Politik | Ausland 09.04.2012

Syrische Soldaten erschießen Flüchtlinge

© Bild: REUTERS

Mindestens zwei Menschen kamen an der Grenze zur Türkei ums Leben - Waffenruhe scheint immer unwahrscheinlicher.

Eine baldige Waffenruhe in Syrien wird immer unwahrscheinlicher. Am Montag gingen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Rebellen unvermindert weiter. In der Protesthochburg Homs kamen nach Angaben von Aktivisten mindestens neun Menschen ums Leben, als die Armee am frühen Morgen das Feuer auf die Viertel Al-Khalidija und Deir Baalaba eröffnete.

An der syrisch-türkischen Grenze nahe der Stadt Aleppo wurden laut syrischen Menschenrechtlern mindestens sechs syrische Grenzschützer bei einem Rebellenangriff getötet. Wegen der vom Regime verhängten Medienblockade sind solche Meldungen von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Grenzübertritt

Syrische Soldaten wiederum eröffneten unmittelbar an der Grenze zur Türkei das Feuer auf eine Gruppe von Flüchtlingen eröffnet und töteten mindestens zwei Menschen. Elf weitere Personen seien verletzt worden, berichtete der Nachrichtensender CNN Türk unter Berufung auf türkische Behörden weiter.

Unter den Verletzten sei auch ein türkischer Staatsbürger, der bei Kilis auf türkischem Gebiet getroffen worden sei. Er habe dort als Übersetzer gearbeitet. Das türkische Außenministerium richtete eine scharfe Warnung an das syrische Regime. Die Angriffe müssten umgehend gestoppt werden.

Ursprünglich war für Dienstagmorgen in Syrien eine von UN und Arabischer Liga überwachte Waffenruhe vorgesehen. Das Regime von Präsident Bashar al-Assad verlangte aber am Sonntag plötzlich schriftliche Garantien von der Opposition. Die Freie Armee der Deserteure lehnte dies ab.
 

Vorwurf: Massenhinrichtungen

Indes warf die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch dem Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad vor, bei den jüngsten Militäroffensiven mehr als 100 Menschen in den Protesthochburgen hingerichtet zu haben.

In einem am Montag in New York veröffentlichten 25-seitigen Bericht schreibt die Gruppe, dass es sich bei den Getöteten um Zivilisten sowie um verletzte oder festgenommene Rebellen gehandelt habe.

Dokumentiert werden mehr als ein Dutzend solcher Hinrichtungen mit mindestens 101 Opfern seit Ende 2011 durch Regierungstruppen und regimetreue Milizen in den Unruheprovinzen Idlib und Homs. Viele davon hätten sich im März 2012 ereignet, heißt es. Mindestens 85 Opfer seien Menschen gewesen, die nicht an den Kämpfen beteiligt waren, darunter auch Frauen und Kinder.

"Bei ihrem verzweifelten Versuch, den Aufstand niederzuschlagen, haben syrische Truppen Menschen kaltblütig hingerichtet, Zivilisten wie oppositionelle Kämpfer", sagte Ole Solvang, einer der Verfasser des Berichts. Human Rights Watch rief den Weltsicherheitsrat auf, im Zuge der Friedensmission des UN-Sondergesandten Kofi Annan auch solche Verbrechen zu dokumentieren.

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Erstellt am 09.04.2012