Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien - der IS ist bedrohlich nahe.

© APA/EPA/SEDAT SUNA

Terror
10/05/2014

IS-Milizen nehmen Grenzstadt unter Dauerfeuer

Heftige Gefechte um die Grenzstadt Kobane - IS zeigt Fotos von enthaupteten Frauen.

Trotz schwerer Verluste und neuer Luftschläge der von den USA geführten Koalition erhöht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihren Druck auf die nordsyrische Stadt Kobane. Die Dschihadisten hätten Verstärkung aus ihren Hochburgen in Al-Rakka und Deir as-Saur im Kampf um Kobane hinzugezogen, berichtete die PKK-nahe Agentur Firat am Sonntag unter Berufung auf Angaben der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), die die Stadt verteidigen. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden seien 86 IS-Extremisten getötet worden, auf Seiten der YPG seien 17 Kämpfer ums Leben gekommen. Südlich der Stadt gebe es „Nahkampf-Gefechte“. Die USA und ihre arabischen Verbündeten hätten die Kurden mit insgesamt sieben Luftangriffen bei Kobane unterstützt, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Dschihadisten enthaupten Frauen

Bei ihrem Vormarsch gehen die Dschihadisten mit ungeheurer Brutalität vor: Auf Twitter verbreiteten sie Bilder, auf denen IS-Terroristen mit den abgeschlagenen Köpfen kurdischer Kämpferinnen posieren, berichtet der Spiegel. Viele kurdische Frauen kämpfen in Eliteeinheiten gegen die Terroristen. Offenbar sin den IS-Milizen mehrere Frauen in Dörfern in der Umgebung von Kobane in die Hände gefallen

In Syrien versuchen IS-Dschihadisten seit Tagen verstärkt, die unmittelbar an der Grenze zur Türkei gelegene Stadt Kobane (arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Angesichts der Flüchtlingskatastrophe an der syrisch-türkischen Grenze forderte die Grünen-Politikerin Claudia Roth ein stärkeres deutsches Engagement. „Die humanitäre Situation ist dramatisch“, sagte die Bundestagsvizepräsidentin nach einem Besuch im Grenzgebiet. „Die Türkei braucht sofortige internationale humanitäre Unterstützung.“ Auch Deutschland sei dabei gefordert.

Unterstützung durch Taliban

Die Taliban in Pakistan wollen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) Kämpfer in den Irak und nach Syrien schicken. "Wir werden weiterhin Mujaheddin senden, damit sie den IS-Kämpfern helfen", sagte Shahidullah Shahid, ein Sprecher der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. "Wir unterstützten sie vollständig, weil wir glauben, diese Organisation wurde zum Dienste des Islam gemacht."

Das Bündnis ist bemerkenswert, da die beiden Organisationen eigentlich als Konkurrenten gelten - die Taliban stehen der Al-Kaida nahe, die wiederum als Rivale der IS gilt. Wie der Schulterschluss einzuschätzen ist, ist allerdings schwer zu sagen - denn die TTP wurde durch US-Operationen zuletzt geschwächt. Möglich ist, dass sie sich Unterstützung durch den IS erhofft: "In diesen unruhigen Zeiten rufen wir euch auf, geduldig und einig zu bleiben, denn eure Feinde haben sich nun ebenfalls gegen euch vereinigt. Vergesst die Rivalitäten", wird Mullah Fazlullah, Sprecher der TTP, von der BBC zitiert. "Die Eroberungen, die ihr den Feinden abgerungen habt, erfüllen uns mit Stolz. Wir sind mit euch, in guten wie in schlechten Zeiten."

Ein formelles Bündnis der Extremisten erklärte er aber nicht. Die TTP gründeten sich 2007 und haben enge Verbindungen zum Terrornetz Al-Kaida. Bisher hat die pakistanische Regierung alle Mutmaßungen zurückgewiesen, es seien schon Kämpfer aus Pakistan nach Syrien oder in den Irak gereist, um sich dem IS anzuschließen. Experten vermuten überdies, dass der IS versuchen wird, seinen Einfluss in Pakistan zu stärken. Bis dato ist es ihm lediglich gelungen, auf einigen Basaren in Peshawar im Nordwesten Pamphlete zu verteilen.

Terroristen als Flüchtlinge getarnt

Auch in Europa will die Miliz sich weiter ausbreiten – dafür gebe es, so berichtet die Bild am Sonntag unter Berufung auf US-Sicherheitskreise, eine neue Taktik: Als Flüchtlinge getarnt sollten jeweils vierköpfige IS-Kommandos die Grenze zur Türkei überqueren – so will man Terror-Kämpfer nach Europa schleusen. Österreichische Behörden sind nach eigenen Angaben bereits darüber informiert.

Von der türkischen Grenzen aus sollen die IS-Kämpfer mithilfe gefälschter Pässe weiter nach Westeuropa reisen, um Anschläge zu verüben. Nach Informationen der Zeitung gelang es US-Geheimdiensten, die verschlüsselte Kommunikation der IS-Führung zu dechiffrieren. Aus abgehörten Gesprächen erfuhren die US-Dienste demnach auch, dass die IS-Kommandos auf ihrem Weg nach Westeuropa keine Flugzeuge benutzen sollen. Hintergrund seien die vergleichsweise strengen Kontrollen an Flughäfen.

