Politik | Ausland
20.09.2017

Van der Bellen übergab Brief einer 11-Jährigen an Trump

Der Bundespräsident übergab den Brief eines wegen des Klimawandels besorgten Mädchens an den US-Präsidenten. Davor hatte Van der Bellen Trumps UNO-Rede kritisiert.

Als Postillon in Umweltfragen engagierte sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Dienstagabend (Ortszeit), als er bei der UNO-Vollversammlung in New York zum traditionellen Empfang der Staatsoberhäupter des US-Präsidenten geladen war. Der Ex-Bundessprecher der Grünen übergab Donald Trump einen Brief eines 11-jährigen Mädchens namens Paula, das sich besorgt über den Klimawandel zeigt. "Mr. President, den Klimawandel gibt es wirklich. Menschen auf der ganzen Welt können ihn erkennen", schreibt Paula an Trump. Sie schließt den Brief mit den Worten: "Jetzt ist es Zeit, unsere Zukunft zu sichern. Wir haben nur einen Planeten Erde."

In einem zweiten Brief an Trump erklärt Van der Bellen selbst, dass er die Sorgen des Mädchens teilt. Abschließend schreibt der Bundespräsident, dass das Pariser Abkommen "große Chancen für eine zukunftsorientierte Wirtschaft und entsprechende Technologien" bietet.

Der Republikaner Trump ist skeptisch, dass der Klimawandel durch menschlichen Einfluss erzeugt wird, und hat bereits per Dekret mehrere Klimaschutzbestimmungen seines Amtsvorgängers Barack Obama von den Demokraten rückgängig gemacht, ausgesetzt oder zur Überprüfung ausgeschrieben.

Livestream von der UNO-Vollversammlung
Heute werden Reden von Irans Präsident Hassan Rohani, Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas und der britischen Premierministerin Theresa May erwartet.

"Eine Rede an seine Wähler in der US-Provinz"

Dass Trump und Van der Bellen in Sachfragen bisweilen unterschiedliche Positionen haben, offenbarte sich auch am Dienstag nach der Rede des US-Präsidenten vor der UNO-Vollversammlung. Der Bundespräsident zeigte sich am Dienstagabend (Ortszeit) enttäuscht über die Rede, die Trump am Vormittag vor der UNO-Vollversammlung gehalten hat. "Wenn ich es boshaft formulieren will, war das eine Rede an seine Wähler in der US-Provinz. Trump habe der "Renationalisierung" das Wort geredet. "Das war eine Kampfansage an die EU".

Dabei sei die Europäische Union gerade dabei, sich zu besinnen, "dass man gemeinsam mehr erreicht als jeder für sich alleine." Für die europäischen Länder sei dies aber "eine Existenzfrage". Trump habe zudem Länder genannt, "die im Visier der USA stehen", erinnerte der Bundespräsident.

"Nordkorea kann ich noch nachvollziehen." Anders sei dies aber im Fall des Iran und dem unter anderem in Wien ausgehandelten Atomabkommen, das Trump zuletzt wiederholt infrage stellte. "Alle europäischen Länder sind der Meinung, dass der Iran das Abkommen auf Punkt und Beistrich erfüllt. Trump hat auch nicht gesagt, was der Iran nicht erfüllt", sagte Van der Bellen, der am Abend noch zu einem Empfang des US-Präsidenten geladen war, vor österreichischen Journalisten.

Kurz hält Rütteln an Iran-Deal für "problematisch"

In diesem Punkt wurde Van der Bellen von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sekundiert. Abgesehen von den USA würden es "alle Staaten problematisch sehen, wenn an diesem Deal gerüttelt wird." Daher sprach Kurz diesen Punkt auch in seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung am Dienstagabend an.

An sich hätte der Außenminister die Rede am Mittwoch halten sollen. Auf eigenen Wunsch wurde der Termin aber vorgezogen. Möglicherweise wird Kurz daher auch bereits am Mittwoch - und nicht wie ursprünglich geplant am Donnerstag - von New York nach Wien zurückreisen. Zur Rede von Trump meinte der Außenminister, es habe ihn weniger der Inhalt der Rede gewundert, sondern der Umstand, dass er diese "in diesem Forum" gehalten habe.