Politik | Ausland
16.06.2017

Technoband „Scooter“ rollt in den Ukraine-Konflikt

Die deutschen Musiker wollen auf der von Russland annektierten Krim auftreten - Kiew droht mit Haftstrafen.

Ist die Hamburger Band „Scooter” so unpolitisch wie sie sich darstellt? Um den geplanten Auftritt der Technoband auf der Krim am 4. August ist ein internationaler politischer Skandal entstanden.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew droht den Musikern, die in den 1990ern mit Hits wie "Hyper Hyper" europaweit bekannt wurden, mit Gefängnisstrafen, sollten sie nach dem Konzert souveränen ukrainischen Boden betreten. Seit dem Frühjahr 2014 ist die Krim russisch besetzt, als Folge davon Russland von internationalen Sanktionen der EU und den USA betroffen.

Einreiseverbot und Haft

Die Ukraine geht gegen jede Person mit Einreiseverbot und Haftstrafen vor, die über Russland auf die Krim reist. Die Band wird über Moskau auf die Halbinsel im Schwarzen Meer fliegen, so die Information der BILD.

„Wir sehen das als rein musikalischen Event, wir spielen für unsere Fans“ so verteidigte sich Frontmann H.P. Baxxter gegenüber deutschen Medien. Der wasserstoffblonde Sänger, der seit Mitte der Neunziger in Russland und der Ukraine auftriti, erklärte zudem, die Gruppe habe und werde sich nicht politisch instrumentalisieren lassen.

Wenn auch die Band mit simplen Melodien ihre Erfolge feiert, zu schlicht kann das Gemüt des Bandleaders auch nicht sein - immerhin büchste Baxxter schon aus der Technowelt aus und machte sich mit Thomas-Bernhard-Lesungen einen Namen.

Skandal bei Song Contest

Auch der Skandal um den verhinderten Auftritt der russischen Sängerin Julia Samoilowa auf der Eurovision in Kiew sollte den Hamburger Musikprofis kaum entgangen sein. Die Vertreterin Russlands wurde von der Ukraine ausgeschlossen, da sie bereits zuvor auf der Krim gesungen hatte und dorthin über Russland eingereist war.

Auf der Webseite der Band wird vorsichtigerweise nur der Ort „Bakalava“ angegeben, ohne Länderbezeichnung. Zudem hat die Band, die mit ihrer „25 Years Wild und Wicked Tour“ ihr Bandjubiläum feiert, als folgenden Auftrittsort wohlweislich nicht Kiew, sondern Kattowitz (Katowice) in Polen gewählt.

Halja Cojnash, Mitglied der Menschenrechtsgruppe im ostukrainischen Charkiv, forderte die Gruppe auf, den Auftritt abzusagen. Auf der Krim gebe es Verfolgungen von Tataren und ethnischen Ukrainern. Scooter würde durch ihren Auftritt die Verbrechen Putins „übertünchen“, kritisierte auch die grüne Europapolitikerin Rebecca Harms.