Politik | Ausland
01.06.2017

USA: 16 Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner

Das Land hat den größten Pro-Kopf-Ausstoß von CO2. Fossile Energieträger werden aber zunehmend abgelöst.

Wer sehen (und riechen will), wo in Amerika klimatechnisch am meisten im Argen liegt, ist in Evansville im Bundesstaat Indiana an der richtigen Adresse. Hier schleudern im Umkreis von 50 Kilometern sieben riesige Kohlekraftwerke pro Jahr so viele Emissionen in den Himmel wie Hongkong oder ganz Schweden.

Wie das "Center for Public Integrity" herausgefunden hat, sind die großen Treibhausgas-Verursacher in USA regional konzentriert. 100 der 20.000 Unternehmen, die an die Umweltbehörde EPA berichten müssen, stehen für ein Drittel des gesamten CO2-Ausstoßes des Landes. Das Gros der Verursacher sind Energie-Unternehmen, vor allem Kohlekraftwerke.

Wie 220 Millionen Autos

Die 100 größten Stromerzeuger haben allein 2014 so viel Dreck in die Umwelt entlassen wie es 220 Millionen Autos tun würden. Sie tragen maßgeblich – neben Individual-Verkehr und Landwirtschaft– dazu bei, dass die USA mit mehr als sechs Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr für rund 14 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich sind.

Pro Kopf ist die Bilanz noch dramatischer. Hier liegt Amerika mit knapp 16 Tonnen CO2-Ausstoß weltweit an der Spitze. In Deutschland sind es 9, in China 7,5 und in Indien rund 2 Tonnen.

30 Bundesstaaten klagten

In rund 30 Bundesstaaten haben Gouverneure und die dahinter stehenden Konzerne gegen den "Clean Power Plan" der Vorgänger-Regierung Obama geklagt. Er sah vor, dass die USA, hinter China der zweitgrößte Klimasünder weltweit, bis zum Jahr 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um ein Drittel gegenüber 2005 reduzieren. Diverse Maßnahmen machten es bis zuletzt wahrscheinlich, das Amerika bereits 2020 die 2005er Marke um 17 Prozent unterschreitet.

Präsident Trump sieht hier eine "unzulässige Einmischung des Staates", der mit "arbeitsplatzvernichtenden Vorschriften" einen ganzen Industriezweig gefährde. Dass die Kohle als Träger für die Stromproduktion in den USA kontinuierlich nachgelassen hat, weil der Schiefergas-Abbau durch " Fracking" mit weniger Emissionen verbunden und billiger ist, dass viele Unternehmen ältere Anlagen stilllegen oder auslaufen lassen, weil sie nicht mehr rentabel sind, lässt der bekennende Klimawandel-Leugner außen vor.

Solarenergie boomt

Mehr noch. Nach Angaben des US-Energieministeriums hat die Solarbranche bei der Stromerzeugung die fossilen Brennstoffe in den USA längst überflügelt. Solarfirmen stellten inzwischen fast 45 Prozent aller Arbeitsplätze bei Stromproduzenten, auf die Sektoren Kohle oder Öl entfielen nur noch knapp 20 Prozent.

Dass Trump auch gegen den erklärten Willen der Industrie das Abkommen von Paris torpediert und gegen alle Marktgesetze eine Renaissance der Kohleindustrie verkündet, erklären Analysten in Washington vor allem mit gegebenen Versprechen an Wähler in traditionelen Kohlestaaten wie West-Virginia und Kentucky.