Politik | Ausland
10.11.2016

Sechs Tote bei Taliban-Angriff auf deutsches Konsulat

Die Zahl der Toten ist auf sechs gestiegen. Mindestens 120 Menschen wurden verletzt. Auch österreichische Soldaten sind in der Stadt stationiert.

Nach der Explosion der am Donnerstag vor dem deutschen Generalkonsulat im nordafghanischen Mazar-i-Sharif gezündeten Lastwagenbombe ist die Zahl der Toten bis Freitagfrüh auf mindestens sechs angestiegen. Alle deutschen Mitarbeiter des Konsulats sind laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes aber "sicher und unverletzt".

Der Chef des Zivilkrankenhauses der Stadt, Nur Mohammed Fais, sagte, bisher seien fünf Leichen in das Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Polizeiangaben war auch ein Attentäter ums Leben gekommen, als er vor dem Konsulat die Bombe zündete. Mehr als 120 Menschen sind nach Klinikangaben bei der massiven Explosion verletzt worden.

Der renommierte afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, die deutschen Konsulatsmitarbeiter seien in das von der Bundeswehr geführte, etwa zehn Kilometer entfernte Militärlager Camp Marmal gebracht worden. Im Generalkonsulat arbeiten etwa zwei Dutzend deutsche Mitarbeiter.

Details zu Angriff unklar

Unklar ist noch, wie viele Talibankämpfer an dem Angriff beteiligt waren. Der Polizeichef der Stadt, Saied Sadat, sagte, Freitagfrüh sei gegen 6.00 Uhr ein zweiter Attentäter entdeckt und festgenommen worden. Er sei unter Schutt begraben gewesen oder habe sich dort versteckt. In der Nacht hatte er von einem Angreifer gesprochen. In der Mitteilung des Auswärtigen Antes war die Rede von mehreren "schwer bewaffneten Angreifern", die "vom Sicherheitspersonal des Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften von "Resolute Support" zurückgeschlagen worden" seien.

Die Taliban begründen ihren Anschlag mit einer deutschen Mitverantwortung an einem blutigen US-Luftangriff. Das sagte der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mujahid. der dpa Freitagfrüh. Deutschland sei an einem NATO-Luftschlag in der Provinz Kunduz beteiligt gewesen, bei dem in der Nacht des 3. Novembers mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen waren. Die Deutschen hätten den US-Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lassen. Deshalb sei in der Nacht das Generalkonsulat angegriffen worden.

Deutschland nicht beteiligt

Nach Auskunft der Bundesregierung war die Bundeswehr am fraglichen Luftangriff aber nicht beteiligt. Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, General Charles Cleveland, hatte der dpa nach dem Angriff per E-Mail bestätigt, dass die USA einen Luftangriff zum Schutz einer unter Beschuss geratenen afghanisch-amerikanischen Bodenoffensive ausgeführt hatten.

Der Talibansprecher sagte am Morgen: "Wieso sollten wir die Deutschen nicht angreifen? Deutschland war direkt beteiligt an dem Luftschlag, der Zivilisten das Leben gekostet hat. Dieser Luftangriff basierte auf nachrichtendienstlichen Informationen, die deutsche Soldaten den US-Truppen gegeben haben. Jeder weiß, dass sie noch ein Lager in Nordafghanistan haben. Deutsche Soldaten sind noch immer dort."

Österreichische Soldaten unversehrt

Die derzeit in Mazar-i-Sharif stationierten Bundesheer-Soldaten waren nicht betroffen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Die drei Gebirgsjäger seien in einem vom Generalkonsulat weit entfernten Camp untergebracht. Sie nehmen seit Mitte Oktober in der nordafghanischen Stadt an einer von Deutschland geführten Ausbildungs- und Trainingsmission für afghanische Soldaten teil. Nach Angaben der deutschen Presse-Agentur dpa sind in dem Lager etwa 1000 deutsche Soldaten stationiert. Laut der Bundeswehr seien nach der Explosion sofort Kräfte aus dem Camp Marmal zum etwa zehn Kilometer entfernten Anschlagsort gebracht worden. Medienberichten zufolge brachte die gewaltige Explosion Fensterscheiben im Umkreis von einem Kilometer zu Bruch, in der Stadt sei auch der Strom ausgefallen.