Politik | Ausland 15.03.2016

Syrien: Wer kämpft gegen wen?

Noch nicht abgeschlossen sind die politischen Umwälzungen, die im März in Syrien begannen. © Bild: AP

Von Russland bis "Islamischer Staat": Die Kriegsparteien in Syrien im Überlick.

Russland hat am Dienstag begonnen, seine Truppen - zumindest teilweise - aus Syrien abzuziehen. Das Land bleibt aber zerissen: Zahlreiche nationale und internationale Kräfte wirken gegeneinander.

Im Zentrum des Krieges steht der Konflikt zwischen Unterstützern und Gegnern von Präsident Baschar al-Assad. Beide Konfliktgruppen sind jedoch stark zersplittert und verfolgen zum Teil unterschiedliche Interessen. Gegen Assad kämpfen hunderte verschiedene Milizen, mittlerweile auch viele für ihn. Auch internationale Regime-Unterstützer und -Gegner sind in den Syrien-Krieg involviert, genauso die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Das syrische Regime: Assad stützt sich auf die Reste des Militärapparats. Er verfügt unter den syrischen Kriegsparteien als Einziger über eine Luftwaffe, außerdem kämpfen Überbleibsel der Armee-Eliteeinheit für ihn. Die einst schlagkräftige und gefürchtete syrische Armee ist jedoch stark geschrumpft: Viele Kämpfer sind gefallen, es gibt Überläufer und Verweigerer. Von den 300.000 Mann sind rund die Hälfte geblieben.

Bashar Assad
FILE - This Wednesday, Aug. 19, 2009 file photo shows Syrian President Bashar Assad during a meeting with his Iranian counterpar… © Bild: AP/Vahid Salemi

Die syrischen Rebellen: Zu Beginn kämpften kleine örtliche Rebellengruppen gegen das Regime, mit Fortlaufen des Krieges entstanden größere Koalitionen. Was sie eint, ist der Wunsch nach dem Sturz Assads. Von der Zukunft Syriens haben sie jedoch unterschiedliche Vorstellungen. Am schlagkräftigsten ist derzeit die "Armee der Eroberung" (Dschaisch al-Fatah), die Allianz wurde im März 2015 geknüpft, ihr gehören verschiedene Milizen an. Zu den stärksten zählen die islamistische Nusra-Front, der syrische Ableger von al-Kaida, die salafistische Ahrar al-Sham, sowie die Muslimbrüder. Die " Freie Syrische Armee" ist ein loser Bund von Rebellenmilizen, der auf desertierte Regimesoldaten zurückgeht. Die Rebellen gelten als gemäßigter und sind vor allem im Süden des Landes aktiv. Gegenüber den radikaleren Gruppen haben sie an Schlagkraft verloren.

Internationale Unterstützer Assads

Vladimir Putin, Bashar Assad
FILE - In this file photo taken on Tuesday, Oct. 20, 2015, Russian President Vladimir Putin, center, shakes hand with Syrian Pre… © Bild: AP/Alexei Druzhinin

Iran: Das Land gilt als wichtigster Bündnispartner von Machthaber Baschar al-Assad. Seit 2011 greift es massiv in den Syrienkrieg mit eigenen Kämpfern, Militärberatern und finanziellen Mitteln zugunsten des Regimes ein. Die iranische Regierung will ihre Macht im Land absichern.

Irak: Die Regierung in Bagdad unterstützt das Assad-Regime. Seit 2013 kämpfen schiitisch-irakische Milizen in Syrien.

Russland: Putins Regierung war schon immer ein Partner Assads und unterstützte das Regime seit Ausbruch des Krieges mit Geld und Waffen. Seit 2015 flog die russische Regierung Luftangriffe - vorgeblich um den „Islamischen Staat“ zu bekämpfen. Die Angriffe erfolgten aber hauptsächlich auf andere Gegner des Regimes. Putin will seinen Einfluss in Syrien wahren.

Libanon: Seit 2013 kämpft die schiitische Partei und Miliz Hisbollah auf der Seite des Regimes. Zwischen 5.000 und 7.000 Männer beteiligen sich am Krieg in Syrien.

Internationale Gegner Assads

© Bild: REUTERS

USA: Die USA will den Sturz des Regimes. Assad steht einer prowestlichen Regierung und dem Übergang zur Demokratie im Weg. Die US-amerikanische Regierung hat bisher tausende Rebellen mit leichten Waffen unterstützt, und solche, die keine Verbindung zu radikalen islamistischen Gruppierungen haben.

Die Golfstaaten: Sie wollen den Sturz von Assad und islamistische syrische Rebellen an die Macht in Syrien bringen. Um das zu erreichen, haben sie zum Teil radikale Gruppen mit Geld und Waffen unterstützt, die später im "Islamischen Staat" aufgegangen sind.

Türkei: Auch die türkische Regierung will, dass Assad gestürzt wird und islamistische Rebellen an die Macht kommen. Sie half unter anderem Islamisten in Syrien und ließ lange Zeit den "Islamischen Staat" in der Türkei gewähren.

Andere Kriegsparteien

Terrormiliz IS ist auf dem Rückzug

Der "Islamische Staat" (IS): Die islamistische Terrormiliz will Syrien als Nationalstaat abschaffen und ein länderübergreifendes Kalifat errichten. 2003 wurde der IS aus dem irakischen Widerstand heraus geboren, durch al-Kaida nahestehenden Dschihad-Verteranen aufgebaut. 2013 sagte sich der IS von al-Kaida los, die beiden Terrororganisationen gelten nun als Konkurrenten. Zehntausende Kämpfer folgen dem Ruf des IS, tausende haben sich aus dem Ausland angeschlossen, um in Syrien und im Irak für den "Islamischen Staat" zu kämpfen.

Die "Volksverteidigungseinheiten" ( YPG): Die YPG ist der bewaffnete syrische Ableger der linken türkisch-kurdischen "Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK). Mitte 2012 haben sie in Kantonen im Norden Syriens die Macht übernommen und sich seitdem entlang der türkischen Grenze ausgebreitet. Sie kämpfen für eine Autonomie innerhalb des syrischen Staates. Die von ihnen kontrollierten Gebieten werden am meisten vom IS bedroht, sie kooperieren manchmal mit Anhängern von Assad und manchmal mit seinen Gegnern. Unterstützt werden sie von den USA, gleichzeitig werden sie von der Türkei - eigentlich Verbündete der USA - bedroht.

( kurier.at , cp ) Erstellt am 15.03.2016