Politik | Ausland
13.12.2017

Trumps Waterloo in Alabama

Demokrat gewinnt Senatswahl. Mehrheit im US-Kongress fast dahin.

Montgomery, Alabama. Steve Bannon, wie immer mit bluthochdruckrotem Gesicht und Trapperjacke auf der Bühne, hatte sich in "Jordans" pickepackevoller Party-Scheune an der County Road 59 in Midland City schon 15 Minuten lang in Rage geredet, da entfuhren dem Chef-Ideologen von Donald Trump die entscheidenden Sätze: "Es geht hier um rohe Macht, Leute von Alabama. Das ist eine nationale Wahl morgen. Wenn sie Roy Moore ausschalten, ist die Agenda des Präsidenten in Gefahr. Wir müssen gewinnen. Und wir werden gewinnen."

Alles richtig analysiert. Bis auf den Schluss. Mit dem knappen Sieg des Demokraten Doug Jones über den Republikaner Moore im historisch stramm konservativen Südstaat bei den Nachwahlen zum Senat in Washington ist das Gegenteil von dem eingetreten, was Bannon und der Präsident der Vereinigten Staaten im stillen Schulterschluss ausbaldowert hatten.

Persönliche Schlappe Trumps

Die Mehrheit der Republikaner im Senat hängt mit künftig 51:49 Sitzen am seidenen Faden. Große Projekte (Mauerbau etc.) und Gesetze (Krankenversicherung, Einwanderungsreform) durch das Parlament zu bringen, wird für das Weiße Haus im heiklen Zwischenwahl-Jahr 2018 noch schwieriger.

Für Trump ist das Scheitern des ultraradikal gegen Abtreibung, Schwulen-Ehe und Minderheiten-Schutz eingestellten Ex-Verfassungsrichters Moore, der wie der Präsident im Mittelpunkt des ausufernden Skandals um sexuelle Belästigung von Frauen steht, bereits die zweite persönliche Schlappe. Wie zuvor bei den Gouverneurswahlen in Virginia hatte Trump mit seiner Schützenhilfe für den 70-jährigen christlichen Fundamentalisten eine Niete gezogen. "Seine Autorität als Königsmacher ist endgültig dahin", sagte ein republikanischer Funktionär in Alabamas Hauptstadt Montgomery.

Dritter großer Verlierer des Wahlabends ist Steve Bannon. Der Chef des Propaganda-Portals Breitbart trimmt nach seinem Abgang aus dem Weißen Haus im Nebenberuf die republikanische Partei auf erzkonservative Linientreue. Mit Hilfe der milliardenschweren Mercer-Familie baut er landesweit Kandidaten auf, die in den eigenen Reihen gegen das von Trump angefeindete Partei-Establishment antreten. In Alabama war Moore Bannons Versuchskaninchen. Obwohl gemäßigte Konservative den misanthropischen Richter auch ungeachtet seiner jetzt grauer Vorzeit zutage getretenen Vorliebe für Mädchen im Teenager-Alter für unwählbar hielten.

Für Präsident Trump ist das Debakel von Alabama ein "unüberhörbarer Warnschuss", schreiben viele US-Zeitungen. Er gewann den Bundesstaat Alabama 2016 mit 62 Prozent der Stimmen. Heute rangiert er nur noch bei 48 Prozent. Vielleicht darum verzichtete der Präsident auf die nach Niederlagen üblichen Attacken und gratulierte Jones kleinlaut zu einem "hart erkämpften" Sieg.