ihr größtes Geheimnis. Sekunden später brach sie in Tränen aus. Die 44-jährige Pastorin einer evangelisch-methodistischen Kirche in Florida "o­utete" sich unlängst auf einer Versammlung amerikanischer Nicht-Gläubiger in einem Vorort von Washington und erntete damit minutenlangen, donnernden Applaus. Anschließend standen viele aus dem bunt gemischten Publikum Schlange, um sie zu umarmen.

Zu einer Zeit, in der Religion in Amerika einen breiten Raum in der politischen Diskussion einnimmt – man denke nur an das Buhlen der republikanischen Präsidentschaftskandidaten um die Stimmen ihrer konservativen Basis –, wagen sich Atheisten und Nicht-Gläubige wie MacBain mehr und mehr in die Öffentlichkeit.

Ende März nahmen in Washington Tausende Menschen an einer "Kundgebung für die Vernunft" teil. Am Tag zuvor pilgerten rund 200 von ihnen zum Kongress, um ihre Anliegen vorzubringen. Im Kongress dient derzeit nur ein einziger offen atheistischer Abgeordneter, ein Demokrat aus Kalifornien namens Pete Stark.

Misstrauen

Teresa MacBain, Atheistin/Pastorin aus Florida Foto: Veronika Oleksyn Pastorin Teresa MacBain
outete sich als Atheistin

Laut einer Umfrage der University of Minnesota sind Atheisten jene Minderheit, der am meisten misstraut wird. Wenn es um die Präsidentschaft geht, würden knapp die Hälfte der Amerikaner keinen Atheisten wählen, so das Forschungsinstitut Gallup.

Sieben Monate vor den Präsidentschaftswahlen sieht der republikanische Spitzenkandidat Mitt Romney offenbar sogar Chancen, den Makel des Atheismus auf Amtsinhaber Barack Obama zu übertragen. So sagte er in Hinblick auf Obamas Gesundheitsreform: "Es gibt in Amerika das Bestreben, eine Religion namens Säkularismus zu errichten und ich weiß aus Berichten, dass sich die Obama-Regierung das gut überlegt hat."

Genaue Angaben über die Anzahl von Konfessionslosen in den USA gibt es nicht. Doch etliche Studien deuten darauf hin, dass heutzutage mehr Bürger denn je ohne religiöses Bekenntnis leben. Laut einer im Dezember 2011 veröffentlichten Gallup-Umfrage haben 15 Prozent der Amerikaner keine offizielle religiöse Identität. Im Vergleich dazu war es 1951 nur ein Prozent.

Keine Randgruppe

"Menschen ohne Bekenntnis sind keine Randgruppe mehr", steht es in einem Bericht des Institute for the Study of Secularism in Society and Culture am Trinity College. Unter den 18- bis 29-Jährigen, so der Bericht, betrage der Anteil, der unter Bekenntnis die Rubrik "Nichts" ankreuzen würde, sogar 25 Prozent.

Ein Mitglied der jungen Generation ist Jessica Ahlquist, die ihre Schule unter Hinweis auf die Trennung von Kirche und Staat in der Verfassung auf Entfernung eines öffentlich in der Aula angebrachten Gebets geklagt hat. Der Prozess hat in der kleinen Gemeinde von Cranston im Bundesstaat Rhode Island viel Aufruhr verursacht und einen lokalen Politiker aus der demokratischen Partei sogar dazu veranlasst, den Teenager in einer Radiosendung "ein böses kleines Ding" zu nennen.

Ahlquist hat sich nicht einschüchtern lassen und das Gerichtsverfahren vor Kurzem gewonnen. Jetzt hofft sie, dass andere ihrem Beispiel folgen. "Was ich gemacht habe, kann jeder!", rief sie den Teilnehmern der "Kundgebung für die Vernunft" zu.

Leichter gesagt als getan. "Für viele Menschen ist Religion nicht nur eine Idee, sondern eine Identität und wenn wir uns als Atheisten deklarieren, lehnen wir für sie damit auch ihre Identität ab", meint Aktivistin Greta Cristina. Für die meisten Konfessionslosen in den USA bleibt es daher schwierig, mit ihrem Umfeld ehrlich umzugehen.

Pastorin MacBain erzählt von der Unterstützung ihres Mannes, mit dem sie schon 25 Jahre lang verheiratet ist. Ihre zwei erwachsenen Söhne sind aber nicht begeistert. "Sie müssen es eben noch verarbeiten", sagt sie dem KURIER.

Religionen in den USA: Zugehörigkeit

Religionen in den USA: Zugehörigkeit

Die Größten: Knapp vier Fünftel der etwa 310 Millionen

US-Bürger sind Christen: 51 Prozent gehören protestantischen Kirchen an – die größten davon sind die evangelikalen Kirchen (26 %). 24 Prozent sind Katholiken.

Die Kleinsten: Mormonen: 2 Prozent, Zeugen Jehovas: 1 Prozent, Juden: 2 Prozent, Muslime: 1 Prozent, Buddhisten: 1 Prozent.

Ohne Bekenntnis: Im Durchschnitt der US-Bevölkerung 15 Prozent – bei 18- bis 29-Jährigen hingegen 25 Prozent. Die Tendenz ist steigend

(kurier) Erstellt am
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