Politik | Ausland
08.06.2017

Um 70 Prozent: Kanada will Militärausgaben erhöhen

Nach "Amerika zuerst" will Kanada globale Führungsrolle übernehmen.

Als Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump betriebene "Amerika zuerst"-Politik will Kanada künftig aus dem Schatten des Nachbarlands treten und international eine stärkere Rolle spielen.

"Die Tatsache, dass unser Freund und Partner dahin gekommen ist, den Wert seiner globalen Führungsrolle infrage zu stellen, macht es für den Rest von uns deutlich, dass wir unseren klaren und unabhängigen eigenen Kurs setzen müssen", sagte die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland vergangenen Dienstag in einer Grundsatzrede. "Für Kanada bedeutet dieser Kurs die Erneuerung, ja die Stärkung der multilateralen Nachkriegs-Weltordnung." Wenn Kanada sich nur auf den Schutz des US-Sicherheitsmantels verlasse, "macht uns das zu einem Kunden-Staat", sagte Freeland. "Auch wenn wir eine unglaublich gute Beziehung zu unseren amerikanischen Freunden und Nachbarn haben, wäre eine solche Abhängigkeit nicht im Interesse Kanadas."

32,7 Milliarden Dollar pro Jahr

Was das konkret bedeutet, wurde nun klar. Um stolze 70 Prozent will Kanada seine Militärausgaben in den kommenden zehn Jahren anheben. Bis 2027 soll der Verteidigungsetat auf 32,7 Milliarden kanadische Dollar (rund 21,5 Milliarden Euro) steigen, teilte Verteidigungsminister Harjit Sajjan mit. "Wenn wir unsere Rolle in der Welt ernst nehmen, müssen wir die Investitionen in unser Militär ernst nehmen. Und das machen wir", sagte Sajjan. Unter anderem soll die Zahl der Soldaten und Reservisten steigen und neue Ausrüstung angeschafft werden.

US-Präsident Donald Trump hatte alle NATO-Mitglieder zuvor aufgefordert, ihre Verteidigungsausgaben zumindest auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts hochzuschrauben. Derzeit liegt Kanada deutlich darunter. Im kommenden Jahr ist das Land Gastgeber des G-7-Gipfels.