Politik | Ausland
11.02.2017

Demonstranten schlagen Betsy DeVos in die Flucht

Betsy DeVos © Bild: REUTERS/JONATHAN ERNST

DeVos' Ernennung war mit großen Schwierigkeiten verbunden, ihr wird von vielen Seiten die Kompetenz für das Amt abgesprochen.

Demonstranten haben die frisch gebackene US-Bildungsministerin Betsy DeVos am Betreten einer öffentlichen Schule in Washington gehindert. Eltern postierten sich am Freitag mit Schildern vor dem Eingang der Jefferson Middle School Academy und ließen DeVos nicht passieren, wie ein Video des Fernsehsenders WJLA-TV zeigt. Sichtlich irritiert machte DeVos daraufhin kehrt und fuhr in einem Wagen davon.

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Bei CNN sagte DeVos im Anschluss, sie respektiere friedlichen Protest, lasse sich aber davon nicht von ihrer Arbeit abhalten. Sie sei danach auf einem anderen Weg in die Schule gelangt.

Laut WJLA-TV hatte eine Lehrervereinigung den Protest organisiert. DeVos' Ernennung war mit großen Schwierigkeiten verbunden, ihr wird von vielen Seiten die Kompetenz für das Amt abgesprochen.

Nur knapp bestätigt

DeVos war am Dienstag als Ministerin nur knapp bestätigt, weil Vize-Präsident Mike Pence die entscheidende Stimme abgab. Zuvor hatten 50 Senatoren für die milliardenschwere Unternehmerin gestimmt und 50 dagegen. Damit oblag es Pence - der als Vizepräsident zugleich Präsident des Senats ist - einzuschreiten. Dies war erste Mal in der Geschichte des Hauses.

DeVos ist zwar nur eine von vielen hochumstrittenen Trump-Personalien. Doch sie war diejenige, die bisher im Senat auf den stärksten Widerstand stieß - und dies, obwohl das ihr zugewiesene Ressort wegen seines vergleichsweise schmalen Budgets und Aufgabengebiets zu den weniger bedeutenden gehört.

Doch die milliardenschwere Unternehmerin bot breite Angriffsfläche für Kritik. Nicht nur, dass sie keinerlei Erfahrung als Pädagogin oder in der staatlichen Verwaltung hat. Vor allem hat sie sich jahrelang dafür eingesetzt, das öffentliche Schulwesen aufzubrechen, das sie nun beaufsichtigen soll.

Trumps Speersptize

Mit großem Erfolg propagierte DeVos in ihrem Heimatstaat Michigan ein System, das dem staatlichen Bildungswesen Gelder entzieht: Dabei werden aus Steuergeldern finanzierte Gutscheine an Familien verteilt, die ihre Kinder an private oder halbprivate Schulen schicken. Die oppositionellen Demokraten und andere Kritiker sehen DeVos deshalb als Trumps Speerspitze, die weitere Löcher in das öffentliche Bildungswesen treiben soll.

DeVos wuchs in reichen Verhältnissen auf. Ihr Vater machte mit einer Zulieferfirma der Automobilindustrie ein Vermögen. Sie studierte Betriebswirtschaft und Politologie an einer protestantischen Hochschule und heiratete einen Sohn von Richard DeVos, dem Gründer des Direktmarketing-Giganten Amway. Mit ihrem Mann gründete DeVos eine Firma für Windenergie. Das Paar spendete überdies Millionen an christliche Organisationen und die Republikaner.

In ihren Anhörungen im Senat fiel die neue Bildungsministerin vor allem durch Wissenslücken auf. So patzte sie etwa bei der Frage, nach welchen Grundmaßstäben die Leistungen von Schülern bewertet werden. Und viel Spott löste sie mit ihrer Begründung aus, warum Waffen unter Umständen an Schulen erlaubt sein sollten: Mancherorts könne dies sinnvoll sein, um das Gelände gegen "Grizzlybären" zu verteidigen, sagte DeVos.