© EPA

Prozess
07/28/2015

Haiders Freund droht Erschießung

Nach jahrelanger Haft droht Saif al-Islam Gaddafi der Tod. Ihm wird unter anderem Mord vorgeworfen.

Er tanzte auf dem Opernball, feierte opulente Partys in seiner Döblinger Villa und fädelte lukrative Geschäfte für Jörg Haiders Freunde in Libyen ein: Saif al-Gaddafi, Sohn des 2011 gestürzten und danach ermordeten libyschen Diktators Muammar, hatte über Jahre enge Kontakte nach Österreich und zur FPÖ. Jetzt droht dem Lebemann, der in Wien studierte, die Hinrichtung in Libyen.

Ein Gericht in der Hauptstadt Tripolis, in der seit Monaten eine international nicht anerkannte islamistische Regierung herrscht, hat Saif und acht Vertraute aus dem engsten Umfeld seines Vaters zum Tode verurteilt. Alle Bemühungen des Internationalen Strafgerichtshofes, der eine Auslieferung und einen Prozess in Den Haag forderte, sind gescheitert oder im politischen Chaos Libyens untergegangen.

Finger amputiert

Der smarte Diktatorensohn hat den spärlich verfügbaren Informationen zufolge Jahre des Schreckens hinter sich. 2011, nach dem Tod seines Vaters, wurde er von einer islamistischen Miliz gefangen genommen und in die Stadt Al-Zintan im Westen des Landes gebracht. Von dort tauchten Fotos des inhaftierten und offensichtlich völlig verwahrlosten Saif auf, der obendrein mehrere Finger seiner rechten Hand verloren hatte. Es blieb unklar, ob die Islamisten ihm diese abgeschnitten, oder ob er sie – wie er behauptete – bei einem US-Bombenangriff verloren hatte.

Aus der Zelle in Al-Zintan verfolgte der 43-Jährige auch den Prozess gegen ihn. Aus Sicherheitsgründen trat er nie persönlich vor Gericht auf, sondern wurde über Videoleitung zugeschaltet. Dass die Islamisten ein Todesurteil anpeilten war erwartet worden, schließlich galt Saif nicht nur wegen der Verbrechen seines Vaters, sondern auch wegen seines westlichen Lebensstils als Feindbild.

Vermittler mit dem Westen

Doch der zweitälteste und weltgewandteste von Gaddafis sieben Söhnen versuchte, auch als seriöser Politiker von sich reden zu machen. So vermittelte er in Konflikten zwischen Libyen und der westlichen Welt, wie etwa bei der Entschädigung für die Opfer des Attentates auf ein US-Passagierflugzeug über dem schottischen Lockerbie.

Vor der Erschießung kann Saif allerdings keine westliche Vermittlung retten, sondern nur die wachsende Uneinigkeit unter Libyens Islamisten. Ob die Kämpfer von Al-Zintan ihren Häftling tatsächlich nach Tripolis ausliefern werden, ist vorerst unklar.

Die Kärnten-Connection

Haiders Privatsekretär Gerald Mikscha war Studienkollege von Gaddafi-Sohn Saif. Über ihn wurden die Beziehungen Haiders zum Gaddafi-Regime eingefädelt. Der FPÖ-Chef reiste persönlich mehrmals in das Land und verschaffte so einigen Kärntner Firmen – etwa Holz- und Treibstoffhändlern –lukrative Aufträge in Libyen. Berichte über angebliche Direktzahlungen Gaddafis an die FPÖ konnten nie bestätigt werden. Es ging dabei um die sagenhafte Summe von mehr als 40 Milllionen Euro, die Gaddafi nach Österreich mit Hilfe seines Sohnes transferiert haben soll. Mikscher, der dabei wie bei allen Gaddafi-Geschäften eine zentrale Rolle spielte, tauchte schließlich 2007 unter. Er soll seither in Panama leben. Haider-
Nachfolger als Landeshauptmann, der inzwischen politisch entmachtete Gerhard Dörfler, will Ende August wieder nach Libyen reisen.