Politik | Ausland
03.06.2014

Zigtausende Spanier fordern Ende der Monarchie

Nach der Abdankung des Königs rufen Tausende nach einem Referendum über die Zukunft der Krone.

Sie fordern laut die dritte Republik: Nach der Abdankung von König Juan Carlos haben am Montagabend Tausende Spanier in Madrid und vielen anderen Städten des Landes gegen die Monarchie demonstriert. Mit den rot-gelb-violetten Flaggen aus der Zeit der 2. Republik - jener Ära in den 1930ern, bevor Franco die Macht an sich riss - rufen sie nach einer Volksabstimmung über den Fortbestand des Königshauses. Allein auf der Madrider Puerta del Sol sollen sich 30.000 Menschen versammelt haben.

Hintergrund der Demonstrationen ist das mehr als angeschlagene Image des Königshauses: Die Monarchie hat in den vergangenen Jahren wegen zahlreicher Korruptionsskandale und anderer Fehltritte an Ansehen verloren. Vor allem Juan Carlos' Tochter Cristina und ihr Mann waren offen im Zentrum der Kritik gestanden - und auch vor Gericht, da ihnen Steuervergehen vorgeworfen werden.

Bilder der Demonstrationen

Zigtausende Spanier fordern Ende der Monarchie

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Crowds of people gather in the main square of Madr…

King Juan Carlos

Crowds of people gather and wave republican flags …

SPAIN ROYALTY

SPAIN ELECTIONS

King Juan Carlos

People hold Republican flags as they take part in

SPAIN ROYALTY

Anti-royalist protesters show Catalan separatist f

A boy waves a Catalan independence flag during an

People hold a banner and Catalan independence flag

King Juan Carlos

King Juan Carlos

Protesters wave Spanish Second Republic flags duri

Protesters wave Spanish Second Republic flags duri

SPAIN ROYALTY

People chant slogans during an anti-royalist demon

Medien bleiben milde

Vielen Landeszeitungen war die Abdankung eine Sonderausgabe wert - mit positivem Tenor. Der Monarch, "der den Weg zur Demokratie ebnete", reiche die Krone für eine weitere Modernisierung weiter, kommentierte die Mitte-links-Zeitung El País. Zugleich äußerte sie hohe Erwartungen an Thronfolger Felipe: Der Sohn von Juan Carlos und Königin Sofia müsse nun "das Vertrauen der Spanier gewinnen", indem er auf die "Qualitäten seines Vaters" baue. Felipe müsse die Modernisierung erleichtern, die das Land "dringend braucht". Wie alle anderen Zeitungen auch druckte das Blatt die Erklärung des 76-jährigen Monarchen in ganzer Länge, mit der Juan Carlos am Montag im Fernsehen seine Abdankung verkündet hatte.

Die konservative TageszeitungABCwidmete ihre gesamte Ausgabe von 48 Seiten dem Thronwechsel. Der König habe in seiner "historischen Abschiedsrede" versichert, dass er immer das "Wohl der Spanier" angestrebt habe, hieß es in einem Kommentar auf der Titelseite. Ein Foto zeigte Juan Carlos und Felipe in Militäruniform.

"Danke, Juan Carlos", schrieb die konservative Zeitung La Razon auf der ersten von ebenfalls 48 Sonderseiten. Die Rückseite ziert ein Foto von des 46-jährigen Felipe, die Überschrift lautet: "Felipe VI., die Zukunft ist Euer." Die Mitte-rechts-Zeitung " El Mundo" äußerte die Erwartung, dass der neue König die Monarchie "wiederbeleben" müsse. 15 Seiten der Sonderausgabe waren dem Thema gewidmet.

Zeremonien-Vorbereitung

Am Dienstag berät die Regierung in Madrid bei einer außerordentlichen Sitzung über das weitere Verfahren. Der Ministerrat soll eine von der Verfassung vorgeschriebene Gesetzesvorlage für den Übergang der spanischen Krone auf den 46-jährigen Kronprinzen Felipe erarbeiten. Abgeordnetenhaus und Senat müssen den Gesetzentwurf anschließend verabschieden.

Die Abdankung des 76-jährigen Monarchen tritt am Tag der Veröffentlichung des Gesetzes im Amtsblatt in Kraft. Danach kann der Kronprinz zum König und Staatsoberhaupt proklamiert und vor dem Parlament vereidigt werden.

Die Monarchie muss sich neu erfinden

Einmal noch hat Juan Carlos das getan, was Spanien von ihm tatsächlich brauchte: Er ist zurückgetreten. Mehr konnte er für die Institution, die er als junger Mann groß gemacht und als alter Mann zugrunde gerichtet hat, nicht mehr tun. Es war wohl gesundheitliche, aber auch moralische Schwäche, in die sich der 76-Jährige gefügt hat. Das Land, das durch die schwerste Krise seit Jahrzehnten geht, braucht wenigstens eine intakte Autorität. Das System der zwei staatstragenden Großparteien hat seine Unterstützung bei den Menschen verspielt. Die EU, die die einst rückständige Diktatur auf dem Weg zu einem modernen Staat begleitete, gilt für die meisten Spanier heute als von Berlin aus gesteuerter Sparverein. Als junger König hatte sich Juan Carlos putschenden Generälen entgegengestellt, das machte seinen Landsleuten eines deutlich: Was ihm dieses Land wert war – und wie viel es ihnen wert sein sollte. Die Spanier glaubten ihm. Sohn Felipe wird als König Ähnliches zuwege bringen müssen, um diese Überzeugung wachzurufen. Dann, und nur dann hat die Monarchie einen Sinn.

Die Proteste im Netz

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