Politik | Ausland
12.11.2017

Trump, ein "nützlicher Idiot" für Putin

Trump schenkt den US-Geheimdiensten weniger Glauben als dem Ex-KGB-Agenten.

Dabei gäbe es so viel anderes zu besprechen, wenn Donald Trump Mitte dieser Woche von seiner Asien-Reise zurückkehrt: Wird das von ihm beklagte Handels-Defizit mit China nach dem pompösen Empfang bei Präsident Xi wirklich gesenkt? Läuft das just vereinbarte Handelsabkommen von elf Regional-Mächten ohne die Beteiligung Amerikas nicht am Ende den Interessen der US-Wirtschaft zuwider? Und wie hilfreich war es, Nordkoreas Diktator Kim Jong-un erst Gespräche über den Atom-Konflikt anzubieten und ihn dann als "klein und fett" zu verunglimpfen?

Zickzack-Kurs

Verdrängt wurden diese Fragen in Washington gestern durch einen außergewöhnlichen Zickzack-Kurs des US-Präsidenten bei einem Thema, das in Asien gar nicht anstand: die Affäre um die Manipulations- und Sabotage-Versuche Russlands bei der US-Wahl 2016. Verbunden mit der Frage, wem Trump mehr Glauben schenkt – Kreml-Chef Putin, der die Vorwürfe seit Monaten pauschal als erfunden bezeichnet, obwohl viele Indizien dagegen sprechen? Oder den eigenen Geheimdiensten, die Russlands Aktivitäten beschrieben und analysiert haben?

"Sache ruhen lassen"

Trump neigte bisher hartnäckig dazu, Putin den Vorzug zu geben. Was in Washington den Verdacht erhärtet hat, dass Moskau etwas gegen den Unternehmer in der Hand hält. Weil sich beide Männer in Vietnam trafen, lag die Frage nahe, ob sich Trump weiterentwickelt hat. Kurze Antwort: nein. "Er hat mir absolut beteuert, dass er sich nicht in unsere Wahl eingemischt hat", sagte Trump. "Ich glaube wirklich, dass er das, was er mir gesagt hat, auch ganz stark so meint." Trump warb dafür, die Sache endlich ruhen zu lassen und nach vorn zu schauen. Weitere Nachfragen seien für Putin "beleidigend" und für Amerika nicht gut. Die USA können beim Atomkonflikt mit Nordkorea Moskaus Hilfe gut gebrauchen.

CIA und FBI als Lügner

Die Art und Weise, in der sich Trump die Unschuldsbehauptung des ehemaligen KGB-Offiziers Putin zu eigen machte, rief in der Heimat, wo Kongress-Ausschüsse und Sonderermittler Robert Mueller in der Sache recherchieren, außergewöhnlich starke Reaktionen hervor. Denn Trump stellte einmal mehr inzwischen von ihm gefeuerte oder ausgeschiedene Spitzen von CIA und FBI de facto als Lügner dar, obwohl deren Nachfolger in der Causa exakt zum gleichen Befund gekommen sind: Moskau wollte die Wahl zugunsten Trumps beeinflussen.

"Realitätsverweigerung"

James Clapper, Ex-Koordinator der 17 US-Geheimdienste, nannte Trumps Realitätsverweigerung "skrupellos". Die frühere Vize-Justizministerin Sally Yates sprach von einem "schamlos unpatriotischen" Verhalten. Republikanische Schwergewichte wie Senator John McCain erklärten Trump für eine Bedrohung für die nationale Sicherheit, wenn er Putin Glauben schenke. Prompt drehte Trump bei der nächsten Begegnung mit den Medien halbherzig bei. Unabhängig von dem, was er selbst glaube, gelte: "Ich stehe zu unseren Geheimdiensten, ich glaube an unsere Geheimdienste."

Obwohl Geheimdienst-Koordinator Dan Coats ihn umfassend über die russischen Aktivitäten vor der Wahl informierte, hat Trump kein einziges Mal Russland direkt für das verantwortlich gemacht, was in Washington als "Attacke auf unsere Demokratie" betrachtet wird. Trump spiele damit für Putin den "nützlichen Idioten", sagte der Brookings-Wissenschaftler Thomas Wright und konstatierte: "Niemals zuvor haben wir bei einem amerikanischen Präsidenten so eine Schwäche gesehen."