Politik | Ausland
12.04.2017

USA: Russische Beteiligung an Putschversuch in Montenegro?

Trump-Regierung verschärft ihre Kritik an Moskau.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat ihre Kritik an Russland weiter verschärft. Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte am Mittwoch, der Regierung lägen "glaubwürdige Berichte" vor, wonach Moskau einen fehlgeschlagenen Umsturzversuch im Oktober in Montenegro unterstützt habe.

Der neue Vorwurf wurde laut, während sich US-Außenminister Rex Tillerson zu Gesprächen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Moskau aufhielt. In den vergangenen Tagen hatte es bereits heftige Wortgefechte zwischen Washington und Moskau wegen der russischen Unterstützung für den syrischen Machthaber Bashar al-Assad und dem US-Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis gegeben.

"Sehr besorgt"

Der Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte nun, die US-Regierung sei "sehr besorgt" über die Berichte, wonach Russland mit dem Putschversuch in Montenegro zu tun habe. Die Staatsanwaltschaft in dem Balkanstaat hatte bereits im Februar mitgeteilt, dass sie von einer Beteiligung Russlands an den Vorbereitungen des Umsturzversuchs ausgehe.

Nach Angaben der montenegrinischen Behörden soll eine serbische Extremistengruppe ein Komplott zum Sturz der Regierung geplant haben, das die Polizei verhindern konnte. Die Verschwörer hätten bewaffnete "Angriffe" auf die Menge geplant, die vor dem Parlament die Verkündung der Wahlergebnisse erwartete. Zudem hätten sie den Ministerpräsidenten gefangen nehmen, die Kontrolle über das Parlament ergreifen und den "Sieg gewisser Parteien" verkünden wollen.

Die Polizei des 640.000-Einwohner-Staates nahm nach eigenen Angaben im Anschluss an die Wahl 20 Serben fest. Nach Angaben des montenegrinischen Sonderermittlers Milivoje Katnic soll der serbische Nationalist Aleksander Sindjelic bei den Vorbereitungen zu dem Putschversuch nach Moskau eingeladen worden sein. Ziel des Auftrags aus Moskau sei es gewesen, eine Aufnahme Montenegros in die NATO zu verhindern.

Russische Einflusssphäre

Bei der Wahl bekam die prorussische Demokratische Front (DF), die gegen einen EU- und NATO-Beitritt ist, nur etwa ein Fünftel der Stimmen. Die USA bewilligten in den vergangenen Tagen den Beitritt von Montenegro zur Nato, wie zuvor schon die meisten anderen Mitgliedstaaten der Allianz. Trump unterzeichnete am Dienstag das entsprechende Dokument, nachdem zuvor der US-Senat zugestimmt hatte.

Der russische Staatschef Wladimir Putin betrachtete Montenegro über viele Jahre hinweg als Land, das zur russischen Einflusssphäre gehört. Putin sagte in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview, seit Trumps Amtsantritt habe sich das Verhältnis beider Länder "verschlechtert". Ursprünglich hatte es sich Trump zum Ziel gesetzt, die Beziehungen zu Moskau zu verbessern.