Henry Kissinger

© APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

US-Wahl
11/11/2016

Kissinger: Trump kann Streit schlichten

Der ehemalige Außenminister der Vereinigten Staaten traut Donald Trump mehr zu als man gedacht hätte.

Er gilt als der Begründert der US-Geheimdiplomatie, war Außenminister von 1973 bis 1977, erhielt 1973 den Friedensnobelpreis und hält offenbar mehr von Donald Trump als man meint. In einem Interview mit The Atlantic lässt Henry Kissinger seine Sympathien mit dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten durchklingen.

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Trump könne, erklärt der ehemalige Diplomat, den offensichtlichen Streit zwischen ausgegrenzter Bevölkerung und elitärem Establishment schlichten. Es gebe unterschiedliche Annahmen über die Rolle der USA in der Welt, aber Trump "habe die Möglichkeit sie zu verbinden. Es liegt an ihm". Wenn sich Trump für eine Außenpolitik entscheide, die vielleicht nicht jene von Barack Obama ähnelt, aber zumindest dieselben Ziele verfolgt, sei Kontinuität möglich.

Der exzentrische Milliardär wurde in den vergangenen Jahren für seine mangelnde Kenntnis zur Sicherheits- und Außenpolitik heftig kritisiert. Der republikanische Kissinger dachte selbst nicht, dass Trump die US-Wahl gewinnen werde. "Ich bin davon ausgegangen, dass Clinton das Rennen machen wird."

"Wenn er mich fragt, bin ich bereit"

Die aktuelleste Herausforderung für die USA sei, sagt der mittlerweile 93-Jährige, dass die Welt auf Trump mit Schockstarre reagiert. Allerdings wäre es möglich, dass sich neue Gespräche entwickeln könnten - zumindest möchte sich Kissinger diese Türe offen halten, wie er erklärt.

Auf die Frage, ob er an Trumps Kompetenz zweifelt, antwortet Kissinger, dass man aufhören müsse, diese Frage überhaupt zu stellen. "Er ist der gewählte Präsident. Wir müssen ihm die Möglichkeit geben, seine Philosophie zu entwickeln", sagt er.

Auf die Hilfe des Deutschamerikaners, der 1923 in Fürth geboren ist, kann Trump immerhin zählen. "Wenn er mich fragt, bin ich bereit", sagt der politikerfahrene Stratege, der in den Sechzigern die US-Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson beraten hat und 1969 von Präsident Richard Nixon zum nationalen Sicherheitsberater ernannt wird (skurrile Geschichten über US-Präsidenten).

Analysieren und Reflektieren

In den kommenden Monaten werden Länder wie Russland, China und der Iran Trumps Schritte ganz genau beobachten, weil niemand weiß, wie seine Außenpolitik eigentlich aussieht. "Der Iran wird vermutlich sagen, dass der Nuklear-Deal nun fragiler sei als er ohnehin war. Aber die Teheran-Regierung wird resolut bleiben, auch wenn es unter Druck geraten wird", meint Kissinger.

Um die Welt von seinen Fähigkeiten zu überzeugen, müsse Trump nun demonstrieren, dass er jemand ist, der sich mit der Außenpolitik und den globalen Herausforderungen beschäftige. Er müsse auch dahingehend, die Ursachen für Probleme analysieren. "Der Präsident ist für die Richtung verantwortlich: Was wollen wir erreichen? Was wollen wir vermeiden? Warum? Um das zu machen, muss er analysieren und reflektieren", resümiert der Alt-Außenminister der Vereinigten Staaten.

Kissinger: Diplomat und Politstar

Kissingers Metier war die Geheimdiplomatie - und dennoch wurde er zum Medienstar, zur schillerndsten Figur der US-Politik. Sein Meisterstück war die Annäherung an China Anfang der Siebzigerjahre.

In geheimer Mission reiste Kissinger nach Peking, ebnete den Weg für einen Besuch Nixons und die Normalisierung der Beziehung. Für beide Länder war das damals geradezu ein revolutionärer Akt. Die USA wollten zur Hochheit des Kalten Krieges die Sowjetunion unter Druck setzen. Kissinger wurde der gefeierte Architekt der amerikanisch-chinesischen Annäherung - nicht zufällig hatte er über Metternich promoviert.

Ins Rampenlicht der Medien rückte Kissinger ebenfalls, als er 1973/74 das Ende des Jom-Kippur-Krieges im Nahen Osten aushandelte. Immer wieder reiste er zwischen Israel, Ägypten und Syrien hin und her; das Wort "Pendeldiplomatie" wurde geboren. Erneut wurde der Diplomat zum Star.

Ganz nebenbei machte Kissinger auch durch Kontakte zu Showstars wie Frank Sinatra sowie durch "Frauengeschichten" Furore; unter anderem soll er eine Affäre mit Gina Lollobrigida gehabt haben. "Macht ist das stärkste Potenzmittel", soll er einmal gesagt haben.

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