Captagon-Tabletten

© APA/AFP/JOSEPH EID

Griechenland
06/03/2016

Mit Drogen in den "Heiligen Krieg"

Griechische und US-amerikanische Ermittler haben Drogen sichergestellt. Empfänger soll eine libysche Firma sein, die mit dem IS kooperieren soll.

Griechische und US-amerikanische Fahnder haben im Hafen von Piräus 26 Millionen Amphetamin-Pillen in einem Container sichergestellt. Empfänger soll laut Athener Zeitungen Kathimerini und Ethnos eine Firma in Libyen sein, die verdächtigt wird, mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" zusammenzuarbeiten. Deshalb vermuten die Fahnder, dass die aufputschend wirkenden Pillen für die IS-Dschihadisten gedacht waren.

Zumindest wäre es nicht das erste Mal, dass die Terrororganisation seine Kämpfer unter Drogen setzt, um ihnen so jede Angst, auch die vor dem Tod, zu nehmen. Nach den Attentaten in Paris vergangenen Herbst haben Ermittler Unmengen von Tablettenröhrchen und Spritzen in der Wohnung gefunden, in der die Mörder die letzten Vorbereitungen für den Anschlag planten.

Billig und mit relativ simpler Chemie herstellbar

Auch die von kurdischen Kämpfern gefangen genommenen IS-Terroristen hatten im Verhör ausgesagt, dass man ihnen "halluzinogene Tabletten" verabreicht habe, "solche, die dich in ein Gefecht gehen lassen, ohne dass du darüber nachdenkst, ob du überlebst oder stirbst." Immer wieder werden auch bei gefallenen IS-Kämpfern Spritzen und Tabletten gefunden. Die bevorzugte Droge scheint Captagon zu sein - Captagon ist der Markenname, der Wirkstoff heißt Fenetyllin.

Die billig und mit relativ simpler Chemie herstellbare Droge war in Europa in den Sechzigerjahren noch in Gebrauch, vor allem zur Behandlung hyperaktiver Kinder. Als man die große Suchtgefahr erkannte, verschwand das Medikament. Auch als Doping-Mittel, das in den Achtzigern noch viele Fußballer schluckten, ist es inzwischen verschwunden. Heute stuft die UNO-Drogenbehörde Captagon als gefährliches Suchtmittel ein, in Ländern des Nahen und Mittleren Osten ist sie jedoch weit verbreitet. In Saudi-Arabien sollen 40 Prozent der 12 bis 22 Jahre alten Drogenabhängigen diese Pillen schlucken.

Ein Millionengeschäft

Regelmäßig werden große Mengen der Droge sichergestellt. Am 30. Dezember beschlagnahmten die libanesischen Behörden nach eigenen Angaben zwölf Millionen Pillen. Schlagzeilen machte im Oktober die Verhaftung eines saudischen Prinzen und weiterer vier Landsmänner im Libanon, die knapp zwei Tonnen Captagon außer Landes schaffen wollten.

Die Hauptproduktion der Droge findet inzwischen in Syrien statt, auch in dem von der IS gehaltenen Territorium. Von dort aus wird es über den Libanon in den gesamten Nahen Osten geschleust. 2015 sind 24 Millionen Captagon-Tabletten beschlagnahmt worden.

Captagon ist für den IS nicht nur eine Droge, um aus seinen Mitgliedern und Selbstmordattentätern widerstandslose Kämpfer zu machen, sondern auch eine verlässliche Einnahmequelle. Einzelne Tabletten werden auf den Schwarzmärkten der Region um etwa 20 Dollar pro Stück angeboten, ein Millionengeschäft.

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