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Tauziehen um verhafteten Saif Gaddafi
Prozess in Den Haag, oder in Libyen? Nach der Verhaftung von Saif al-Islam wird über dessen Schicksal heftig gerungen.
Der Plan war kühn - und er ging komplett schief. Mit einer Handvoll seiner Getreuen hatte Saif al-Islam Gaddafi versucht, sich aus Libyen ins Nachbarland Niger abzusetzen. Schließlich genießt auch sein Bruder Saadi seit Wochen dort Asyl, aus humanitären Gründen.
Die örtliche Miliz aber, die dem Lieblingssohn des ermordeten Diktators schon lange auf den Fersen gewesen war, stoppte den Konvoi und nahm Saif, der an der rechten Hand verletzt ist und dem mehrere Fingerglieder fehlen dürften, fest. Man schaffte ihn per Flugzeug in die Stadt Zintan, der zentralen Basis der Miliz.
Wie und vor allem wohin es aber mit dem Gaddafi-Sohn weitergehen sollte, blieb vorerst unklar. Der internationale Strafgerichtshof im niederländischen Den Haag hatte bereits Ende Juni einen internationalen Haftbefehl ausgestellt und fordert nun, ebenso wie die EU, Libyen auf, den Angeklagten rasch auszuliefern. Chefankläger Luis Moreno-Ocampo, der Saif unbedingt in den Niederlanden vor Gericht stellen will, hat schon vor Wochen Vorbereitungen getroffen, um ihn möglichst rasch nach der Festnahme auszufliegen. Der Gaddafi-Sohn selbst hatte auf der Flucht über Vermittler mitteilen lassen, dass er sich in Den Haag stellen wolle.
Libyens Übergangsregierung dagegen ist fest entschlossen, den 39-Jährigen in Libyen selbst vor Gericht zu stellen. Man werde dem Sohn des Diktators einen fairen Prozess machen.
Wörthersee und Opernball
Gaddafi hatte seinen Zweitältesten schon lange zum politischen Nachfolger bestimmt. Saif präsentierte sich mehrfach als Vermittler in Streitfällen zwischen Libyen und anderen Staaten und galt lange als der vernünftigste und moderateste Vertreter des Regimes.
Er studierte in London und in Wien, wo er sich über Jahre bevorzugt aufhielt. In Österreich pflegte der smarte, weltmännisch und ausgesprochen westlich auftretende Libyer enge Kontakte zur Vertretern des Gesellschaftslebens. Auch bei Ereignissen wie dem Opernball war der enge Freund Jörg Haiders gerne gesehener Gast. Keineswegs als eleganter Lebemann zeigte sich Saif in den letzten Wochen des Regimes. Mit Durchhalteparolen und Hassreden rief er zum Kampf für seinen Vater auf.
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