Politik | Ausland
23.03.2017

Ukraine: Explosionen in Waffen- und Munitionsdepot

Militär-Staatsanwalt spricht von Sabotage. Über mögliche Opfer ist noch nichts bekannt.

In einem Waffenlager im Osten der Ukraine hat es am Donnerstag mehrere Explosionen gegeben. Nach Angaben des Militär-Staatsanwalts Anatoli Matjos brach anschließend ein Feuer aus. Matjos sprach von "Sabotage". In dem Lager in der Stadt Balaklija in der Nähe der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw werden nach seinen Worten vor allem Artilleriegeschoße und Munition aufbewahrt.

In der Nacht auf Donnerstag waren Teile des Depots von Panzer-und Artilleriegeschossen in Brand geraten. Auf knapp 370 Hektar werden dort 138.000 Tonnen Munition gelagert. Der ukrainische Fernsehsender One Plus One berichtete, die Waffen würden vor allem gegen die pro-russischen bewaffneten Regierungsgegner in der Ostukraine eingesetzt. Bereits im Dezember 2005 habe es einen Brandanschlag auf das Waffenlager gegeben.

Speratisten bestreiten Sabotage

Die prorussischen Separatisten haben jegliche Involvierung in die Zerstörung des Waffen-und Munitionslagers in der Nähe der Stadt Charkiw bestritten. "Wir haben nichts damit zu tun", teilten die Aufständischen mit. Vielmehr vermuteten sie eine Nachlässigkeit der ukrainischen Armee in den eigenen Reihen beim Bewachen des Depots.

Verteidigungsminister Stepan Poltorak hatte zuvor von einem Sabotageakt als Brandursache gesprochen. Er warf Russland vor, in den Fall verwickelt zu sein. Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau lehnte eine Stellungnahme zu einer möglichen Verwicklung Russlands in den Brand ab. Poltorak sagte, die Verteidigungsfähigkeit der Armee sei durch den Brand nicht gefährdet. "Ein Großteil der Kampfmittel wurde seit Beginn des Anti-Terror-Einsatzes in andere Lager und in das Einsatzgebiet gebracht", sagte er. An anderen Munitionsdepots würden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht.

20.000 Menschen in Sicherheit gebracht

Die örtlichen Behörden teilten mit, dass die Bewohner in einem Umkreis von fünf Kilometern in Sicherheit gebracht würden. Insgesamt mussten knapp 20.000 Menschen evakuiert werden. Im Umkreis von vierzig Kilometer wurde der Luftraum gesperrt. Mehr als 600 Rettungskräfte sind unter anderem mit zwei Feuerlöschzügen im Einsatz. Über Verletzte oder Tote war zunächst nichts bekannt. Ministerpräsident Wladimir Groisman kündigte an, zum Unglücksort zu reisen.

Im Konflikt zwischen den Rebellen und den militärischen Einheiten der Regierung in Kiew gab es seit April mehr als 10.000 Tote. Das Minsker Friedensabkommen von 2015 zielte darauf ab, durch den Abzug schwerer Waffen eine Pufferzone zwischen den Konfliktparteien zu schaffen. Die Waffenruhe wird von beiden Seiten immer wieder durchbrochen. Politische Bemühungen zur Beilegung des Konflikts kommen seit längerem nicht voran.