Jürgen Trittin

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Bundestagswahl
09/17/2013

Trittin entschuldigt sich für Pädophilie-Position

Die deutschen Grünen versuchen sich weiter von der Pädophilie-Position in den frühen 80er Jahren zu distanzieren.

In der Debatte um den Umgang mit Pädophilie in den Anfangsjahren der deutschen Grünen hat sich Spitzenkandidat Jürgen Trittin nochmals entschuldigt. "Wir Grünen, mich eingeschlossen mit der Verantwortung, haben in den frühen 80er Jahren eine Position vertreten zur Pädophilie, die muss allen Missbrauchsopfern als Hohn erscheinen. Und das ist ein Fehler gewesen", sagte Trittin am Dienstag in Augsburg bei der Abschlusskundgebung der bayerischen Grünen zur Bundestagswahl.

Die Grünen seien dann aber die ersten im Deutschen Bundestag gewesen, die die Frage nach sexuellem Missbrauch in der Gesellschaft aufgeworfen hätten. "Und als Ausfluss dieser Debatte haben wir diese Position 1989 korrigiert", sagte Trittin. Seitdem sei völlig klar, dass jede Form von sexuellem Umgang mit Kindern Missbrauch sei. "Wir wissen auch, dass wir dafür zu lange gebraucht haben", räumte er ein.

Trittin ist nicht der einzige Grünen-Politiker, dem vorgeworfen wird, in der Frühzeit der deutschen Grünen gegenüber pädophilen Positionen zu tolerant gewesen zu sein. Der Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit war vor einigen Monaten heftig wegen eines Buches kritisiert worden, in dem er 1975 Intimitäten mit kleinen Kindern schilderte. Cohn-Bendit versicherte, dass nicht reale Geschehnisse beschrieben wurden und dass er diese Passagen heute als "unerträglich" empfinde.

Grünen-Bundeschefin Claudia Roth warf mehreren christdemokratischen Politikern in der Pädophilie-Debatte Scheinheiligkeit vor. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt diskriminiere offen Schwule und Lesben und hetze gegen Flüchtlinge, meinte Roth. Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, habe zusammen mit Unionsfraktionschef Volker Kauder und dem heutigen CSU-Chef Horst Seehofer 1997 im Bundestag gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt.

"Von all denen müssen wir Grüne uns nicht sagen lassen, was Moral ist und was verantwortungsvolles Handeln ist", sagte Roth bei der Kundgebung in ihren Heimat-Wahlkreis.

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