Politik | Ausland
30.10.2013

Neue Partei für die Rechtesten der Rechten

Die „Ungarische Morgenröte“ wurde aus der Taufe gehoben – sie will Sammelbecken der Radikalen sein.

Ihm ist sogar Jobbik zu wenig radikal: Balazs Lenhardt, ehemals Parlamentsabgeordneter eben jener rechten Partei, die Ungarn seit geraumer Zeit in die Negativschlagzeilen bringt, hat nun ein neues Projekt gestartet. Noch radikaler, noch weiter rechts will man damit stehen.

Damit dies auch so richtig deutlich wird, hat Lenhardt seinem Parteiprojekt einen Namen verpasst, der unmissverständlicher nicht sein könnte: „Ungarische Morgenröte“ (Magyar Hajnal) heißt die Bewegung – angelehnt an die griechische „Goldene Morgenröte“; jene hellenische Neonazi-Partei, die derzeit strafrechtlich als kriminelle und terroristische Vereinigung verfolgt wird.

Am Donnerstag soll die Parteigründung dann auch ganz offiziell verkündet werden. Lenhardt, der derzeit als unabhängiger Abgeordneter im Budapester Parlament sitzt, will seine Partei breit aufstellen: Er will "mit allen Organisationen der nationalen, radikalen Seite" kooperieren, die nicht als Verbündete der rechtsradikalen Jobbik gelten.

Von Jobbik enttäuscht

Er sei nämlich - nach eigener Aussage - von Jobbik ziemlich "enttäuscht", da die Partei im Parlament ihren "nationalen Radikalismus" verloren hätte. Unter den "radikalen Organisationen" würde es seit einem Jahr "intensive Verhandlungen und Kooperation geben". Verschiedene national-radikale Organisationen hätten bereits Mitglieder in den Vorstand von "Ungarische Morgenröte" delegiert.

Laut dem ungarischen Onlineportal Nepszabadsag werde Andras Kisgergely die neue Partei führen – auch er hat eine intensive Beziehung zu den Rechten im Parlament: Er war im Frühjahr 2012 von Jobbik ausgeschlossen wurde, da er versucht habe, die Partei zu spalten.

Faschistoides mit menschlichem Antlitz

Dass eine solche Ankündigung für negative Stimmung unter den Intellektuellen in Ungarn sorgt, scheint eine logische Konsequenz. Und nicht nur das Erstarken der extremen Rechten, sondern die rechtslastige, populistische Politik von Regierungschef Viktor Orban macht Sorgen: Als "das Faschistoide mit menschlichem Antlitz" bezeichnet etwa der ungarische Schriftsteller und Publizist Rudolf Ungvary die Politik Orbans. Der Schriftsteller György Dalos, ebenso wie Ungvary kürzlich Gast bei einer Diskussionsveranstaltung in Wien, beklagt etwa politische "Hasskultur" in seinem Land: Die linksliberale Opposition sei "total eingeschüchtert".

Rechtspopulisten in Europa