Politik | Ausland
20.05.2017

Türkei: Zeitung aus Protest mit leeren Seiten

Vier Mitarbeiter von "Sözcü", der drittgrößten Zeitung des Landes, sind zur Verhaftung ausgeschrieben.

Einen Tag nach der Festnahme zweier Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung "Sözcü" ("Der Sprecher") in der Türkei ist das Blatt aus Protest mit leeren Seiten erschienen.

Nur wenige Stunden nach der Festnahme der Verantwortlichen für den Online-Auftritt der Zeitung, Mediha Olgun, sei der für die westtürkische Metropole Izmir verantwortliche "Sözcü"-Korrespondent Gökmen Ulu ebenfalls in Polizeigewahrsam genommen worden, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Freitagabend. Am Samstag erschien das Blatt unter der Überschrift "19. Mai Spezialausgabe zur Pressefreiheit" - die übrigen 19 Seiten der Zeitung blieben aus Protest leer.

Herausgeber derzeit im Ausland

Der Herausgeber des Blattes, Burak Akbay, gegen den ebenfalls eine Festnahmebefehl vorliegt, hält sich nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im Ausland auf. "Sözcü" ist mit einer Auflage von 270.000 Exemplaren die drittgrößte Zeitung der Türkei. Die türkische Staatsanwaltschaft hatte am Freitag vier "Sözcü"-Mitarbeiter zur Fahndung ausgeschrieben, darunter auch Olgun, Akbay und Ulu.

Um welchen Vorwurf es geht

Den Verdächtigen werde nach Angabden von Anadolu vorgeworfen, Straftaten zugunsten der Gülen-Bewegung begangen zu haben, ohne der Organisation anzugehören. Die türkische Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres verantwortlich.

Putschversuch im Juli 2016

Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete, bei den Vorwürfen gegen "Sözcü" gehe es um einen Bericht vom 15. Juli 2016, in dem das Blatt den Urlaubsort von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan öffentlich machte. Stunden später begann der Umsturzversuch, bei dem Putschisten das Hotel in Marmaris angriffen. Erdogan war kurz zuvor abgereist.