Politik | Ausland
24.06.2017

Trump: "Mexiko ist das zweittödlichste Land der Welt" - Stimmt das?

Donald Trump berief sich bei einem seiner Tweets auf eine fehlerhafte Studie. Die mexikanische Regierung ist sauer, die Studienautoren in der Kritik. Aber welche Länder sind jetzt wirklich die gefährlichsten?

Es war wieder einer dieser berüchtigten mitternächtlichen Tweets, die Donald Trump da in der Nacht auf Freitag los ließ. "Mexiko wurde gerade zum zweittödlichsten Land der Welt erklärt, gleich hinter Syrien", schrieb der US-Präsident um 00.15 Uhr. Hauptursache für die Gewalt im südlichen Nachbarland sei der Drogenhandel. Nachsatz: "Wir werden die Mauer bauen!"

Dass Mexiko ein massives Gewaltproblem hat, ist evident. Erst am Donnerstag wurde bei einer Schießerei sechs Menschen getötet. Interne Verteilungskämpfe zwischen Verbrechersyndikaten haben in den vergangenen Monaten die Gewalt in Mexiko eskalieren lassen. Allein im Mai wurden 2186 Menschen getötet – der höchste Wert seit Beginn der systematischen Erhebung vor 20 Jahren.

Der Tweet Trumps sorgt nun aber für diplomatische Verstimmungen zwischen den beiden Ländern, die ohnehin nicht mehr allzu gut aufeinander zu sprechen sind. "Mexiko ist weit davon entfernt, eines der gewalttätigsten Länder der Welt zu sein", teilte die mexikanische Regierung am Freitag empört mit. Weite Teile des Landes sind von der Gewalt der Verbrechersyndikate nicht betroffen und der Tourismus verzeichnet stabile Zuwachsraten. Also wer hat jetzt recht?

Die Studie, auf die sich Trump bezogen haben dürfte, stammt vom International Institute for Strategic Studies. Darin wurde für Mexiko vergangenes Jahr 23.000 Tote ausgewiesen, für Syrien 50.000. Die Angaben wurden allerdings noch am Freitag vom Institut mit Sitz in London selbst wieder zurückgezogen. Man habe "methodische Fehler" in den Daten, hieß es.

Der offensichtlichste: Selbst wenn die absoluten Zahlen stimmen – was allein schon aufgrund der unübersichtlichen Situation in Syrien fraglich ist - ist es einigermaßen sinnlos diese in einem Länderranking miteinander zu vergleichen. Mexiko hat rund 127 Millionen Einwohner, Syrien (Zahl aus dem Jahr 2015) 18,5 Millionen. Entsprechend harsch fielen Reaktionen auf die Studie in Mexiko aus. Sicherheitsexperte Alejandro Hope nannte sie im Guardian sogar "idiotisch".

Die mexikanische Regierung bezog sich ihrerseits auf Daten der UNO. Diese besagen, dass in Mexiko 15,7 von 100.000 Menschen ermordet wurden. In Venezuela hingegen waren es mit 62 deutlich mehr, in Südafrika fielen 0,033 Prozent der Bevölkerung einem Mord zum Opfer (siehe Grafik oben). Keine Angaben gibt es für Syrien. In Österreich kommen auf 100.000 Einwohner 0,5 Mordopfer. Einzige Einschränkung: Die aktuellsten verfügbaren Zahlen stammen aus dem Jahr 2014. Die jüngste Gewaltwelle in Mexiko ist also nicht erfasst.

Denn was auch stimmt: Eine (methodisch unstrittige) Studie der University of San Diego weist für Mexiko die höchste Mordrate der westlichen Hemisphäre aus, Tendenz stark steigend. Nur das mit dem "zweittödlicheten Land der Welt", das belegen die Daten - sofern vorhanden - eben nicht.