Der Anführer der "Nachtwölfe" Alexander Saldostanow.

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Politik | Ausland
04/28/2015

Tschechien will "Nachtwölfe" streng beobachten

Nach Angaben des Innenministeriums wird geprüft, ob einige der Rocker eine Bedrohung darstellen könnten.

Tschechien dürfte die geplante Durchfahrt des russischen Motorradklubs "Nachtwölfe" nicht verbieten, sondern nur streng beobachten. "Es gilt, dass wir ein freies Land sind. Falls jemand zu uns (...) kommt, etwa im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Befreiung unseres Landes, haben wir keinen Grund, gegen ihn einzugreifen", sagte Außenminister Lubomir Zaoralek laut Medienberichten vom Dienstag.

Zaoralek hatte zuvor die geplante Fahrt der Biker als "Provokation" bezeichnet. Sein Außenministerium wies vor einigen Tagen einen Antrag der russischen Regierung auf eine Einreisegenehmigung der Rocker aus Formalgründen ab. Nach Angaben von Innenminister Milan Chovanec prüfen die tschechischen Sicherheitsorgane nun, ob einige der Rocker eine Bedrohung darstellen könnten. Man werde die Männer gegebenenfalls unter strenge Bewachung stellen.

Tour von Moskau nach Berlin

Die kremltreuen Rocker wollen mit ihrer Tour von Moskau nach Berlin (die auch über Österreich führen soll) an den 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler erinnern. Polen hatte die Aktion als Provokation kritisiert und den "Nachtwölfen" die Einreise am Montag verweigert. Damit ist den Rockern der Weg in den Westen versperrt, da die Ukraine für die kremltreue Truppe kaum bereisbar ist.

Russland forderte Polen erneut auf, den "Nachtwölfen" für ihre Fahrt die Einreise in den Schengen-Raum zu ermöglichen. "Die polnischen Behörden haben kein Recht, russischen Bürgern das Gedenken an die im Kampf gegen den Faschismus Gefallenen zu verbieten", teilte der Menschenrechtsbeauftragte beim russischen Außenministerium, Konstantin Dolgow, am Dienstag mit.

Warschau lasse sich von "Ängsten" leiten, vertrete eine "frevelhafte Position" und "verhöhne" die Geschichte, kritisierte Dolgow. Seinen Angaben zufolge wollen die Rocker auch die von der Roten Armee befreiten deutschen Konzentrationslager Auschwitz und Majdanek besuchen.

Tour führt durch Österreich

Deutschland hatte mehrere Visa der Rocker annulliert. Die österreichischen Grünen forderten am Dienstag in einer Aussendung auch das Außenministerium auf, alles Mögliche zu tun, um die Fahrt der Rocker zu stoppen.

Die "Nachtwölfe" sind nach Darstellung ihres Anführers Alexander Saldostanow derzeit in der weißrussischen Stadt Brest, um dort an die Kriegsopfer zu erinnern. Saldostanow - genannt "Chirurg" - kündigte noch für Dienstag eine Stellungnahme an, wie es mit der Tour zum Weltkriegsgedenken nun weiter gehen soll.

Tschechiens Außenminister verwies darauf, dass es von Polen abhänge, wen es auf sein Territorium und damit in den Schengen-Raum einlasse. "Wir werden sehen, wie es auf der Schengen-Grenze ausgeht und wer zu uns kommt. In diesem Moment ist es nicht klar", sagte Zaoralek.