Politik | Ausland
06.03.2013

Syrische Rebellen nehmen Blauhelme als Geiseln

Aufständische gegen das Assad-Regime haben philippinische UN-Blauhelme in ihre Gewalt gebracht. Alarm auch bei Österreichs UN-Soldaten.

Es ist der bisher schwerste Übergriff gegen die UNO-Truppe am Golan, bei der ja Österreich eine maßgebliche Rolle spielt. Bewaffnete Rebellen gegen das Assad-Regime haben 21 Blauhelme von den Philippinen in ihre Gewalt gebracht. Die Soldaten der UN-Mission UNDOF wurden während einer Patrouille überfallen.

Die Rebellen, die ersten Angaben zufolge einer islamistischen Gruppierung angehören, wandten sich mit einem Internet-Video an die Öffentlichkeit. Sie verlangen den Abzug der Armee des Assad-Regimes aus der gesamten Region rund um die Golan-Höhen. Erst dann würden sie ihre Geiseln wieder freigeben. Österreichische Blauhelme, deren Bataillon ja in unmittelbarer Nachbarschaft der Philippinos stationiert sind, sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Wien nicht betroffen.

Sondersitzung

In der UN-Zentrale in New York löste die Nachricht Alarmstimmung aus. Auf Antrag der russischen Delegation wurde umgehend eine Sondersitzung des Sicherheitsrates einberufen. Dort wurde die Aktion der Rebellen klar verurteilt und eine „sofortige und bedingungslose Freilassung“ der Geiseln gefordert. Die Führung der UNDOF-Truppe hat ein multinationales Team zusammengestellt und zu Verhandlungen mit den Rebellen ausgesandt. Man steht in telefonischem Dauerkontakt mit der New Yorker Zentrale, um etwaige Bedingungen für die Freilassung auszuloten.

Innerhalb der UNO wird die Aktion der Rebellen als schwerwiegender Verstoß gegen die Waffenstillstands-Abkommen für den Golan gewertet. Dieser stelle die gesamte Truppentrennungs-Mission in der Region, die ja seit 1974 läuft, in Frage. Ein militärisches Vorgehen gegen die Rebellen wäre nach den derzeit gültigen Verträgen möglich, da den Blauhelmen Waffengewalt zur Selbstverteidigung erlaubt ist.

Österreicher eingebunkert

Die österreichische Truppe auf den Golanhöhen hat sich schon seit Wochen auf die durch den Bürgerkrieg massiv verschlechterte Sicherheitslage eingestellt. Man führt keinerlei Patrouillen mehr durch und ist auf bewaffnete Verteidigung des Camps vorbereitet. Auch die bisher regelmäßig möglichen Fahrten nach Damaskus, um mit den dortigen Vertretern des Bundesheeres Kontakt zu halten, sind eingestellt. Zugleich wächst auch in der österreichischen Militärführung die Skepsis, ob die Mission unter diesen Bedingungen noch sinnvoll fortgeführt werden kann. Schon einmal waren österreichische UN-Soldaten bei Damaskus unter Beschuss geraten. Beobachter befürchten auch eine heftige und rasche Reaktion von Seiten Israels. Die israelische Armee könnte auf den Bruch des Waffenstillstandsabkommens auf dem Golan mit Trupenverlegungen in die Region antworten.

Einsatz seit 1974

Die Beobachtermission UNDOF ist seit 1974 auf den Golan-Höhen im Einsatz. Israel hatte den strategisch wichtigen Landstrich im Sechs-Tage-Krieg von 1967 besetzt, 1973 scheiterte Syrien im Jom-Kippur-Krieg mit der Rückeroberung. 1981 annektierte Israel die Golan-Höhen, der UN-Sicherheitsrat bezeichnete den Schritt aber als ungültig. Die derzeit etwa 1.100 UN-Beobachter kontrollieren den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien und überwachen eine Pufferzone zwischen den besetzten Gebieten und dem syrischen Staatsgebiet.