Den österreichischen Behörden sei dieses Szenario grundsätzlich bekannt, sagte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck am Sonntag der APA. Deswegen sei die Prüfung der einzelnen Asylanträge "von besonderer Bedeutung", ergänzte er. Auch der Bundesverfassungsschutz (BVT) habe ein besonderes Augenmerk darauf. Deutsche Behörden sind der Zeitung zufolge ebenfalls darüber informiert. Dies hätten Regierungskreise bestätigt, meldet die Nachrichtenagentur dpa.

Wo das Gesetz der Gotteskrieger herrscht: Ein Bewohner der "IS-Hauptstadt" Al-Rakka schildert das Leben mit dem IS-Terror.

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Islamisten enthaupten Ägypter wegen angeblicher Spionage für Israel

Militante Islamisten sollen auf der Sinai-Halbinsel erneut vier Ägypter wegen angeblicher Spionage für Israel enthauptet haben. Ein entsprechendes Video habe die Terrorgruppe Ansar Beit al-Maqdis im Internet veröffentlicht, berichtete die ägyptische Nachrichtenseite El Watan News am Sonntag.

Die Extremisten hätten ihren Opfern vorgeworfen, für den israelischen Geheimdienst Mossad spioniert zu haben. Die Aufnahmen erinnern an die Gräuelvideos des Islamischen Staates (IS). In dem 25 Minuten langen Video lassen die Islamisten ihre späteren Opfer aussagen, dass sie spioniert hätten. Im Anschluss werden die enthaupteten Leichen der Männer gezeigt.

Seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi vor mehr als einem Jahr hat sich die Terrorgruppe Ansar Beit al-Maqdis ("Unterstützer Jerusalems") zu mehreren Anschlägen in Ägypten bekannt. Sie soll der IS-Terrormiliz nahe stehen.

Nach Enthauptung eines Briten: Sorge um US-Geisel

Die Enthauptung einer vierten westlichen Geisel in den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat weltweit für Entrüstung gesorgt. Allerdings richtet sich jetzt das Augenmerk auf das Schicksal eines US-Entwicklungshelfers, der das nächste Opfer der Dschihadisten werden soll. Die Eltern des Mannes baten die Entführer in einem am Samstag veröffentlichten Video um Gnade für ihren Sohn.

Für seine Rettung wollen die USA nach Angaben des Außenministeriums alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen - militärisch, diplomatisch, rechtlich und geheimdienstlich. "Wir flehen seine Kidnapper an, sich zu erbarmen und ihre Macht zu nutzen, um unseren Sohn gehen zu lassen", sagten die Eltern des Entwicklungshelfers Peter Kassig. Sie hätten die US-Regierung vergebens gebeten, ihr Vorgehen im Irak und in Syrien zu ändern.

Appell der Eltern

"Wie unser Sohn haben wir nicht mehr Kontrolle über die US-Regierung als Sie über die Morgendämmerung haben", richtete sich Kassigs Vater an IS. Der 26 Jahre alte Kassig hatte nach einem Bericht der Washington Post von April bis Juli 2007 als Soldat im Irak gedient und war nach seiner Zeit bei der US-Armee als Entwicklungshelfer nach Syrien gegangen.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte unterdessen die Enthauptung einer britischen Geisel durch den IS als "abscheulich und feige". Der Familie des ermordeten 47-jährigen Alan Henning und der Regierung Großbritanniens sprachen die 15 Mitglieder des Rates in New York ihr Mitleid aus. Das Verbrechen zeige erneut, wie brutal die IS vorgehe, hieß es in einer Erklärung. Die Terrormiliz müsse bekämpft und besiegt werden.

Brutales Video

Ein im Internet veröffentlichtes Video, das die Enthauptung Hennings zeigen soll, mache deutlich, "wie abscheulich und barbarisch" die IS-Terroristen vorgingen, sagte der britische Premierminister David Cameron. IS-Extremisten hatten zuvor bereits die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Entwicklungshelfer David Haines ermordet. Das britische Außenministerium prüfte noch die Authentizität des jüngsten Videos.

Glückwunsch, Ihr Sohn ist jetzt im Paradies

"Herzlichen Glückwunsch, Ihr Sohn ist jetzt im Paradies!" Mit diesen Worten überbrachten vor Kurzem einige Männer einer Mutter in Hamburg die Nachricht, dass ihr 18-jähriger Sohn im Jihad getötet wurde. Das berichtete die Hamburger Morgenpost am Samstag.

Den Angaben zufolge konvertierte Ulf R. aus dem Hamburger Stadtteil Altona kurz nach seinem 18. Geburtstag zum Islam. "Ein schlanker blonder Junge, der als psychisch labil galt und aus schwierigen Verhältnissen stammte", schrieb das Blatt.

Nach seinem Glaubenswechsel habe er die Ausbildung abgebrochen und sei in die Türkei gefahren, um im Nahen Osten neben anderen radikalisierten Islamisten zu kämpfen. Irgendwann klingelten Männer an der Haustür seiner Mutter in der Hansestadt und überbrachten ihr die Todesnachricht.

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