Kobane

© REUTERS/KAI PFAFFENBACH

Terror in Syrien
10/26/2014

Kurden drängen Terrormiliz wieder ab

Laut Informationen des BND soll IS indes in der Lage sein, mit Raketenwerfern Passagierflieger zu treffen.

Unterstützt durch Luftschläge der internationalen Koalition haben Kurden im Irak und in Syrien im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach eigenen Angaben Boden gutgemacht. Im Nordirak hätten kurdische Peschmerga-Kämpfer am Samstag nahe Mossul die strategisch wichtige Stadt Sumar sowie umliegende Dörfer wieder unter ihre Kontrolle gebracht, berichtete ein Kurdenvertreter.

In Syrien übernahmen die Volksschutzeinheiten (YPG) nach Angaben eines kurdischen Aktivisten einen wichtigen Hügel am Rande der Kurdenenklave Kobane nahe der türkischen Grenze. Weiter offen blieb, wann die angekündigten 200 irakisch-kurdischen Peschmerga-Kämpfer zur Verstärkung der syrisch-kurdischen Volksschutzeinheiten nach Kobane gelangen. Das Peschmerga-Ministerium der Autonomieregion Kurdistan in Erbil dementierte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa einen Bericht des Nachrichtenportals Rudaw, wonach sich 150 Soldaten bereits an diesem Sonntag auf den Weg in die Stadt machen wollen. Der Bericht sei falsch. Die Bewegung der Streitkräfte werde unter strengster Geheimhaltung erfolgen, da es sich hierbei um eine militärische Angelegenheit handle. Die Peschmerga sollen über türkisches Territorium nach Kobane gelangen. Die Erlaubnis hat die türkische Führung in Ankara bereits erteilt.

Auch etwa 1.300 Kämpfer der Rebellengruppe "Freie Syrische Armee" (FSA) wollen sich den Kurden in Kobane anschließen. Am Freitag gaben die oppositionellen FSA-Kämpfer aus der Provinz Aleppo die Entscheidung zur Entsendung von Einheiten bekannt - zu denen auch gemäßigte islamistische Gruppen gehören. Kurdische YPG-Vertreter haben die syrischen Rebellentruppen aber gebeten, nicht über türkisches Territorium nach Kobane zu kommen, sondern die Jihadisten von syrischem Gebiet aus anzugreifen.

Angeblich verfügt der IS über Raketenwerfer

Die Bild berichtet indes von einer Terrorwarnung von Seiten des deutschen Geheimdienstes. Der BND soll die Abgeordneten des Bundestags vergangene Woche in einer vertraulichen Sitzung darüber in Kenntnis gesetzt haben.

Demnach soll der IS im Nordirak über hochmoderne Luftabwehrwaffen verfügen. Damit sollen die Terroristen sogar in der Lage sein Passagiermaschinen zu treffen. Es seien laut Bild tragbare Raketenwerfer, Manpads. Sie sollen einfach zu bedienen sein und aus den Beständen der Syrischen Armee stammen.

Kämpfe im Irak

Das US-Militär und Verbündete flogen laut dem US-Zentralkommando in Tampa (Florida) am Freitag und Samstag einen weiteren Schlag gegen den IS nahe Kobane. 22 neue Luftangriffe gab es demnach zugleich im Irak, die meisten davon nahe dem Mossul-Damm. Die Talsperre ist seit langem umkämpft. Ein Zusammenbruch des ohnehin maroden Dammes könnte Flutwellen von 20 Metern Höhe zur Folge haben, die die Kraft hätten, große Teile der Millionenstadt Mossul mitzureißen.

Die Peschmerga-Truppen würden den IS in der Region Mossul weiter angreifen, sagte der Kurdenvertreter. Sein Bericht über die Rückeroberung der Stadt Sumar wurde der irakischen Nachrichtenseite Al-Sumaria News auch von einem Peschmerga-Kommandant bestätigt.

Die Terrororganisation Islamischer Staat kontrolliert seit Juni große Gebiete in Syrien und im Irak. Im August begannen im Irak die internationalen Angriffe gegen die Jihadisten, seit Ende September fliegt die Koalition auch Kampfeinsätze in Syrien.

Der syrische Bürgerkrieg verschlechtert inzwischen auch die Lage im Libanon immer weiter. Bei heftigen Kämpfen zwischen der Armee und radikal-islamischen Bewaffneten im Norden des Libanon starben sechs Soldaten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA.

Waterboarding und Fußfesseln

Die Terrormiliz soll Geiseln auf brutale Weise misshandelt haben. Scheinexekutionen und Folter gehörten zum Repertoire der Dschihadisten, berichtete die New York Times am Sonntag. Die Zeitung beruft sich unter anderem auf Interviews mit fünf ehemaligen Geiseln, die sich mit dem im August ermordeten US-Journalisten James Foley eine Zelle teilen mussten. Nach diesen Aussagen wurde Foley kopfüber an der Zellendecke aufgehängt. "Du konntest die Wunden an seinen Fußknöcheln sehen", sagte ein ehemaliger Gefangener aus Belgien. Auch mit Waterboarding, einer Foltertechnik, die Ertrinken simuliert, seien die Geiseln gepeinigt worden.

Darauf weist auch ein am Samstag von den Islamisten selbst veröffentlichtes Propagandavideo mit einer ihrer Geiseln hin. Darin sagt ein seit mehr als zwei Jahren festgehaltener britischer Journalist: "Einige von uns, die versucht haben zu fliehen, wurden von unseren Geiselnehmern mit Waterboarding gefoltert, so wie muslimische Gefangene von ihren amerikanischen Geiselnehmern mit Waterboarding gefoltert werden."

Der 43-Jährige sitzt nach Angaben der Presseagentur PA in den Aufnahmen an einem Schreibtisch, trägt orangefarbene Kleidung und liest das von den Terroristen vorbereitete Statement ab. Die Schwester der britischen Geisel hatte den IS in einem Statement gebeten, Kontakt zur Familie aufzunehmen. Der Vater des Mannes war vor einigen Tagen gestorben.

Die britische IS-Geisel wird seit Wochen als Sprecher der Islamisten missbraucht. Der 43-Jährige wird immer wieder gezwungen, in Internet-Videobotschaften die "Wahrheit" aus Sicht der Terrormiliz zu erklären.

23 Geiseln

Insgesamt befanden sich nach Recherchen der New York Times mindestens 23 westliche Geiseln aus zwölf Ländern in der Gewalt des IS. Dabei hätten "unterschiedliche Reisepässe unterschiedliche Schicksale bedeutet". Die meisten europäischen Geiseln seien frei gekommen, nachdem ihre Regierungen Lösegeld an die Dschihadisten gezahlt hätten. US-amerikanische und britische Gefangene hingegen wurden getötet oder befinden sich noch in der Gewalt des IS.

Die Entführungsopfer hätten ohne Matratzen und ausreichend Decken in engen Zellen gehaust, hieß es in dem Zeitungsbericht. Zwischenzeitlich hätten sich bis zu 19 Inhaftierte einen rund 20 Quadratmeter großen Raum teilen müssen. Das einzige Licht sei vom Türspalt gekommen. Die täglichen Essensrationen hätten in eine Teetasse gepasst.

Bisher wurden neben James Foley auch der US-Journalist Steven Sotloff, die britischen Entwicklungshelfer David Haines und Alan Henning und der russische Ingenieur Sergej Gorbunow getötet. In der Gewalt der Dschihadisten befinden sich nach aktuellen Erkenntnissen derzeit noch der britische Journalist sowie zwei US-amerikanische Entwicklungshelfer, darunter eine Frau.

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