"Schmeißt Trump weg": Plakat am Rande einer Veranstaltung des Konkurrenten Marco Rubio

© REUTERS/CARLO ALLEGRI

US-Vorwahlen
02/08/2016

Die nächste Hürde heißt New Hampshire

In Umfragen liegen Bernie Sanders bei den Demokraten und Donald Trump bei den Republikanern voran.

Mit den zweiten Vorwahlen im Staat New Hampshire wird am Dienstag in den USA die Auswahl der Präsidentschaftskandidaten fortgesetzt. Bei den Demokraten liegt Bernie Sanders in Umfragen deutlich vor Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Bei den Republikanern führt der umstrittene Milliardär Donald Trump vor Marco Rubio.

Der 74 Jahre alte Senator Sanders mit einem für US-Verhältnisse ausgesprochen linken Programm kommt aus dem Nachbarstaat Vermont. Rubio, Senator aus Florida, wird nach seinem dritten Platz bei der ersten Vorwahl in Iowa als Kompromisskandidat gefeiert - neben dem Populisten Trump und dem Erzkonservativen Ted Cruz. Allerdings hatte Rubio bei der letzten republikanischen Debatte vor den Wahlen eine ganz schlechte Figur gemacht.

Zweifel an Umfragen

Allerdings gibt es nicht erst seit den ersten Vorwahlen in Iowa Zweifel, wie aussagekräftig solche Zahlen tatsächlich sind. Dort hatten Umfragen lange einen Sieg Trumps prophezeit, es gewann aber Ted Cruz, der Senator von Texas. Trump, der in diesem Wahlkampf alle Konventionen des Politikgeschäfts gebrochen hat, wurde Zweiter. Bei den Demokraten holte die favorisierte Ex-Außenministerin Hillary Clinton nur einen hauchdünnen Sieg; sie lag 0,2 Prozentpunkte vor Sanders.

"Viele von ihnen sind problematisch", sagt der Politikwissenschaftler Dean Spiliotes über die Befragungen im Vorfeld. "Wir fokussieren uns zu stark auf sie. Und es gibt für so ziemlich jeden eine Umfrage, der ein bestimmtes Ergebnis sucht, was ihm gefällt."

Vorwahl nach Primary-System

In New Hampshire gibt es noch dazu eine große Gruppe, die ein bisschen schwer einzuschätzen ist. Im Unterschied zu den Caucuses in Iowa - Versammlungen von Parteimitgliedern - werden die Vorwahlen hier nicht von den Parteien, sondern von der Regierung des US-Staates organisiert. Abstimmen dürfen somit alle registrierten Wähler - also nicht nur eingetragene Demokraten und Republikaner. Wer keiner der beiden Parteien angehört, ist als "unabhängig" registriert und kann sich frei zwischen den Bewerbern beider Parteien entscheiden. Und auch erst am Wahltag in einem der 307 Wahllokalen entscheiden, für welches Lager er überhaupt stimmen will.

Derzeit gehören 389.472 Menschen der Gruppe der Unabhängigen an, das sind 43 Prozent. 231.376 sind bei den Demokraten registriert und 262.111 bei den Republikanern (jeweils rund 30 Prozent). "Das macht es viel weniger berechenbar, weil die Parteien nicht kontrollieren können, was diese große Gruppe von Wählern in der Mitte tut", sagt Spiliotes.

Bei den Vorwahlen sieben die beiden großen Parteien ihre Bewerber aus. Wen sie letzten Endes ins Rennen schicken, bestimmen Delegierte der Republikaner und Demokraten auf Nominierungsparteitagen im Sommer. Die Präsidentschaftswahl folgt am 8. November.

Frühe Staaten als Test

Die frühen Staaten gelten als eine Art Testsystem. "Die politische Landschaft beider Parteien", schreibt Elaine C. Kamarck in ihrem Buch "Primary Politics", "ist voll mit den Leichen zuvor wahrscheinlicher Präsidenten, die in diesen frühen Staaten entweder nicht gewonnen oder diesen Test ausgelassen haben." Schon in der vergangenen Woche stiegen einige Bewerber aus dem Rennen aus.

New Hampshire hat zahlenmäßig geringe Bedeutung für die Kandidatenkür. Die Demokraten schicken 32 Delegierte aus dem kleinen Staat auf ihren Nominierungsparteitag, die Republikaner 23.

Mit ersten Trends aus den einzelnen Wahllokalen wird am Dienstag gegen 23.00 Uhr (Ortszeit/03.00 MEZ) gerechnet.

