US-Energieexperte Tom Plant

© /New Energy Center

US-Klimaexperte
12/04/2015

"USA gehen unumkehrbar Richtung Klimaschutz"

Als Experte am größten Forschungsinstitut der USA für erneuerbare Energien plant Tom Plant die US-Energiewende.

von Konrad Kramar

Das neuerliche "Nein" der Republikaner zu Obamas Klimaschutzprogramm irritiert Tom Plant nicht. Ein "symbolischer Sieg", dem das Veto des Präsidenten folgen werde. Wie oft das politisch noch hin und her gehe, ändere nichts am Grundsätzlichen:"Die USA gehen unumkehrbar in Richtung Klimaschutz." Das nämlich, gibt sich der Experte vom "Center for the New Energy Economy", überzeugt, würde vorrangig nicht in Washington entschieden, sondern in den einzelnen US-Bundesstaaten.

Klimaziele beschlossen

30 der insgesamt 50 Staaten hätten inzwischen verbindliche Klimaziele beschlossen. Und selbst in Kentucky oder Wyoming, die vom Kohleabbau lebten, habe man schon begriffen, "dass die Kohleindustrie in riesigen Schwierigkeiten steckt und keine Perspektive für die Zukunft bietet." 220 Millionen Menschen würden in diesen 30 Staaten leben, zusammen die fünftgrößte Nation der Welt:"Auch wenn das international übersehen wird, das ist eine Trendwende."

Natürlich sei das alles ein Prozess der kleinen Schritte – und der erste sei der Umstieg von Kohle auf Erdgas, also von Energie mit hohem Treibgasausstoß zu Energie mit niedrigerem Treibgasausstoß: "im Paket mit einem ständig wachsenden Anteil an erneuerbaren Energien sind wir eines Tages emissionsfrei."

Auch die Marktwirtschaft würde da in die richtige Richtung steuern: "Wall Street mag keine Unsicherheiten, also mag Wall Street keine Kohle. Die Aktien stürzen ab." Plant, der am Forschungszentrum in Colorado für die großen Energiestrategien zuständig ist, sieht die Investoren immer mehr auf der Seite der erneuerbaren Energien. Doch um diesen Trend zu beschleunigen, bräuchten die USA trotz allem eine nationale Energiepolitik, so wie Obama sie anstrebt.

Wenn der Staat helfend eingreife, dann seien sogar in der Wirtschaftskrise Schritte in Richtung Energiewende möglich. So habe die Regierung Firmen mit großen Lkw-Flotten in der Krise Unterstützung angeboten, allerdings nur, wenn diese im Gegenzug sparsamere Lkw anschaffen würden. Das habe den Verbrauch reduziert. Ein Boom bei Elektroautos sei nur möglich, wenn es für diese flächendeckend Ladestationen gebe, "also muss sich die Regierung um diese Ladestationen kümmern. Dann erst kommt das Ganze in Gang."

Energietransport ist entscheidend

Eine nationale Energiepolitik sei die Grundlage für eine Zusammenarbeit aller Staaten. Und ohne die sei eines der größten Probleme unlösbar: Der Transport von Energie. Plant: "Wir haben genug Ressourcen, um Energie zu erzeugen, aber um sie effizient zu verteilen brauchen wir einen gemeinsamen Markt und die Möglichkeiten, Energie dorthin zu schaffen, wo ich sie gerade brauche." Ein modernes, flexibles Stromnetz, das sich den Verbrauchern anpasst, ist eines der zentralen Forschungsziele des Institutes. Das umfasst rasche und vom Energieverbrauch gesteuerte Stromnetze über alle Grenzen der Bundesstaaten hinweg, aber auch kleine lokale Netze, in die Bürger auch Strom aus eigenen Quellen, etwa Solaranlagen, einspeisen können. Nicht zuletzt aber braucht es Stromanbieter, "die nicht nur davon leben, dass sie möglichst viel Energie verkaufen – an Leute, die eh keine andere Wahl haben."

Den Klimagipfel in Paris mögen Skeptiker als inhaltsarmes Spektakel sehen, für Plant ist er "eine wunderschöne Gelegenheit. Dort werden die größten Klimasünder der Welt, also die USA, China und Indien, sich verpflichten zu handeln. Und damit gibt es für niemandem mehr auf der Welt, einen Grund, sich zurückzulehnen und nichts zu tun."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.