Als Reiseziel boomt die Küste der Türkei (Bild: Kaleici in Antalya), aber die Sorge vor Anschlägen des Islamischen Staates oder der PKK wächst massiv.

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PKK/IS
07/31/2015

Türkei: Terrorangst im Urlaubsidyll

Im Krieg gegen IS und PKK werden Racheakte befürchtet. Ein mögliches Ziel: Touristen.

von Hans Jungbluth

In der Türkei wächst die Furcht, dass der Zweifrontenkrieg gegen den "Islamischen Staat" (IS) und die PKK-Kurdenrebellen bald in die Metropolen des Landes getragen werden könnte.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Istanbuler Polizei einen potenziellen Selbstmordattentäter einer linksextremen Gruppe festgenommen hat. Im zentralanatolischen Konya wiederum wurde eine Frau in Untersuchungshaft genommen, die als eine von mehreren Selbstmordkandidatinnen des IS in die Türkei geschleust worden sein soll.

Bomben-Alarm in Istanbul

Mehrmals sorgten in den vergangenen Tagen herrenlose Pakete und sogar ein leerer Kinderwagen für Bomben-Alarm in Istanbul. Schließlich verfügen IS als auch PKK über das Know-how und die erforderliche Rücksichtslosigkeit, um auch zivile Ziele anzugreifen. Experten gehen von einer erhöhten Bedrohung aus.

Bisher spielt sich die Gewalt fernab westtürkischer Großstädte wie Istanbul und den Urlaubsorten von Ägäis und Mittelmeer ab. Türkische Kampfjets greifen Ziele im Nordirak, Syrien und in Südostanatolien an. Laut Presseberichten geht die türkische Armee davon aus, dass bei den Angriffen seit knapp einer Woche rund 190 PKK-Kämpfer getötet wurden. In den südöstlichen Landesteilen verübt die PKK ihre nach dem Kollaps des Waffenstillstandes mit dem türkischen Staat wieder aufgenommenen Gewalttaten. Bisher wurden mindestens elf Polizisten und Soldaten von mutmaßlichen PKK-Mitgliedern getötet; zudem starb ein Zivilist durch Querschläger.

Schläferzellen

Doch die Gewalt könnte auch nach Istanbul oder an türkische Strände kommen. Es gibt Berichte über Schläferzellen des IS in der Türkei. Die Dschihadisten verfügen zudem in Teilen der türkischen Islamisten-Szene über Sympathien – und dass Gewaltbereite unter ihnen zu Massenmorden fähig sind, haben sie bereits 2003 bewiesen. Damals töteten Mitglieder einer türkischen Al-Kaida-Zelle bei einer Serie von Selbstmordanschlägen in Istanbul fast 60 Menschen.

Vorsicht ist angebracht, sagt auch der Politologe Behlül Özkan von der Istanbuler Marmara-Universität. "Der IS wird zur internen Bedrohung", sagt er. Zu Zielen der Extremisten könnten demnach nicht nur Istanbul und Ankara, sondern auch Urlaubsgebiete gehören.

Radikale Kurden haben ihrerseits in der Vergangenheit bereits Anschläge in Ferienorten verübt. Auch linksextreme Gruppen machen seit Jahren mit tödlichen Anschlägen auf sich aufmerksam.

Massenverhaftungen

Die türkischen Behörden versuchen, der potenziellen Dreifach-Bedrohung durch IS, radikale Kurden und Linksextremisten mit Massenfestnahmen zu begegnen. Mehr als 1300 Personen wurden seit der vergangenen Woche von der Polizei in Gewahrsam genommen. Diese Woche wurde eine Behörden-Warnung vor Anschlägen auf Istanbuls U-Bahn und Bushaltestellen bekannt.

Zudem sucht die Polizei fünf Autos, die mit Sprengstoff im Kofferraum in der Stadt unterwegs sein sollen.

Manche Istanbuler meiden inzwischen belebte Orte und öffentliche Verkehrsmittel. Istanbul sei zur "Stadt der Angst" geworden, berichteten Medien. Auch das deutsche Außenamt warnte Türkei-Besucher vor wachsender Gefahr. Sicherheitsvorkehrungen für 2600 deutsche Soldaten, die im Rahmen eines NATO-Einsatzes mit einer Patriot-Raketenabwehrbatterie im südtürkischen Kahramanmaras stationiert sind, wurden ebenso erhöht.

Für die türkischen Behörden steht neben der Sicherheit der eigenen Bürger auch die ausländischer Gäste im Vordergrund. Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates und spülte allein 2014 rund 34 Mrd. Dollar ins Land.

Zudem erlebt der Türkei-Tourismus ohnehin eine sensible Saison. Wegen der westlichen Ukraine-Sanktionen ist die Zahl russischer Urlauber um bis zu 30 Prozent eingebrochen. Dafür kommen heuer mehr Deutsche und andere Westeuropäer, die Urlaub in Griechenland machen wollten, wegen der dortigen Krise aber umgebucht haben.

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