Politik | Ausland
30.06.2017

Trumps Pöbeleien: "Unter der Würde eines Präsidenten"

Die Tweets des US-Präsidenten lassen die Kritik an seiner Haltung zu Frauen wieder laut werden.

Er hat es wieder getan. Donald Trumps jüngste Twitter-Pöbelei über eine TV-Moderatorin, die "nach einer Schönheitsoperation im Gesicht blutete", während sie sich ihm quasi aufgedrängt haben soll, empört nun auch führende Republikaner.

Solche Bemerkungen seien "unter der Würde eines Präsidenten" kommentierte etwa der einflussreiche evangelikale Senator Lindsey Graham die jüngste Entgleisung. Doch nicht nur tiefreligiöse Republikaner wie Graham zeigten sich entsetzt, auch gemäßigte Politiker sprachen von einem Verhalten, "dass all unseren Erwartungen an einen Präsidenten widerspricht".

Erst am Tag zuvor hatte sich Trump vor TV-Kameras eine weitere Untergriffigkeit geleistet. Bei einem offiziellen Telefongespräch mit dem irischen Premierminister im Oval Office fiel sein Blick auf eine Journalistin aus Irland, was er gegenüber dem Regierungschef gleich am Telefon kommentierte: "Die hat ein nettes Lächeln, die behandelt Sie sicher gut."

Trumps jüngste Entgleisungen fügen sich nahtlos in eine Reihe sexistischer Bemerkungen, die schon im Wahlkampf Debatten über sein Frauenbild auslösten. So tauchte ein Video auf, in dem der Milliardär ausführlich angab, dass ein Star wie er Frauen jederzeit in den Schritt fassen könne. Er lästerte vulgär über die Gewichtszunahme eines ehemaligen Models und die Regelblutung einer TV-Moderatorin ("aus ihr floss überall Blut").

Reformpläne in Gefahr

Doch was ihm als Präsidentschaftskandidat bei den Wählern nicht schadete, bedroht nun seine politische Agenda. Die Gesundheitsreform, die jene seines Vorgängers (" Obamacare") ablösen soll, hängt trotz satter republikanischer Mehrheiten weiter im Kongress fest. Und es sind vor allem gemäßigte Republikaner aus wirtschaftlich benachteiligten Regionen, die sich gegen die rigiden Sparmaßnahmen, vorrangig bei ärmeren US-Bürgern, stellen – darunter sehr viele Frauen. "Die Tatsache, dass er sich so gar nicht wie ein Präsident verhält, schadet ihm in der Zusammenarbeit mit weiblichen Mitgliedern des Kongresses", analysiert eine für die Republikaner arbeitende Meinungsforscherin die Folgen von Trumps Entgleisungen in der New York Times, "aber er braucht deren Stimmen für seine Pläne wie die Gesundheitsreform".

Seine Stammwähler dagegen würden diese Kommentare auch weiterhin nicht stören, meinen politische Strategen. Gerade weiße Arbeiter hätten oft das Gefühl, dass sie die einzige Gruppe seien, um deren Benachteiligung sich niemand kümmere. Trumps Grobheiten seien für sie, "als könnten sie den verachteten Eliten genüsslich ins Auge fahren".