"Underdogs" dominierten TV-Debatte der Republikaner

So hielt Christie dem erst 44-jährigen Rubio vor, er habe nicht das Zeug für das höchste Amt, niemals für eine wirklich wichtige Entscheidung geradestehen müssen und sondere in erster Linie auswendig gelernte "25-Sekunden"-Kurzstatements ab. Bei vielen Abstimmungen im Senat habe Rubio zudem gefehlt: "Das ist nicht Führungskraft. Das ist Schwänzerei."

Trump als herzlos gebrandmarkt

Bush nahm sich Multimilliardär Trump vor, warf ihm unter anderem herzlose Praktiken als Unternehmer vor. "Wie stark ist es, einer alten Frau den Grundbesitz wegzunehmen?" konterte er, als Trump ihm vorhielt, er versuche, sich als "starker Mann" zu profilieren.

Für Bush und Christie geht es nach ihrem äußerst schlechten Abschneiden bei der ersten Vorwahl in Iowa nun am Dienstag in New Hampshire ums politische Überleben. Kommentatoren bescheinigten ihnen sowie dem Gouverneur von Ohio, John Kasich, bei der TV-Debatte am Samstagabend ihre bisher stärkste Leistung im Fernsehen.

Trump geht als Favorit in die Vorwahl in New Hampshire, ist aber nach seiner Niederlage gegen den erzkonservativen texanischen Senator Ted Cruz in Iowa angeschlagen. Rubio hat wachsende Aussichten, sich als Alternative zu Trump und Cruz zu positionieren, die beide vom Partei-Establishment abgelehnt werden.

Bernie Sanders: Grantiger Sozialist mit kehliger Botschaft

Wenn Bernie Sanders spricht, kann er sich so richtig in ein Thema reinsteigern. Der 74-Jährige fuchtelt dann wild mit den Armen, seine Stimme wird laut, sie ist ohnehin schon ziemlich kehlig und markant, der Kopf läuft rot an. Der weißhaarige Senator aus Vermont wirkt in solchen Momenten durchaus so, als meine er es ernst.

Sanders begeistert viele Menschen mit der Aussicht auf etwas anderes, so wie Barack Obama 2008 viele Menschen mit der Aussicht auf Wandel begeisterte, auf "change".

Spricht junge Wähler an

Vor allem junge Menschen mögen ihn, teilen seine Positionen, sehen sich seiner fundamentalen Systemkritik näher als der Haltung Hillary Clintons. Der Schauspieler Danny DeVito unterstützt ihn, Rapper machen für ihn Wahlkampf. Das Magazin "Rolling Stone" nannte ihn einen "grantigen Sozialisten", das war liebenswürdig gemeint.

Es gibt alte Fotos, auf denen Sanders ein bisschen so aussieht wie Woody Allen. Es gibt ein Folk-Album aus den 80ern, auf dem er statt zu singen die Liedtexte von Klassikern wie "We Shall Overcome" spricht.

Sanders gilt vielen als ein sehr europäischer Bewerber. Er selbst wird nicht müde, sich als demokratischen Sozialisten zu bezeichnen. Und er verspricht nicht weniger als eine politische Revolution. Die sechs größten Banken des Landes will er zerschlagen, eine staatliche Krankenversicherung schaffen, die Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen und Universitäten abschaffen. Nur wie er das alles bezahlen will, das lässt er weitgehend offen.

Sanders stammt aus Brooklyn, was man noch deutlich an seinem breiten New Yorker Dialekt hört. Der Vater war ein jüdischer Einwanderer aus Polen, er verkaufte Farbe, die Verhältnisse der Familie waren bescheiden. "Weil das Geld fehlte, gab es Schwierigkeiten in meiner Familie, meine Eltern haben deswegen gestritten", erklärte er einmal. "Das ist etwas, was ich niemals vergessen habe. Und heute gibt es viele Millionen von Familien, denen es genauso geht." Mit seiner Frau Jane hat er vier Kinder und sieben Enkelkinder.

Seine parteiinterne Konkurrentin Hillary Clinton ging ihn lange nicht hart an. Vielleicht hat sie ihn unterschätzt, das schrieb nicht nur die "New York Times". Sie machte dann aber doch einen wunden Punkt aus: Sanders ist Senator von Vermont, einem Staat mit vielen Waffenbesitzern. Er hat zwei Mal für ein Gesetz gestimmt, das Waffenverkäufer vor Klagen schützt. Seine Begründung: Es verhindere, dass die Besitzer von kleinen Waffengeschäften zur Rechenschaft gezogen würden, wenn jemand mit einer Waffe eine Straftat begehe, die sie legal verkauft hätten. Das Thema Waffen ist auch bei den Demokraten hoch emotional besetzt, und es könnte Sanders noch Schwierigkeiten bereiten.

(APA/dpa)

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