Annäherung der Kirchen: Papst Franziskus mit Armeniens Karekin II.

© REUTERS/ALESSANDRO BIANCHI

armenien
06/26/2016

Türkei kritisiert Papst Franziskus

Vize-Regierungschef wirft Franziskus nach Genozid-Sager "Kreuzfahrermentalität" vor.

Papst Franziskus scheut den Konflikt mit der Türkei nicht. Bei seinem vielbeachteten Armenien-Besuch verurteilte er neuerlich den "Völkermord" an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 101 Jahren. Die Armenier danken es ihm. "Er ist ein großer Freund unserer Nation", betont Wagram Melikjan, der Sprecher der Armenischen Kirche.

Die Türkei reagierte empört: Vize-Regierungschef Nurettin Canikli sagte, die Äußerungen des Papstes seien "sehr unglücklich" und seine Aktivitäten würden eine "Kreuzfahrermentalität" widerspiegeln. Die Türkei lehnt auch hundert Jahre nach den Taten deren Einstufung als Genozid ab – ein Begriff, den der Papst bereits im vergangenen Jahr verwendete. Auch damals war die Äußerung auf Kritik der türkischen Regierung gestoßen, die aus Protest ihren Botschafter im Vatikan für fast ein Jahr abzog.

Die Türkei ist Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches. Nach Schätzungen waren bei der Verfolgung durch die Osmanen bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet worden. Der Vatikan hatte betont, der Papst wolle und erwarte keinen Konflikt mit der Türkei wegen der Äußerung.

Franziskus rief die Menschen bei seinem symbolträchtigen Besuch zum Frieden im Südkaukasus auf. "Macht euch die große Weisheit eurer Alten zunutze und strebt danach, Friedenstifter zu werden", sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche vor Zehntausenden Menschen in der Hauptstadt Eriwan. Franziskus nutzte den Besuch, um die Beziehungen zur Armenischen Kirche zu stärken.

Friedensgebet

Seine brisante Reise führt Franziskus in eine Region der früheren Sowjetunion, in der Frieden nicht selbstverständlich ist. Armenien liegt nicht nur mit der Türkei im Clinch, an der Ostgrenze droht zudem ein Konflikt mit Aserbaidschan, um das von Baku abtrünnige Gebiet Berg-Karabach zu einem neuen Krieg zu führen. So fand auch Katholikos Karekin II., das Oberhaupt der Armenischen Kirche, beim Friedensgebet mit dem Papst eher martialische Worte: Das Land befinde sich in einem "unerklärten Krieg" mit Aserbaidschan seit einer Eskalation im April mit 120 Toten, betonte Karekin II.

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