Politik | Ausland
12.03.2018

Türkei will Aufklärung nach Anschlägen auf Moscheen

Nach mehreren Brandanschlägen auf türkische Moscheen und andere Einrichtungen in Deutschland fordert die türkische Regierung die deutschen Behörden zur Aufklärung der Taten auf.

"Wir beobachten mit Sorge, dass Angriffe auf türkische Moscheen in Deutschland durch rassistische und anti-islamische Gruppen sowie die Terrororganisation PKK (Arbeiterpartei Kurdistans, Anm.) zuletzt zugenommen haben", teilte das Außenministerium in Ankara in der Nacht zum Montag mit. "Wir erwarten von den deutschen Behörden, dass sie die Verantwortlichen für diese Angriffe sobald wie möglich aufspüren und bestrafen und dass sie alle Maßnahmen ergreifen, damit keine ähnlichen Angriffe stattfinden."

Die Serie von Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen in Deutschland setzte sich derweil fort. Im nordrhein-westfälischen Ahlen warfen Unbekannte in der Nacht auf Montag mehrere Brandsätze gegen ein türkisches Kulturzentrum und in ein davor abgestelltes Auto, wie die Polizei in Münster mitteilte. Schon in den vergangenen Tagen hatte es in mehreren Städten ähnliche Attacken auf Moscheen und andere Gebäude gegeben.

Bereits in den Tagen zuvor hatte es Brandanschläge auf drei Moscheen in Berlin, im baden-württembergischen Lauffen und in Itzehoe in Schleswig-Holstein gegeben. Dort wurde auch eine türkische Gemüsehandlung mit einem Brandsatz attackiert. Ein weiterer Angriff galt einem türkisch-deutschen Freundschaftsverein im nordrhein-westfälischen Meschede.

Türkisch-kurdischer Konflikt als Hintergrund?

Im Fall der Anschläge von Itzehoe gingen die Ermittler nach eigenen Angaben vom Montag weiterhin von einem möglichen Zusammenhang mit dem aktuellen türkisch-kurdischen Konflikt aus. Es werde in alle Richtungen ermittelt, erklärten sie. "Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es im Moment allerdings wenig Ansätze."

In der Mitteilung hieß es, die PKK habe den Brandanschlag in Lauffen für sich reklamiert. Weder auf der Internetseite der PKK noch bei der PKK-nahen Agentur Firat war ein solches Bekenntnis zu finden. Die kurdische Internetseite "Nuce Ciwan" ("Jugend-Nachrichten") hatte berichtet, es habe sich in Lauffen um eine Aktion kurdischer Jugendlicher "gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg des faschistischen türkischen Staates" im syrischen Afrin gehandelt.

In der Region Afrin geht die türkische Armee seit dem 20. Jänner mit einer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die Türkei stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein. Der mit dem türkischen Religionsamt Diyanet eng verbundene türkische Moscheeverband DITIB hatte nach dem Brandanschlag auf die DITIB-Moschee in Berlin-Reinickendorf ebenfalls einen "besseren Schutz der Moscheen und schnelle Aufklärung" gefordert.

"Radikale Aktionen" angekündigt

"Nuce Ciwan" hatte am Wochenende eine Erklärung einer "Kurdischen Jugendinitiative" verbreitet, in der es hieß: "Wenn uns niemand zuhören will, werden wir jede Innenstadt Europas in Schutt und Asche legen. Egal wie und egal was an diesem Tag brennt, Europa muss verstehen, das wir nicht zulassen werden, dass Afrin fällt." In der Erklärung wurden "radikale Aktionen" am Montagabend angekündigt.

Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums in Berlin teilte am Sonntag mit: "Die örtlich zuständigen Behörden beobachten die Situation und treffen falls erforderlich notwendige Vorkehrungen." Die bisherige Sicherheitsbewertung habe sich nicht geändert.