Politik | Ausland
08.04.2017

US-Luftschlag keine Kursänderung Trumps

Warum hat US-Präsident Obama 2013 nach einem furchtbaren Giftgasangriff vor einem Luftschlag gegen Syrien zurückgeschreckt? Und warum hat es sein Nachfolger jetzt gemacht? Eine Analyse.

US-Präsident Donald Trump hat als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf Zivilisten einen Luftwaffenstützpunkt des syrischen Diktators Bashar al-Assad bombardieren lassen. Der KURIER bat den Militärstrategen Walter Feichtinger von der österreichischen Landesverteidigungsakademie um seine Einschätzung.

Washingtons Kurs

Nach Feichtingers Ansicht werden die USA ihren Syrien-Kurs nicht ändern. Aber im Einzelfall – etwa bei Chemieangriffen oder falls es ein Massaker gibt – sind erneute Luftschläge schon denkbar, sagt Feichtinger. Wobei es für die USA unerheblich sei, ob Assad selbst Zivilisten mit Giftgas attackieren ließ oder ob es ein Unfall war, wie Syrien und auch Russland darstellen. „Für Washington ist klar: Assad ist dafür verantwortlich.“

Trumps Botschaft

Assads wesentliches Mittel der Kriegsführung sind die Luftstreitkräfte, sei es mit international geächteten Fassbomben oder Chemiewaffen. „Die Amerikaner haben Assad jetzt die Botschaft geschickt: Wir sind in der Lage, dir dieses Kriegsmittel aus der Hand zu nehmen“, sagt Feichtinger und nennt es „eine wesentliche Demonstration von US-Seite, dass man fähig ist, das zu tun, wenn man es will“.

Opfer

Russland war, wie der Kreml bestätigte, von Washington rechtzeitig über den Luftschlag informiert worden. Daher war die Opferzahl mit sechs Toten relativ gering, halten sich doch in der Regel zwischen 500 und 1000 Menschen auf so einer Basis auf.


Marschflugkörper

Damit kann man aus sicherer Entfernung ein Ziel visieren und es mit fünf Metern Treffsicherheit zerstören. Im Militärjargon: Mittel für „fire and forget“. Die USA setzten „Tomahawk“ ein, die mit einer Geschwindigkeit von Mach 1 in niedriger Flughöhe, Haken schlagend, ihr programmiertes Ziel binnen Minuten erreichten. Die syrische Luftabwehr kann sie generell nicht stoppen. Ob die russische Luftabwehr dazu fähig ist, wissen selbst Experten wie Feichtinger nicht.


Russlands Reaktion

Der Kreml hat ein Kriegsschiff mit Marschflugraketen vor die Küste Syriens verlegt und das Abkommen mit den USA für den Luftraum über Syrien auf Eis gelegt. Das bedeutet, Russland informiert die USA und deren Alliierte nicht mehr über seine Flugbewegungen im Raum, womit Zusammenstöße möglich werden. Für Feichtinger ist das gefährlich – und eine Demonstration der Stärke der Russen: „Sie kontrollieren den Luftraum und haben das Sagen. Das hat auch Auswirkungen für den Anti-IS-Einsatz der US-geführten Allianz.“ Wobei der Anti-Terror-Kampf etwas ist, was Russland und die USA eint.


Verhältnis USA-Russland

Die zu Amtsantritt von Trump erwartete Annäherung zwischen den beiden Großmächten „wird nicht so stattfinden wie erhofft“, sagt Feichtinger. Eine direkte militärische Konfrontation zwischen den beiden Ländern schließt er aus.


Russlands Assad-Treue

Der Stratege hält es für ausgeschlossen, dass Moskau seinen Kurs gegenüber Assad ändert und der Diktator gestürzt wird – „zumindest bis Kriegsende, was danach kommt, steht auf einem anderen Blatt“. Die Russen sind die starke Macht in Syrien: „Sie können die Rolle Amerikas in Syrien in der Zukunft bestimmen.“


Obamas Zögern 2013

Damals gab es den ärgsten Giftgasangriff auf Zivilisten durch das syrische Regime mit 1400 Toten. Die von Präsident Obama gezogene Rote Linie war eindeutig überschritten, ein US-Militärschlag blieb trotzdem aus. „Aus gutem Grund“, sagt Feichtinger, „damals war die Kriegssituation ganz anders als heute. Der IS war viel zu stark. Das hätte bitter enden können.“