Donald Trump am Dienstag

© REUTERS/LUCAS JACKSON

US-Wahlen
06/01/2016

Trump wird nervös: Kommt unabhängiger Kandidat?

Auf Ankündigungen, es könnte ein dritter Kandidat als "Spielverderber" ins Rennen um die US-Präsidentschaft gehen, reagiert Donald Trump nervös.

Die Kandidatur für die US-Präsidentschaft ist ihm nicht mehr zu nehmen: Vergangenen Donnerstag hatte Donald Trump die nötige Zahl von 1237 Delegiertenstimmen beisammen, die er für seine Nominierung beim Parteitag der Republikaner im Juli braucht. Für jene Partei-Granden, die den Vorwahl-Sieg des polternden Immobilienmilliardärs nur zu gerne verhindert hätten, gibt es jetzt nur noch eine realistische Chance, Trump in die Suppe zu spucken: Die Aufstellung eines unabhängigen Kandidaten, der republikanische Positionen vertritt und Trump Stimmen kostet. Neben der voraussichtlichen Rivalin aus dem Lager der Demokraten, Hillary Clinton, wäre dies ein dritter Kandidat im Kampf um das Weiße Haus.

Kandidat mit "wirklicher Chance"

Am Wochenende ließ der republikanische Publizist und Stratege Bill Kristol mit einem brisanten Tweet aufhorchen: "Es wird eine unabhängige Kandidatur geben - eine beeindruckende, mit einem starken Team und einer wirklichen Chance."

Bemerkenswert ist, dass Trump mit einem auffallend scharfen Twitter-Stakkato zurückfeuerte. Kristol sei ein "Loser" und ein "Dummy", schimpfte Trump. Die Partei müsse Einigkeit zeigen und nicht "Leichtgewichten" erlauben, einen "Spielverderber-Kandidaten" aus dem Hut zu zaubern. Der raue Ton Trumps überraschte, denn im Grunde könnte sich der New Yorker nach der Absicherung seiner Mehrheit einigermaßen ruhig auf seinen Wahlkampf vorbereiten.

Auf den Vorwurf ein "Verlierer" zu sein, antwortete Kristol folgendermaßen: "Ich habe mal gewonnen, mal verloren, aber eines wollte ich nie sein: Ein brüllender Esel." Ein "Leichtgewicht" zu sein, kann man Kristol auch kaum vorwerfen. Er war Berater republikanischer Administrationen von Ronald Reagan bis zu George W. Bush. Eine Antwort darauf, welchen Kandidaten er im Auge habe, blieb Kristol aber vorerst schuldig.

Gerüchte um Romney und Rice

Wie CNN berichtete, traf sich der Partei-Vordenker Anfang Mai mit Mitt Romney, um mögliche unabhängige Kandidaten zu besprechen. Ob Romney selbst in den Ring steigen könnte, wurde dabei offengelassen und nicht dementiert. Romney hatte sich 2008 erfolglos um ein Kandidaten-Ticket der Republikaner beworben, 2012 trat er gegen Barack Obama an und unterlag.

Auch die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice wurde an der Gerüchtebörse gehandelt. Sie habe "nach Diskussionen" mit Kristols Leuten abgelehnt, berichtete Reuters. Auch den Senator des US-Bundesstaates Nebraska, Ben Sasse, habe Kristol mit "warmen Worten" bedacht. Der 44-jährige Sasse gilt als Zukunftshoffnung der "Grand Old Party". Mehrere US-Medien berichten nun aber von einem anderen Namen: David French. Der ist allerdings auch in den USA eher unbekannt, vox.com nennt ihn "einen Typen, den Kristol auf der Straße aufgeklaubt hat."

Rundumschlag von Trump gegen Medien

Ob sich nun tatsächlich ein ernstzunehmender dritter Kandidat findet oder nicht - Donald Trump scheint derzeit außergewöhnlich nervös. Bei einer Pressekonferenz in seinem New Yorker Trump-Tower übte er am Dienstag scharfe Kritik an der politischen Berichterstattung der US-Medien. "Die politische Presse zählt zu den unlautersten Menschen, die ich je getroffen habe", sagte Trump. Der Milliardär hatte sich insbesondere über die Berichterstattung zu von ihm gesammelten Millionenspenden an Veteranen-Hilfsorganisationen verärgert gezeigt. Den Reporter Tom Llamas vom TV-Sender ABC News bezeichnete Trump als "schmierigen Typen".

Trump hatte im Jänner an einer Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber nicht teilgenommen und stattdessen bei einer Spenden-Veranstaltung Gelder für Veteranen gesammelt. Während er kurz darauf den gesammelten Betrag mit sechs Millionen Dollar angab, sprach er nunmehr von 5,6 Millionen Dollar (gut fünf Millionen Euro). Obwohl Trump selbst die Aufmerksamkeit auf die Spendenaktion gelenkt hatte, sagte er nun, sie hätte eine "Privatsache" bleiben sollen. Eine Million Dollar spendete Trump nach eigenen Angaben selbst.

Auf die Frage, ob er sich bei seiner Bewerbung um das höchste Amt im Staate nicht eine dickere Haut zulegen müsse, antwortete Trump, er habe "viel Geld gegeben" und wenn es in der Presse anders dargestellt werde, sei die Presse "sehr unlauter". Die Pressekonferenz in New York war zu dem Zweck angesetzt, die Nutznießer der Spendenaktion zu nennen. Zuvor hatte Trump es abgelehnt, die Namen und Spendenbeträge bekanntzugeben.

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