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10.11.2016

"Nicht mein Präsident": Tausende US-Bürger protestieren gegen Trump

Enttäuschte in Großstädten machen ihrem Ärger Luft. Große Massen haben sich aber nicht versammelt.

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump haben Tausende Menschen in mindestens zehn Städten von der West- bis zur Ostküste der USA gegen den neuen Präsidenten protestiert. In Los Angeles (Kalifornien) legten Hunderte Demonstranten mehr als drei Stunden lang eine Hauptverkehrsader durch die Stadt lahm.

Sie schwenkten US-Fahnen und skandierten: "Nicht mein Präsident", "Respektiere alle Frauen" und "Keine rassistischen USA". Vor dem Rathaus ging ein überdimensionaler Pappkopf von Trump in Flammen auf. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 13 Menschen fest.

Auch in New York, Chicago, Philadelphia, Boston, Portland, Seattle, der Hauptstadt Washington sowie anderen Städten machten am Mittwochabend (Ortszeit) viele Bürger ihrem Unmut über den umstrittenen Republikaner Luft, wie die landesweit erscheinende Zeitung " USA Today" berichtete. Demnach verbrannten Menschen in einigen Städten US-Fahnen oder zündeten Müll an.
Der politische Seiteneinsteiger Donald Trump hatte die Präsidentschaftswahl am Dienstag überraschend gewonnen, weil er mehr Wahlmänner als seine Rivalin, die Demokratin Hillary Clinton, auf sich vereinen konnte. Clinton erhielt zwar landesweit die meisten Stimmen, was aber nach US-Wahlrecht keine Rolle spielt. Der Lagerwahlkampf von Trump und Clinton vertiefte die Spaltung des Landes. Nach der Abstimmung protestierten vor allem Menschen in Hochburgen der Demokraten.
In Manhattan mischte sich der Dokumentarfilmer Michael Moore ("Trumpland") unter die Demonstranten. Am Mittwochabend postete er auf Facebook ein Video von der aufgebrachten Menschenmenge. Viele Demonstranten hatten sich auch vor dem Trump-Tower in New York versammelt, wo der Immobilienmilliardär wohnt. Vor dem Gebäude standen sandgefüllte Sattelschlepper zum Schutz. Die Polizei war mit massiver Präsenz vor Ort.

"New York hasst dich", riefen die Demonstranten vor dem Hochhaus des nächsten US-Präsidenten und: "Wir lehnen den ausgesuchten Präsidenten ab." Auf Plakaten waren Sprüche wie "Ein Schritt nach vorne, 50 Jahre zurück" oder "Finger weg von meiner Pussy" zu lesen. Eine verschleierte Frau hielt ein Schild in die Höhe, auf dem stand: "Ich bin Muslima. Ich habe Angst." Die Proteste verliefen weitgehend friedlich, allerdings tauchten immer wieder Trump-Anhänger in der Menge auf und lieferten sich Schrei-Duelle mit Trump-Gegnern.

Im nordkalifornischen Berkeley hatten mehr als 2.000 Schüler am Mittwochvormittag (Ortszeit) den Unterricht ausfallen lassen. Stattdessen zogen sie mit Plakaten und lauten Rufen, begleitet von ihren Lehrern, durch die Universitätsstadt.

Die Leitung der Universität von Berkeley richtete für illegale Studenten sowie Angehörige von Minderheiten eine Art Schutzräume ein, wie "USA Today" weiter berichtete. "Wir wissen, dass das gestrige Wahlergebnis Angst und Besorgnis in unserer Gemeinschaft ausgelöst hat", wird eine E-Mail des Vizekanzlers der Universität zitiert. Darin werden vor allem Einwanderer, Menschen ohne gültige Ausweise, Muslime, Afroamerikaner, Frauen und Opfer sexueller Gewalt genannt.

In Universitäten und Schulen quer durch die USA kam es zu Aktionen des zivilen Ungehorsams. Lehrkräfte verschoben beispielsweise Tests, wie "USA Today" weiter berichtete. Schülern und Studenten sei psychologische Hilfe angeboten worden.