Politik | Ausland
07.06.2017

Terror in Paris: Angreifer drehte IS-Bekennervideo

In Paris gab es mitten in der Touristensaison wieder Terroralarm. An die tausend Menschen fanden Unterschlupf in der weltberühmten Kathedrale. Angreifer bekannte sich in Video zu Jihadistenmiliz IS.

Im Herzen von Paris heulen wieder die Polizeisirenen. Ein Anti-Terror-Einsatz läuft. Das Viertel um die Kathedrale Notre-Dame ist an diesem stürmischen und regnerischen Dienstag weiträumig abgesperrt.

Die Kontrollen sind strikt: Auch Anwohner und Gäste von Hotels dürfen nicht durch. Vor dem Gotteshaus, das jedes Jahr von etwa 13 Millionen Menschen besucht wird, hat ein Mann gegen 16.20 Uhr einen Polizisten mit einem Hammer attackiert und dabei "Das ist für Syrien" gerufen. Ein Beamter schießt auf den Angreifer und verletzt ihn.

Hintergrund: Hammer-Attacke in Paris

Bekenntnis zu IS auf Video

Der Angreifer hat sich vor der Tat in einem Video zur Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Das Video wurde bei einer Durchsuchung der Wohnung des Mannes in Cergy nahe Paris gefunden, wie am Mittwoch aus Ermittlerkreisen verlautete.

Nach dem Angriff sind weitere Details über den Angreifer bekannt geworden. Es handle sich um einen aus Algerien stammenden 40-jährigen Doktoranden der Universität Lorraine in Metz in der ostfranzösischen Region Lothringen, verlautete am Dienstag aus Ermittlerkreisen. Er war demnach Doktorand der Informationswissenschaften. Den Ermittlerkreisen zufolge trug der Mann Ausweispapiere bei sich, die ihn als Farid I. ausgaben. Geboren wurde er demnach im Jänner 1977 in Algerien.

Universitätspräsident Pierre Mutzenhardt sagte einem örtlichen Radiosender, der Mann habe keine Auffälligkeiten gezeigt. Sein Doktorvater Arnaud Mercier sagte im französischen Fernsehen, der Student habe "nach außen hin keine übermäßige Anhängerschaft zum Islam gezeigt". "Als ich ihn kannte, hatte er eine prowestliche, prodemokratische Anschauung", sagte Mercier dem Sender BFMTV. Seit November habe er allerdings nichts mehr von ihm gehört. Dies habe ihn stutzig gemacht.

Lob für die Polizisten

Viele Besucher der Kathedrale im gotischen Stil und des historischen Stadtviertels auf der von der Seine umschlossenen Ile de la Ciete wussten zur Tatzeit nicht genau, was passiert. "Ich hörte einen Knall, ich dachte, es sei ein Gewitter", berichtet Joe Ann Paulus aus dem US-Bundesstaat Georgia mit ruhiger Stimme. Sie ist für einen Tag in die französische Hauptstadt gekommen.

"Ich hielt mich am Eingang der Kirche auf. Polizisten riefen: "Bewegen Sie sich, bewegen Sie sich!" Die Menschen seien in die Kirche geflüchtet. Es habe aber keine Panik gegeben. "Sie waren wunderbar", bilanziert die ältere Frau mit Blick auf die Ordnungshüter.

Rund 1000 Menschen in Notre Dame

Bis zu 1000 Menschen finden in der Kirche Zuflucht. Unter ihnen sind auch Lukas und Slawomir, die aus Polen stammen und mit ihren Familien im nordrhein-westfälischen Bochum leben. Fast zwei Stunden harren sie in dem Gotteshaus aus.

"Zuerst sind die Leute hin- und hergelaufen. Dann musste sich jeder setzen. Viele haben gebetet", erzählen sie. Dann durften die ersten die Kathedrale verlassen. Familien mit Kindern hatten Vorrang. Auch sie sind als Tagestouristen gekommen, da die Kinder keine Schule haben. Haben sie schon einmal eine solche Situation erlebt? "Nein", antwortet ein Mädchen. Sie habe bisher nur davon gehört.

"Soldat des Kalifats"

Der Angreifer war offensichtlich alleine unterwegs, berichtet später Innenminister Gerard Collomb. Der mutmaßliche Täter habe sich als algerischer Student ausgegeben. Neben dem Hammer habe er auch mehrere Küchenmesser bei sich gehabt. Der Mann habe sich als "Soldat des Kalifats" der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnet, ergänzt die Nachrichtenagentur AFP.

Der Mann näherte sich bei dem Angriff einer Polizeipatrouille und schlug auf einen der drei Beamten ein. Ein weiterer Polizist griff dann zur Waffe. Der attackierte Polizist erlitt keine schlimmen Verletzungen.

Der Zwischenfall, bei dem möglicherweise Schlimmeres verhindert wurde, trifft Frankreich zu einem delikaten Zeitpunkt. In wenigen Tagen wird wieder gewählt; am Sonntag steht die erste Runde der Parlamentswahl auf dem Programm. Drei Tage zuvor hatten islamistische Gewalttäter in London sieben Menschen getötet und knapp 50 verletzt.

Für den neugewählten französischen Staatschef Emmanuel Macron sei der Kampf gegen den Terrorismus die "Priorität Nummer eins", resümiert Minister Collomb. Die Ausnahmezustand, der im Zuge der schlimmen, seit zweieinhalb Jahren dauernden Terrorserie verhängt wurde, dürfte im Sommer erneut verlängert werden.