Politik | Ausland
24.01.2018

Hartes TV-Duell zwischen Zeman und Drahos

Die Flüchtlingskrise war wie erwartet ein wichtiges Thema im ersten TV-Duell zur tschechischen Präsidentenwahl. Vor dem ersten Wahlgang hatte Amtsinhaber Zeman auf eine Konfrontation verzichtet.

Ein harter Schlagabtausch hat sich am Dienstagabend zwischen dem tschechischen Staatschef Milos Zeman und seinem Herausforderer Jiri Drahos in ihrem ersten Fernseh-Duell vor der Präsidentschaftsstichwahl abgespielt. Zur Sprache kam erwartungsgemäß auch das Thema Flüchtlinge, bei dem Zeman Drahos vorwarf, dieser sei der einzige Mensch in Tschechien, der für die Aufnahme von illegalen Migranten sei.

Zeman spielte so unter anderem auf einen auch von Drahos unterzeichneten offenen Brief von Wissenschaftern und Akademikern an Politiker und Medien aus dem Jahr 2015 an, in dem eine "entgegenkommende" Politik gegenüber den Flüchtlingen gefordert wird. Drahos wies die Kritik Zemans zurück und warf dem Staatschef eine "falsche Interpretation" seiner Aussagen vor.

Drahos betonte, er lehne die Flüchtlingsquoten genauso wie Zeman ab. Auch habe er die Auffassung, dass Europa seine Grenzen verteidigen und den Flüchtlingen in ihren Herkunftsländern helfen müsse. In diesem Zusammenhang griff Drahos Zeman mit der Frage an, was er als Staatspräsident für die Lösung der Flüchtlingskrise getan habe. Diese Frage könne man "nicht in Russland, China oder in zentralasiatischen Republiken lösen", betonte Drahos in Anspielung auf die pro-russische und pro-chinesische Haltung Zemans. Zeman konterte, Russland und China besuche er, um die Wirtschaftsbeziehungen zu unterstützen.

Eine emotionelle Debatte gab es auch zur Innenpolitik. Drahos verwies darauf, dass der russische Geheimdienst die Wahlen in einer ganzen Reihe von Ländern einschließlich Tschechiens beeinflusst habe. Zeman nannte dies einen "Unsinn", weil die tschechischen Parlamentswahlen im Oktober 2017 ganz anders ausgegangen wären, etwa mit dem Sieg der Kommunisten, die jedoch mit 7,8 Prozent starke Verluste erlitten hätten. Zeman warf Drahos vor, dieser habe die Wähler mit dieser Aussage "beleidigt".

Laut der meistgelesenen tschechischen NachrichtenseiteNovinky.czzeigte sich Zeman bei dem TV-Duell "viel sicherer". Drahos sei aber vorbereitet gewesen und habe sich "nichts gefallen lassen".

Das zweite und letzte TV-Duell zwischen Zeman und Drahos findet am Donnerstagabend im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen statt. Die Stichwahl ist dann für Freitag und Samstag geplant. Vor dem ersten Wahlgang hatte Amtsinhaber Zeman auf eine TV-Konfrontation verzichtet.