"Ukraine am Rande des Bürgerkriegs"

Das Parlament ringt um die Amnestie für Regierungsgegner. Ex-Präsident Krawtschuk ist dafür.
Mehrere Personen stehen hinter Sandsäcken und Fenstern mit ukrainischen Flaggen im Schnee.

In der Ukraine berät heute das Parlament über eine Amnestie für inhaftierte Demonstranten. Der Rücktritt der ukrainischen Regierung am Dienstag hat dem Protest in Kiew und anderen Städten keinen Abbruch getan. Die Opposition fordert die Amnestie und vor allem den Rücktritt von Präsident Viktor Janukowitsch.

Ein Korb mit Blumen, einem Foto und einer Ikone steht auf einem Platz.

Eine Person mit Sturmhaube blickt aufmerksam zur Seite.

Eine Tafel wirbt für eine „Dive Bar“ mit dem Slogan „No bullshit place. Being yourself allowed.“.

Graffiti an einer Ziegelmauer zeigt die Worte „РЕВ АЮЦIЯ! 2014“.

Ein Feuerwehrmann mit Helm und Maske steht im Rauch.

Ein Wegweiser in Kiew zeigt verschiedene Sehenswürdigkeiten wie das Dynamo-Stadion und das Puppentheater an.

Eine Gruppe von Personen mit Helmen und Schutzmasken steht in einem dunklen Raum.

Eine Schlange von Personen in Militärkleidung steht in einem Flur.

Eine Menschenmenge steht nachts vor einem großen Feuer.

Ein Mann mit Schutzhelm und Gasmaske steht vor einem ausgebrannten Bus in einer zerstörten Stadt.

Ein Mann mit schmutzigem Gesicht, möglicherweise ein Minenarbeiter oder Bauarbeiter.

Eine Frau trägt zwei große Flaschen mit einer gelblichen Flüssigkeit auf einer belebten Straße.

Eine Person hält eine Gasmaske und einen mit Klebeband umwickelten Gegenstand.

Eine Menschenmenge steht nachts vor einem großen Feuer.

Ein Mann mit langem Bart steht zwischen einer Ikone und einem Plakat mit Hammer und Sichel.

Eine Reihe von Polizisten mit Schilden steht vor einer Barrikade auf einer verschneiten Straße.

Eine vereiste Skulptur steht vor einer Lagerhalle, während eine Person im Hintergrund telefoniert.

Eine Gruppe von Menschen steht um ein Lagerfeuer in einer städtischen Umgebung.

Ein Mann mit einem Helm, auf dem „ZEKA HA!“ steht.

Drei Personen sitzen an einem Lagerfeuer und essen inmitten von Barrikaden und Graffiti.

Ein Mann in Militärkleidung geht durch eine verschneite, zerstörte Landschaft.

Beratungen über Amnestie

Für die Amnestie stellt die Staatsführung die Bedingung, dass die Opposition besetzte Straßen und Gebäude freigibt. Die Regierungsgegner lehnen jedoch einen Handel mit Präsident Viktor Janukowitsch ab.

Ein älterer Mann mit weißem Haar hält eine Rede an einem Rednerpult.
Former Ukrainian President Leonid Kravchuk gestures as he addresses deputies during a Parliament session in Kiev January 29, 2014. Ukrainian Prime Minister Mykola Azarov resigned on Tuesday while deputies loyal to President Viktor Yanukovich, acting to calm violent street protests, back-tracked and overturned anti-protest laws they rammed through parliament 12 days ago. REUTERS/Gleb Garanich (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)
Der frühere ukrainische Präsident Leonid Krawtschuk (80) befürchtet indes eine dramatische Zuspitzung des Machtkampfes in seiner Heimat. "Die Ukraine befindet sich am Rand des Bürgerkriegs", sagte der erste Präsident der Ukraine (1991-94) am Mittwoch im Kiewer Parlament unter dem Applaus der Abgeordneten. Krawtschuk appellierte Medienberichten zufolge an die Abgeordneten, das von der Opposition geforderte Amnestiegesetz für die Regierungsgegner zu beschließen.

Oppositionsführer Vitali Klitschko pochte unmittelbar vor der Parlamentssitzung auf eine umfassende Amnestie. "Wir haben (Präsident Viktor) Janukowitsch sehr deutlich gemacht, dass er alle Demonstrationsverbote rückgängig und alle inhaftierten Maidan-Demonstranten freilassen muss", schrieb er in einem Gastbeitrag für die Bild-Zeitung (Mittwochsausgabe). "Wir lassen uns von diesem Präsidenten nicht länger hinhalten."

Rücktrittswelle am Vortag

Der prorussische Staatschef hatte auf Druck der Opposition am Vortag den Rücktritt der gesamten Regierung angenommen. Außerdem hatte das Parlament neun umstrittene Gesetze zur Einschränkung demokratischer Freiheiten in der Ex-Sowjetrepublik annulliert. Erreichen will die Opposition zudem eine Rückkehr zur Verfassung von 2004, die dem Präsidenten weniger Machtbefugnisse einräumt.

Die Vaterlandspartei der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko warnte erneut vor der Gefahr einer gewaltsamen Lösung des Machtkonflikts in Kiew. Sollte Janukowitsch den Ausnahmezustand verhängen und Spezialeinheiten gegen die Demonstranten einsetzen, drohe ein "Blutbad mit Hunderten Opfern", sagte der frühere Außenminister Arseni Jazenjuk, Fraktionschef der Timoschenko-Partei.

Rücktritt Janukowitschs gefordert

Nach den blutigen Zusammenstößen bei den pro-europäischen Protesten der vergangenen Wochen fordert die Opposition den Rücktritt von Präsident Viktor Janukowitsch. Die Proteste hatten sich Ende November an der überraschenden Entscheidung der Regierung entzündet, ein über Jahre mit der EU ausgehandeltes Assoziierungsabkommen nicht zu unterzeichnen. Die Regierungsgegner fürchten, dass die Ukraine sich stattdessen stärker Russland zuwendet. Die Einschränkung des Demonstrationsrechts heizte die Proteste im Jänner dann weiter an.

Bilder der Proteste

Ukrainische Regierungsgegner haben am Mittwoch um die Unterstützung Österreichs in ihrem Kampf gegen Präsident Viktor Janukowitsch gebeten. Eigenen Angaben zufolge übergaben rund 40 Aktivisten eine Petition an einen Beamten des Innenministerium, in der gefordert wird, die Tätigkeit von Firmen im Besitz ukrainischer Politiker und Oligarchen in Österreich zu untersuchen.

Die Gruppe "Demokratische Ukraine" bat Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und die österreichischen Behörden zudem darum, politische Verfolgte aufzunehmen und verletzte Demonstranten medizinisch zu versorgen, sollten die Proteste in Kiew eskalieren. Auch solle Angehörigen des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Mykola Asarow, die in Wien wohnten, der Aufenthaltstitel entzogen werden. Das sagte die Sprecherin der Regierungsgegner, Anna Iarotska, der APA.

Kommentare