Politik | Ausland
15.11.2017

Türkei verurteilt angebliches Abkommen mit IS-Kämpfern in Raqqa

Syrische Kurden sollen Abzug von Jihadisten erlaubt haben.

Die Türkei hat ein angebliches Abkommen der syrischen Kurden mit der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zum Abzug von IS-Kämpfern aus Raqqa verurteilt. Die "Enthüllungen" über die Vereinbarung der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit der IS-Miliz zum Abzug einer "großen Zahl von Terroristen" seien "extrem schwerwiegend und aufschlussreich", erklärte das türkische Außenministerium am Dienstagabend. Es bekräftigte seine Vorbehalte gegen die von den USA unterstützten SDF.

Das Abkommen zeige, dass die Türkei mit ihren Warnungen an die USA vor einer Kooperation mit dem kurdisch-arabischen SDF-Bündnis recht gehabt habe. "Dieses Abkommen ist ein neues Beispiel dafür, dass eine Terrororganisation mit Hilfe einer anderen zu bekämpfen nur zu Absprachen zwischen diesen beiden Organisationen führt", erklärte das Ministerium in Ankara.

Die Türkei kritisiert seit langem, dass die US-Streitkräfte die SDF-Truppen im Kampf gegen die Jihadisten mit Waffen, Spezialkräften und Luftangriffen unterstützen. Ankara betrachtet die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die das Rückgrat der SDF-Allianz bilden, wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation.

Die SDF-Truppen hatten im Oktober nach langer Belagerung die frühere IS-Hochburg Raqqa eingenommen. Kurz vor dem Fall der Stadt an die SDF-Kämpfer hatte ein Konvoi mit mehr als 3000 Zivilisten die Stadt verlassen. Die Anti-IS-Koalition hatte damals erklärt, dass die SDF-Führung versichert habe, dass keinen ausländischen IS-Kämpfern der Abzug erlaubt werde.

Der britische Rundfunksender BBC veröffentlichte am Montag aber eine Reportage, in der mehrere Fahrer des Konvois aussagten, hunderte schwerbewaffnete IS-Kämpfer transportiert zu haben. Laut dem BBC-Bericht waren darunter auch Ausländer, die seitdem teilweise über die Grenze in die Türkei gelangt sein sollen, um dort Anschläge in Europa vorzubereiten.

Ein Sprecher der Anti-IS-Koalition gab am Dienstag zu, dass unter den 3500 Menschen, die Raqqa in dem Konvoi verlassen haben, auch bis zu 300 IS-Kämpfer gewesen sein könnten. Die IS-Miliz steht in Syrien vor dem Verlust ihrer letzten Gebiete, doch wird befürchtet, dass viele Jihadisten in den Untergrund gehen, um dort weitere Anschläge vorzubereiten.