Politik | Ausland
30.01.2018

"Trump ist Machtpolitiker. Zu Beginn fährt er eine harte Linie, dann wird verhandelt"

Peter Rough ist Experte für internationale Politik am konservativen Hudson-Institut und verteidigt Trumps Linie, auch gegenüber dem KURIER.

Nein, die Welle an Empörung, die Donald Trump vor allem in Europa entgegenschlägt, überrascht Peter Rough nicht. Der US-Präsident, so der Experte für internationale Politik, sei "einfach das perfekte Schreckgespenst. Er erfüllt für Europäer perfekt das Klischee vom groben Amerikaner."

Rough, der Regierung und republikanische Partei regelmäßig in sicherheitspolitischen Fragen berät, ist einer jener Experten aus dem Umfeld des Weißen Hauses, der zur Zeit versucht, das Bild des US-Präsidenten international ein bisschen zurechtzurücken. Wobei, so betont er, das Gesprächsklima hinter den Kulissen, in den Regierungskanzleien, weit besser sei, als es die öffentlichen Attacken vermuten ließen: "Wenn ich unterwegs bin, egal ob in Riad oder in Berlin, dann höre ich in Gesprächen mit Diplomaten und Politikern viel versöhnlichere Töne."

Klare Ziele

Vor allem Trumps Außenpolitik sei pragmatisch, und so müsse man sie auch verstehen: "Der Präsident ist ein Machtpolitiker. Er sieht die Welt durch die Brille der Realpolitik." Da gehe es weniger um die große weltpolitische Vision, wie etwa bei George W. Bush, sondern um klare konkrete Ziele. Derzeit gebe es im Weißen Haus da zwei Prioritäten: Das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas zu stoppen und den Iran im Nahen Osten in die Schranken zu weisen.

Europas Iran-Geschäfte

Gerade in der Iran-Frage sei man sich in Washington genau bewusst, wie viel für Europa in dem Konflikt auf dem Spiel steht. Nicht umsonst, so betont Rough, würden Wirtschaftsdelegationen in Teheran Schlange stehen, seit die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben sind: "Da geht es wirklich um wirtschaftliche Interessen und sehr viel Geld."

Dass Trump in der Iran-Frage derzeit auf Kollisionskurs mit Europa steuert, sei typisch für seine politische Taktik: "Er fährt zu Beginn immer eine harte Linie, dann wird verhandelt." Dass das Atomabkommen mit dem Iran tatsächlich aufgehoben wird, hält Rough eher für unwahrscheinlich, aber es werde sicher beinharte Nachverhandlungen geben.

Als ausgewiesener Europa-Experte pendelt der fließend deutschsprachige Rough derzeit unermüdlich über den Atlantik: "Europa galt ja in der US-Außenpolitik lange Zeit als stabil und daher langweilig. Das hat sich verändert." Das Interesse an Europa in Washington sei groß. Das liege vor allem an den zahlreichen Krisen, vom Erfolgskurs der Populisten, über die wachsende Kluft zwischen Ost- und Westeuropa bis hin zu Griechenlands Schuldenkrise.

Sorgen mit Brexit

Auch der Brexit bereite der US-Regierung Sorgen, vor allem sicherheitspolitisch. Schließlich könne Europa ohne die britischen Streitkräfte noch weniger eigenständig agieren. Grundsätzlich aber fühle sich die Trump-Regierung Europa verbunden, ungeachtet aller anfangs groben Ermahnungen, endlich mehr für die eigene Verteidigung zu tun. Die grundsätzliche Linie in der Außenpolitik sei klar: "Wir wollen unsere Verbündeten stärken und unsere Gegner härter angehen."