John F. Kennedy 1963 vor dem Rathaus in Berlin-Schöneberg.

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Transatlintisches Verhältnis
03/17/2017

Von Rosinenbombern bis Ramstein: Das besondere Verhältnis USA-Deutschland

Die USA waren Deutschland lange ein verlässlicher Partner. Doch die Beziehung hat Risse bekommen.

von Karl Oberascher

Die Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert, Karl Mays "Winnetou"-Romane, die Rosinenbomber, der Marshall-Plan, John F. Kennedys "Ich bin ein Berliner"-Rede, die Monate der Wiedervereinigung, David Hasselhoff, Barack Obamas umjubelter Auftritt an der Siegessäule in Berlin. Das ist die große Erzählung von der deutsch-amerikanischen Freundschaft.

Seit dem Zweiten Weltkrieg sind die USA Deutschlands "Vorbild, Beschützer und Mentor", schrieb das englische Wochenblatt The Economist 2013. Da war gerade bekannt geworden war, dass die NSA jahrelang auch das Handy der deutschen Kanzlerin abgehört hatte. Nun seien Deutsche und Amerikaner aber "out of love" - man habe sich voneinander entfernt. Wie das bei langen Beziehungen eben so gehen kann. Zu Vieles wird selbstverständlich, die eigenen Interessen werden immer wichtiger, man schätzt die Nähe des anderen nicht mehr so sehr, man orientiert sich neu.

"America first"

Was 2013 schon zutraf, stimmt vier Jahre später umso mehr. Neben den USA sind für Deutschland andere Staaten wichtiger geworden. China zum Beispiel, aber auch Länder wie Indien oder Brasilien - wenn auch nur wirtschaftlich. Umgekehrt misst Donald Trump den gemeinsamen demokratischen Werten keine Priorität mehr bei - die Achtung der Menschenwürde, die Freiheit des Einzelnen, das Verbot von Folter -, für die die beiden Länder Hand in Hand stets aufgestanden sind. Und statt des Freihandels, der für Deutschland so wichtig ist, stellt Trump Strafzölle in den Raum. "America first" heißt eben auch alle anderen "second".

Vorbehaltlos standen Deutsche und Amerikaner zuletzt nur nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zusammen. Damals zögerte die rot-grüne deutsche Regierung nicht, die Bundeswehr nach Afghanistan zu schicken. Seither gab es zahlreiche Zeichen der Entfremdung: Das "Water-Boarding" von Terrorverdächtigen, das Lager Guantanamo, die Drohnen-Angriffe und jetzt Donald Trump haben viele in Deutschland verdutzt zurückgelassen.

Ungeachtet dessen sind die USA und Deutschland aber noch immer eng verflochten. Was den Handel betrifft ohnehin. Aber auch sicherheitspolitisch. Rund 35.000 US-Militärangehörige sind in Deutschland auf 19 Militärbasen stationiert, nur in Südkorea sind mit 22 mehr Militärbasen (siehe Grafik unten). Die Ramstein Air Base, das Hauptquartier der "United Air Forces in Europe", dient als Dreh- und Angelpunkt für die völkerrechtlich umstrittenen Drohnenaktivitäten der USA - die genaue Funktion ist aufgrund der Geheimhaltung allerdings noch immer nicht geklärt.

Die enge sicherheitspolitische Verlechtung mit den USA ist auch fast 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ist noch immer essentieller Bestandteil deutschen Selbstverständnisses. Der Axel-Springer-Verlag (Bild, die Welt) zählt die "Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika", zu seinen Grundsätzen. In der "Atlantik-Brücke", einem Politikberatungsinstitut, treffen sich Größen aus Wirtschaft, Politik und Medien zur Netzwerkpflege.

Was für Österreich die Neutralität, das war für (West-)Deutschland die US-Militärpräsenz. Solche Strukturen überleben auch größere Beziehungskrisen. Die Frage ist, ob sie auch Donald Trump überleben werden, der das Engagement seines Landes in der Nato deutlich reduzieren will.

Mit Material der dpa

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