Politik | Ausland
23.07.2017

Tempelberg-Unruhen: "Spiel mit dem Feuer"

Israel installiert nach der jüngsten Eskalation Überwachungskameras am Tempelberg. Arabische Liga kritisiert israelische Regierung: "Spiel mit dem Feuer".

Nach blutiger Gewalt wegen eines Streits um Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg in Jerusalem hat Israel am Sonntag neue Überwachungskameras an der heiligen Stätte angebracht. Ein israelischer Repräsentant bestätigte, die Kameras seien an einem Eingang zum Tempelberg installiert worden. Es war zunächst unklar, ob sie dort die umstrittenen Metalldetektoren ersetzen oder ergänzen sollten.

Die Palästinenser lehnen allerdings beide Maßnahmen strikt ab. Die israelische Regierung versammelte sich am Sonntag zu Beratungen darüber, ob die Metalldetektoren an der Stätte, die Muslimen und Juden heilig ist, wieder abgebaut werden sollten.

Auslöser und folgende Eskalation

Die Aufstellung von Metalldetektoren gilt als Auslöser blutiger Unruhen, bei denen am Freitag vier Palästinenser getötet und Hunderte verletzt wurden. Israel hatte die Detektoren nach einem Anschlag dreier Muslime installiert, bei dem am 14. Juli zwei israelische Polizisten getötet worden waren.

Die neuen Konfrontationen entzündeten sich nach dem Freitagsgebet. Israel hatte nur Männern über 50 und Frauen den Zutritt zum Tempelberg gestattet, den Muslime als "Haram al-Sharif" (Edles Heiligtum) verehren.

Attentat auf israelische Familie

Ein palästinensischer Attentäter drang dann am Freitagabend in eine israelische Siedlung im Westjordanland ein und tötete dort drei Mitglieder einer Familie.

Kabinettssitzung am Sonntag: Netanjahu unter Druck

Zu Beginn der Kabinettssitzung am Sonntag verurteilte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den Anschlag, kündigte die rasche Zerstörung des Hauses an, in dem der Attentäter lebte, und sagte, Israel werde angemessene Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Netanyahu geriet wegen der Maßnahmen am Tempelberg zunehmend unter Druck.

Scharfe Töne der Arabischen Liga

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, warnte Israel am Sonntag vor gefährlichen Konsequenzen. "Die israelische Regierung spielt mit dem Feuer und riskiert es, eine große Krise mit der arabischen und der islamischen Welt auszulösen", sagte er nach Angaben eines Sprechers in Kairo. Jerusalem sei für Araber und Muslime eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe. Die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg gilt als drittheiligste Stätte des Islams.

Festnahmen-Welle im Westjordanland

Israelische Soldaten haben in der Nacht auf Sonntag 25 Palästinenser im Westjordanland festgenommen. Eine Armeesprecherin bestätigte lediglich, es seien neun Mitglieder der radikal-islamischen Hamas in Haft genommen worden.

Aus dem Gazastreifen wurde am Sonntag eine Rakete in Richtung Israel abgefeuert, die in der Luft explodierte, wie die israelische Armee mitteilte. Verletzte gab es demnach nicht. Zu dem Abschuss bekannte sich zunächst niemand.

Papst-Appell: "Mäßigung und Dialog"

Der Papst hat beim Angelus-Gebet am Sonntag die neue Eskalation verurteilt. Er verfolge mit Bangen die schwere Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. Franziskus richtete einen Appell zu "Mäßigung und Dialog".